Interview mit Bruce Willis:

"Ich halte mich für einen großen Glückspilz"

Wir trafen Bruce Willis in München zum Gespräch über die Fortsetzung der Action-Komödie „R.E.D.“.

Bruce Willis in R.E.D. 2.
Concorde Filmverleih GmbH Bruce Willis in R.E.D. 2.

Mr. Willis, auf welcher Basis entscheiden Sie, ob ein Film eine Fortsetzung verdient oder nicht?

In diesem Fall war die Entscheidung sehr einfach. Die Autoren haben ganze Arbeit geleistet, sie haben Dialoge im Stile einer Screwball-Komödie geschrieben, sehr beschwingt und amüsant. Das hat uns die Arbeit wirklich einfach gemacht. Außerdem ist jeder dieser Schauspieler (u.a. John Malkovich, Anthony Hopkins) auf seine ganz eigene Weise ein Komödiant. Zwei Jahre waren seit dem ersten Film vergangen. Als wir uns wiedertrafen, mussten wir nicht lange proben. Wir hatten alle das Gefühl, als wäre seit dem Drehende erst eine Woche vergangen. Jeder war sofort wieder in seinem Charakter. Filme wie die „Stirb Langsam“-Streifen sind eine andere Art von Fortsetzung. Es ist sehr schwer, solche Geschichten zu schreiben und sie frisch zu halten. Es gibt nicht viel Comedy in den „Stirb Langsam“-Filmen.

Stimmt es, dass Sie heute weniger Stunts selbst machen?

Die Technologie hinter den Actionszenen im Film ist eine Wissenschaft für sich. Außerdem wollen die Produzenten nicht, dass jemand zu Schaden kommt. Es ist schon vorgekommen, dass sich ein Schauspieler bei einem Stunt verletzt hat und dann mehrere Wochen lang ausgefallen ist oder schließlich ganz ersetzt werden musste. Deshalb werden Schauspieler, die ihre eigenen Stunts machen wollen, gern zurückgepfiffen. Es fasziniert mich nach wie vor, dass man Actionszenen so gestalten kann, dass es so aussieht, als würde man wirklich selbst kämpfen. Es ist mit vielen Proben verbunden, wenn man jedermanns Sicherheit gewährleisten will.

Was treibt Sie an, wie haben Sie Ihre Karriere über so viele Jahre am Laufen gehalten?

Ich weiß nicht. Über so etwas denke ich nicht nach. Ich halte mich nur für einen großen Glückspilz, weil man mich immer wieder in Filmen besetzt hat. Das hat mich jedes Mal aufs Neue überrascht. Es ist einfach Glück. Ich halte mich nicht für einen besseren Schauspieler als andere. Allerdings finde ich mich in Filmen besser, in denen ich mit sehr talentierten Kollegen zusammenarbeite, anstatt der Einzelkämpfer zu sein. Ich mag Ensemblefilme. Insbesondere diesen.

Würden Sie sich ohne die Schauspielerei leer fühlen?

Das glaube ich nicht. Ich bin ein Vollzeit-Papa. Mein jüngstes Kind reist überall mit uns hin. Ich habe im letzten Jahr nur zwei Filme gedreht. Im Jahr davor habe ich an einigen kleineren Projekten mitgewirkt und manchmal nur drei Tage vor der Kamera gestanden. Und seit dem letzten November habe ich gar nicht gearbeitet.

Auch in „R.E.D. 2“ gibt es wieder starke Frauen, Helen Mirren beispielsweise. Stimmt es, dass Sie Frauen für die besseren Anführer halten?

Ich finde, die Frauen sollten auf jedem Gebiet das Sagen haben. Sie sind viel klüger als Männer. Wenn Sie mal ganz ehrlich darüber nachdenken, werden auch Sie zu dem Schluss kommen, dass Frauen die Dinge ganz anders handhaben als Typen, nämlich viel eleganter und schlauer. Natürlich hat kein Politiker die Macht zu sagen: „Frauen an die Macht!“. Deshalb ist dieser Ansatz eher philosophischer Natur.

Sie selbst haben in zahlreichen Actionfilmen der 80-er und 90-er das maskuline Gegenteil verkörpert. Üben Sie nun Wiedergutmachung?

Nein. Meine Idee, dass Frauen regieren sollten, hat viel eher mit meinem Leben als Vater und Ehemann zutun. Mit der Tatsache, dass ich der einzige Mann im Haus bin.

Sie haben Ihre Karriere im Fernsehen begonnen, mit der Serie „Das Model und der Schnüffler“. Könnten Sie sich vorstellen, ins amerikanische Fernsehen zurückzugehen, das qualitativ gerade sehr überzeugt?

Das glaube ich nicht. Es ist ein harter Job, für das Fernsehen zu arbeiten. Es ist ein mühsamer Prozess. Ich mag den Gedanken, für die große Leinwand zu spielen und nicht nur für eine halbe Stunde in diesem kleinen Flimmerkasten zu sehen zu sein. Ich schaue selbst nicht viel fern und wenn, dann meistens Sport.
 

Nordkurier digital: Jetzt 6 Wochen zum Sonderpreis testen!