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Ich habe mich nicht erziehen lassen

Als Jugendlicher verließ er Deutschland. Nun stellt der Enkel von Ex-DDR-Staatschef Erich Honecker in Berlin surrealistische Bilder aus. Er will als Künstler wahrgenommen werden – doch seine Verwandtschaft kann er nur schwer abschütteln.

Roberto Yanez lebt in Chile. Dorthin ist seine Familie Anfang der 1990er Jahre ausgewandert.
Bernd von Jutrczenka Roberto Yanez lebt in Chile. Dorthin ist seine Familie Anfang der 1990er Jahre ausgewandert.

Im schwarzen Kapuzenshirt schiebt er sich durch das Gewusel in der Berliner Galerie Kornfeld und schreibt Autogramme. Roberto Yañez, Enkel von Ex-DDR-Staatschef Erich Honecker, gibt sich gelassen. Dennoch ist am Dienstagabend eine Spannung spürbar. Bei seinem ersten Deutschland-Besuch nach 23  Jahren eröffnet der Künstler in der Hauptstadt die Bilder-Ausstellung „Metamorphosen“ und liest aus seinem Gedichtband „Frühlingsregen“. Dort kommen Gespenster, der Geist der Tiere oder Christus vor.

„Dann wollen wir mal versuchen, Politik und Kunst heute zu trennen“, sagt der große, stämmige Mann fast schüchtern. Die großformatigen Bilder mit kräftigen Ölfarben und kubistischen Formen heißen „Der giftige Nachmittag“ oder „Das metaphysische Fenster“. Der Surrealismus habe ihm geholfen, klarzukommen, sagt der 39-Jährige. „Das deutsche Denken ist logisch, genau strukturiert. Surrealismus passt da nirgendwo rein.“

Der Maler, Lyriker und Musiker lebt in Chile. Er hatte nach dem Mauerfall mit seiner Familie seine Heimatstadt Berlin verlassen. Er ist der Sohn von Honeckers Tochter Sonja. Sie hatte in der DDR den Exil-Chilenen Leo Yañez Betancourt geheiratet. Die Ehe wurde später geschieden.

„Politik und Großmutter halte ich auseinander“

Auch Sonjas Mutter Margot Honecker, die langjährige DDR-Ministerin für Volksbildung, reiste nach Chile aus. 1993 folgte Erich Honecker, nachdem das Strafverfahren gegen ihn wegen seiner schweren Krebserkrankung eingestellt worden war. Erich Honecker starb 1994.

Seiner Großmutter gehe es gut, sagt Yañez. Er habe als Enkel einen sehr guten Kontakt zu ihr – „aber politisch muss man das auseinanderhalten. Politik und Großmutter halte ich auseinander.“ Er sei ein kritischer Mensch. „Ich habe mich auch nicht erziehen lassen.“ Die Ex-Ministerin verteidigt bis heute ihre sozialistischen Prinzipien. Mit Blick auf seinen Großvater meint Yañez: „Er hat sein Leben gehabt und ich bin ein anderer Mensch. Ich bin nicht er.“

In der Dokumentation des Mitteldeutschen Rundfunks „Honeckers Enkel Roberto“ wird deutlich, dass Yañez seiner Familiengeschichte nicht ausweichen kann. Seinen Großvater Erich hat der Künstler demnach als einen Mann in Erinnerung, den er in der Waldsiedlung Wandlitz besuchte und der ihn mit zur Jagd nahm. Vom politischen Bruch sei er dann als junger Mann krank geworden, sagt der Künstler. In einem Interview mit der Wochenzeitung „Die Zeit“ hatte Yañez 2011 über Albträume, Zusammenbrüche, Depressionen und Therapien gesprochen.

Yañez sei nach mehrjähriger Überlegung nach Deutschland gekommen, ohne Groll oder Verbitterung. „Schön, dass Berlin so eine Metropole geworden ist. Gut, dass die Mauer nicht mehr da ist und sich die Menschen frei bewegen können“, sagt der Honecker-Enkel.

Er wolle wiederkommen, aber nicht weiter auf der Vergangenheit herumkauen. Er könne jetzt ausgeglichener nach Chile zurückkehren. Galerist Freddy Kornfeld, der sich maßgeblich für den Künstler starkgemacht hat, zollt Respekt: „Roberto hat sich trotz aller Zweifel seiner Vergangenheit gestellt.“ Die Ausstellung ist bis zum 15.  Februar zu sehen.