Interview mit Schauspielerin Elizabeth Banks:

"Ich empfinde eine große Bewunderung für Katniss"

Die Schauspielerin Elizabeth Banks begann ihre Laufbahn am Theater. Die Rolle der Dr. Kim Briggs in der Erfolgs-Comedy „Scrubs“ und natürlich ihre Besetzung als schrille Betreuerin Effie Trinket in „Die Tribute von Panem“ bescherten der heute 40-Jährigen den endgültigen Durchbruch. Ein Gespräch.

Die US-amerikanische Schauspielerin Elizabeth Banks.
Britta Pedersen Die US-amerikanische Schauspielerin Elizabeth Banks.

Mrs. Banks, Ihre Rolle im Film ist größer als die der Effie im Buch. Wen mussten Sie bestechen?

(lacht) Man ist auf mich zugekommen. Tatsächlich war ich deswegen ein wenig besorgt. Auch ich bin ein riesiger Fan der Bücher. Und ich möchte nicht, dass die Fans auf die Barrikaden gehen. Man hat mir versichert, dass die Zuschauer wirklich mehr von Effie sehen wollen.

Welche Veränderungen hat Ihre Figur durchgemacht?

Wenn Effie im ersten Film die Tribute (Anm.: Kandidaten für einen Kampf auf Leben und Tod) auslost, steht sie noch auf der falschen Seite. Sie repräsentiert Präsident Snow und glaubt an die Sache. Während des zweiten Teils „Catching Fire“ entwickelt sie eine große Empathie für die unterdrückten Distrikte und besonders für Katniss und Peeta, die Helden der Geschichte. Die Untaten von Präsident Snow werden für sie zu etwas Persönlichem. Mittlerweile zeichnet sich deutlich ab, dass ein Umsturz ins Haus steht und Effie möchte nicht auf der falschen Seite stehen. So oberflächlich sie auch wirken mag, so leicht man sie auch in die Schublade des Frivolen stecken kann, so wächst doch ihr Herz. Sie ist wie der Grinch. Effies Herz ist im Laufe der Filme immer größer geworden. Es ist sehr einfach, Menschen zu unterdrücken, die man nicht kennt. Aber Effie hat die Distrikte nun über ihre Beziehung zu Katniss und Peeta kennengelernt. Sie sind zu Freunden geworden - was es sehr schwer macht, sie weiterhin zu tyrannisieren.

Effies Herz ist größer, dafür ist ihre Schminke weniger geworden.

Ja, das war wirklich großartig. Ich habe dadurch pro Tag eine Stunde gewonnen, die ich nicht in der Maske verbringen musste. Effie konnte auf ihrer Flucht vom Kapitol nur die Kleider mitnehmen, die sie am Leibe trug. Sie steht an einem Neuanfang. Wenn sie nun in den Distrikt 13 eintritt, erinnert sie die Bewohner daran, dass die Leute vom Kapitol auch nur Menschen sind.

Es ist sehr bewegend, den verstorbenen Philip Seymour Hoffman noch einmal auf der Leinwand zu erleben.

Ja, das geht mir genauso. Es macht die Sache schwierig, denn es ist kein wirklicher Spaß für mich, diesen Film anzuschauen. Wir alle sind noch sehr schockiert über das, was geschehen ist.

Man kann „Die Tribute von Panem“ durchaus auch als Satire auf die Medien sehen. Wenn man heutzutage durchs Programm zappt, scheint diese Vision schon Realität zu werden.

Das ist wahr, ja. Wir sind besessen vom „Reality-TV“. Tatsächlich greifen das die Bücher und die Filme satirisch auf. In den ersten beiden Teilen beobachtet man 24 Leute in einer Arena, die auf Leben und Tod gegeneinander kämpfen. Jetzt sind die Mauern niedergebrochen und plötzlich ist jeder betroffen. Es wird für alle zur persönlichen Sache. Der Krieg bricht aus und die Gewalt kommt nach Hause, bricht in das Leben der Menschen ein. Sie ist echt, nicht länger Fernsehen. Das ist eine wichtige Botschaft, wie ich finde. Wir führen am Computerbildschirm Kriege in fernen Ländern. Wir schicken Menschen dorthin und waschen unsere Hände in Unschuld. Ich finde es wichtig, dass man sich bewusst macht, dass es jedes Mal um echte Menschenleben geht, die hier auf dem Spiel stehen.

Blicken Sie optimistisch in die Zukunft?    

