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Hedi Schneider steckt fest

Mit ihrem Hochschulabschlussfilm „Hotel Very Welcome“ hat Sonja Heiss diverse internationale Preise eingeheimst. Seither sind acht Jahre ins Land gegangen. Nun legt die Autorenfilmerin endlich nach und teilt sehr persönliche Erfahrungen mit dem Publikum. Zwar ist der Film nicht autobiografisch, aber Angststörungen sind Sonja Heiss durchaus nicht unbekannt.

Hedis Mann Uli (Hans Löw) versucht Hedi (Laura Tonke) auf alle möglichen Weisen zu helfen.
Pandora Filmverleih Hedis Mann Uli (Hans Löw) versucht Hedi (Laura Tonke) auf alle möglichen Weisen zu helfen.

Am Anfang flitzt Hedi (Laura Tonke) mit dem Fahrrad lebensfroh durch die City. Vielleicht ist es ein böses Omen, dass die junge Frau heute im Fahrstuhl stecken bleibt. Hedi nimmt´s gelassen und scherzt mit dem Mann von der Notruf-Hotline. Wieder befreit, nervt Hedi einmal mehr ihren Arbeitskollegen. Sie ahnt nicht, dass sie schon sehr bald dessen Aufgaben übernehmen muss, weil er durchdreht und sich aus dem Fenster zu stürzen droht.

Es mag schon manches in ihr gebrodelt haben, aber der zusätzliche Stress löst bei der jungen Mutter eine tiefgreifende Angststörung aus. Bleischwer legt sich der Schatten auf Hedi, die sich kaum mehr aufrappeln kann. Und wenn sie es doch einmal versucht, ist ihr Handeln irrational und wunderlich. Hedis Mann Uli (Hans Löw) tut alles, um seine Liebe aufzufangen und das gemeinsame Kind so gut wie möglich mit der veränderten Situation vertraut zu machen. Keine leichte Aufgabe, die Uli zunehmend an den Rand der Selbstaufgabe drängt.

Das Umfeld ist hilflos

Weil seelische Erkrankungen in den unterschiedlichsten Erscheinungsformen zu Tage treten, hat die Autorin Sonja Heiss zur Vorbereitung gründlich die Fühler ausgestreckt. Das Krankheitsbild, das der Film zeichnet, ist sorgfältig recherchiert. Allerdings gehört die dargestellte Spielart nicht zu jenen, die den meisten Menschen geläufig sind. Laura Tonke etabliert eine sympathische Figur, die man von der Stelle weg mag. Der erfrischend trockene Humor, der ihre Figur am Anfang auszeichnet und der für viele kleine, herrlich skurrile Szenen sorgt, steht ihr ein wenig im Wege, wenn die Stimmung umschlägt. Ist das noch Spaß oder bereits bitterer Ernst? Auch Hedis Umfeld weiß nicht so recht mit diesem neuen Menschen umzugehen.

Vom wohlgemeinten, aber unbeholfenen Versuch des Chefs, auf seine Mitarbeiterin einzugehen bis hin zum guten Rat der Mutter, einfach mal kalt zu duschen, ist man um keine peinliche Unsicherheit verlegen. Uli behauptet einmal, Hedi hätte Krebs. Das können die Menschen wenigstens verstehen und akzeptieren. Engagierte, aber auch sehr unterhaltsame Filme wie dieser können ein wenig Licht ins Dunkel bringen, das seelische Krankheiten nach wie vor umgibt. Wirklich verstehen kann sie aber nur der Betroffene selbst.

Anspruch: 3
Spannung: 2
Action: 1
Humor: 2
Erotik: 2

Verleih: Pandora Filmverleih 

Bundesstart: 07. Mai 2015    

Genre: Tragikomödie

Mehr Infos unter www.hedi-schneider.com
 

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