Neu im Kino:

„Hardcore“: Nach Ballerspielen modellierter Actionfilm

In diesem Hochgeschwindigkeitszug von einem Film geht es so brutal zu wie in einschlägigen Computerspielen. Protagonist Henry, halb Roboter, halb Mensch, wird auf eine wilde Jagd durch ein unwirtliches Moskau geschickt.

Der Film „Hardcore“ ist aus der Perspektive des Hauptdarstellers gedreht.
capelight pictures Der Film „Hardcore“ ist aus der Perspektive des Hauptdarstellers gedreht.

Bei Computerspielen sind die sogenannten Ego-Shooter seit Langem sehr beliebt: Spiele, bei denen man quasi die Rolle der Hauptfigur einnimmt und seine Gegner mit Waffen bekämpft. Nun kommt „Hardcore“, ein Film, der diese Ich-Perspektive und das damit zusammenhängende Gefühl imitieren und auf die große Leinwand holen will. Alles ist so gefilmt, als befände sich die Kamera direkt im Kopf der Hauptfigur, beziehungsweise so, als sei der Zuschauer mit dieser identisch. Ein Film wie ein Computerspiel.

Produziert hat das äußerst brutale und blutige Leinwanddebüt Timur Bekmambetow. Dieser hat sich als Regisseur von so kultigen Actionwerken wie „Wanted“ (mit Angelina Jolie) einen Namen gemacht. In einer Mini-Rolle in diesem, vor allem mit unbekannteren Darstellern besetzten Film ist außerdem der britische Darsteller Tim Roth zu sehen.

Üble Gewaltorgie

Es geht um einen eigentlich bereits gestorbenen Protagonisten namens Henry, der als Kampfroboter zurückgeholt wird ins Leben. Dort muss er sich mit einer ganzen Armee an gefährlichen Gegnern herumschlagen. Bereits der ästhetisch durchaus ambitionierte, in Rottöne getauchte Vorspann macht klar, was einen in „Hardcore“ so erwartet: Da werden Köpfe in Zeitlupe mit Baseballschlägern, Ziegelsteinen und Messern malträtiert, dass einem übel werden kann.

Gleich darauf lernen wir Henry kennen, den Protagonisten, schlüpfen gleichsam in dessen Haut. Die per Kamera hergestellte Ich-Perspektive sorgt dafür, dass wir von nun an alles durch Henrys Augen erleben: Wie er von seiner Frau, einer Wissenschaftlerin, wieder zum Leben erweckt wird. Wie er sich als Killermaschine durch Moskau kämpfen muss, wie er von unzähligen Gegnern mit unzähligen Waffen attackiert wird, darunter selbst Panzer. Und wie Henry schließlich in einer Art Endkampf (auch dies ja ein aus Computerspielen bekanntes dramaturgisches Element) gegen einen maliziösen Kerl mit schmierigen, halblangen blonden Haaren antreten muss.

Held muss viel aushalten

Filme, bei denen man mit der Hauptfigur mitfiebern, mitleiden oder sich mitfreuen kann, erleichtern einem eigentlich die emotionale Identifikation. Doch obwohl gerade dieser Film mit seiner subjektiven Kamerasicht so gefilmt ist, als wäre man selbst Henry, lässt einen das Leinwandgeschehen seltsam kalt. Weder fühlt man sich als Henry, noch leidet man großartig mit ihm mit. Und das, obwohl dieses Mischwesen aus Roboter und Mensch im Verlauf der 90 Filmminuten mehr aushalten muss als irgendein Kinoheld der vergangenen Zeit.

Die fehlende emotionale Identifikation aber macht es dem Kinozuschauer schwer, das brutale und nicht sonderlich sinnhaltige Gemetzel zu erdulden. Die wenigen Momente des Innehaltens indes nimmt man genauso gerne wahr wie den sparsam gesäten, wenn auch durchaus intelligenten Humor. 

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