Vielleicht fifty-fifty? Ich weiß nicht. Die globale Erwärmung ist jedenfalls eine Tatsache. Sie findet statt. Das ist kein schöner Gedanke.

Haben Sie eine eigene Theorie, wie Panem zu diesem totalitären Staat geworden ist?

Es ist leider nicht schwer, sich in der Welt umzuschauen und solche Diktaturen zu finden. Suzanne Collins bezieht sich mit ihren Büchern auf die gesamte Menschheitsgeschichte. Sie will daran erinnern, dass es viel schneller geht, in ein totalitäres System zu verfallen, als wir es wahrhaben wollen.

Was berührt Sie an den Büchern am stärksten?

Ich empfinde eine große Bewunderung für Katniss als Heldin. Ich habe es geliebt, mit dieser jungen Frau auf eine Reise zu gehen, auf der sie ihre eigene Stimme und ihre innere Kraft entdeckt. Sie merkt, dass sie etwas bewirken kann. Als Katniss ihre kleine Schwester rettet, zeitigt dieser mutige Akt einen Schneeballeffekt, der etwas Erstaunliches bewirkt. Sie handelt auf einer persönlichen Ebene und inspiriert einen gesellschaftlichen Wandel.

Wie haben Sie die erstaunliche Entwicklung der Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence über die Jahre miterlebt?

Das war großartig. Es ist gut, dass sie eine so liebenswerte Person ist. Und sie ist umwerfend komisch.

Was halten Sie von der aktuellen Politik, die letzten Bände erfolgreicher Trilogien gleich zu zwei Kinofilmen zu verarbeiten?

Immer, wenn man ein Buch adaptiert, gehen dabei zwangsläufig viele Elemente verloren. Es passt einfach nicht alles in einen zweistündigen Film. „Mockingjay“ ist ein sehr  umfangreiches Buch, in dem so viel passiert. Wenn wir Katniss wirklich auf ihrer emotionalen Reise begleiten und sie dabei beobachten möchten, wie sie ein Rebell wird, aufsteht und ihren eigenen Weg findet, ist es doch eine tolle Sache, vier Stunden zur Verfügung zu haben und nicht nur zwei.    

Nach dem Abschluss der „Panem“-Dreharbeiten sind Sie unter die Regisseure gegangen?

Ja, ich habe mich in die Welt von „Pitch Perfect 2“ gestürzt. Ich habe den ersten „Pitch Perfect“-Film gemeinsam mit meinem Ehemann produziert und war auf der Suche nach einem geeigneten Film für meine erste, große Regiearbeit. Ich habe schon ein paar Werbespots und Kurzfilme gemacht, zum Beispiel einen für die „American Heart Association“, in dem ich auch die Hauptrolle spiele. Ich hatte also meinen Zeh schon ins Wasser getippt. Bei Universal wusste man, dass ich das Drehbuch zu „Pitch Perfect 2“ mit entwickelt habe und das Material in- und auswendig kannte. Ich würde ohnehin jeden Tag am Set sein. Warum also nicht einen weiteren Hut aufsetzen?

Haben Sie in Ihrem Geschäft nun alles erreicht?

Nein. Ich möchte gern Julia Roberts sein! Aber das Geschäft war unfair zu mir und nun muss ich alles selbst hinkriegen. (lacht) Man kommt nicht als Charakterdarsteller in dieses Geschäft. Man möchte Geschichten erzählen und Rollen spielen, die dich inspirieren und das Publikum unterhalten. Ich fühle mich in der Komödiensparte besonders wohl, ich weiß, dass ich witzig bin und die Menschen gut unterhalte. Es bringt dich voran, wenn du einer Beschäftigung nachgehen darfst, die dir liegt. Leider bekommen Frauen vergleichsweise selten die Gelegenheit dazu. Gab es außer „Brautalarm“, „The Heat“ und „Pitch Perfect“ in den letzten Jahren noch eine Komödie, die von Frauen getragen wurde? Ich mache diesen Job nicht für mich, ich möchte die Menschen berühren. Ich kann nicht heucheln, dass ich es nicht mag, angeschaut zu werden. Ich bin Schauspielerin, weil ich gesehen werden möchte. Ich habe kaum je eine Hauptrolle gespielt und möchte das häufiger tun.

Eine Hauptrolle ist aber immer auch mit hohem Druck und großer Verantwortung verbunden.

Damit komme ich schon klar, glauben Sie mir.

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