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Handkamera-Hexenhorror wirkt nicht mehr

Blair Witch? Das war doch dieser Film aus den 90ern, dürfte manch Kinofan denken. Es ging um eine Gruppe junger Menschen, die im tiefen Wald Opfer der titelgebenden Hexe wurden. Auf ein Neues!

Callie Hernandez als Lisa scheint zwar offenkundig Angst zu haben – doch die mag sich auf den "Blair Witch"-Zuschauer im Kino kaum übertragen.
Studiocanal Filmverleih Callie Hernandez als Lisa scheint zwar offenkundig Angst zu haben – doch die mag sich auf den "Blair Witch"-Zuschauer im Kino kaum übertragen.

An der Kinokasse erschien es etwas wie Hexenwerk. Läppische 60.000 Dollar hatte der 1999 erschienene Gruselfilm „The Blair Witch Project“ gekostet, laut Branchen-Webseite „boxofficemojo.com“ spielte er etwa eine Viertelmilliarde ein – eine Steigerung um mehr als das Viertausendfache. Nur ein Jahr später folgte eine Fortsetzung, die an den kommerziellen Erfolg des Low-Budget-Originals nicht anknüpfen konnte. Nun gibt es einen neuen Anlauf.

„Blair Witch“ heißt Teil 3 des Hexenhorros, der abermals eine Gruppe junger Menschen in den dunklen Wald schickt. Knapp eineinhalb Stunden dauert der Irrgang von Schauspielern, die in Hollywood bisher bestenfalls in der zweiten Reihe standen – ihre Leinwand-Performance samt wimmerndem Weinen und schrillem Schreien zerrt aber eher an den Nerven der Zuschauer, als dass sie mit authentischer Mimik und wohl dosiertem Schrecken einen Gruselfaktor erzeugt.

Horrorfans dürften enttäuscht sein

 

Allerdings haben die Akteure um Hauptdarsteller James Allen McCune („The Walking Dead“) und Callie Hernandez („Graves“) einen schweren Stand in einem dürftigen Plot, der weniger auf schlüssige Dialoge als vielmehr auf wacklige Kameraeffekte setzt. Die Filmemacher um Regisseur Adam Wingard („The Guest“) machen nämlich einen entscheidenden Fehler: Sie zeigen viel zu viel.

Das Original setzte 1999 mit seinen dunklen Unschärfen auf eine altbewährte Faustregel im Horrorgenre: Nicht das gut Sichtbare löst den größten Schrecken aus beim Zuschauer, sondern allein die Vorstellung, dass das Ungeheuer da ist. Kopfkino also statt Hightech-Bilder. In „Blair Witch“ sind hingegen eklige Monsterwürmer und hässliche Hexen zu sehen. Horrorfans dürften eher enttäuscht sein, während Neu-Einsteiger in die Blair-Witch-Reihe gar nicht erst erfasst werden vom Grusel-Sog.

Einfältiges Schauermärchen von der Tatterhexe

Das Original „The Blair Witch Project“ war Vorbild für sogenannte Found-Footage-Filme, die auf angeblich realen, gefundenen Aufnahmen basierten. Der unscharfe Minimalismus war ein innovativer Impuls im Horrorgenre. Andere Leinwandwerke wie „Paranormal Activity“ oder „REC“ folgten dem Vorbild.

Doch was damals neu und überraschend war, ist heute Standard in der Kino-Werkzeugkiste. Und so wirkt der Hightech-Horror doch eher wie ein lautes und blutiges, zugleich aber einfältiges Schauermärchen von einer klapprigen, einsamen Tatterhexe, die statt auf der Leinwand zu landen doch besser unbeachtet im Wald geblieben wäre.