Interview mit Michael "Bully" Herbig:

"Ich liebe das Kino"

Bully beweist in seinem neuen Film "Buddy" nicht nur Sinn für schrägen Humor, sondern erstmals auch viel Mut zum Gefühl. Wir haben mit ihm unter anderem über Enttäsuchungen und das Erwachsenwerden gesprochen.

Michael "Bully" Herbig.
Jörg Carstensen Michael "Bully" Herbig.

Herr Herbig, waren Sie enttäuscht, dass die Filme „Zettl“ und „Hotel Lux“ mit dem Schauspieler Bully an der Kinokasse hinter den Erwartungen zurückgeblieben sind?

Schauspieler führen ein Nomadendasein. Man hat seine vierzig Drehtage und geht aus der Produktion raus. Danach taucht man in eine ganz andere Welt ein. Irgendwann kommt dann die Premiere. Man sieht den fertigen Film, von dem man hofft, dass er einem gefällt. Natürlich ist dein Konterfei auf dem Plakat und dein Name steht darüber. Aber man bleibt als Schauspieler ein Zaungast, auch wenn der Zuschauer das Projekt von außen vielleicht als Bully-Film wahrnimmt. Ich hatte bei „Zettl“ und „Hotel Lux“ das Glück, mit unheimlich interessanten Regisseuren zu arbeiten. Das war so eine Art Weiterbildung und für mich ebenso bereichernd wie mein kleiner Ausflug zu „The Incredible Burt Wonderstone“. Ich habe in den letzten drei Jahren irrsinnig viel Input mitgenommen.

Ist „Buddy“ auch deshalb „erwachsener“ als Ihre bisherigen Kinofilme?    

Ganz bestimmt, das fließt alles in den Prozess mit ein. Ich bin dafür auch wahnsinnig dankbar. Schon vor zehn oder zwölf Jahren hatte ich das Gefühl, dass ich nicht ewig Parodien drehen möchte, auch wenn „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise“ riesige Erfolge waren. Ich selbst sehe mir ja auch nicht nur Komödien an. Ich liebe das Kino. Und ich liebe es, wenn es ein Film schafft, mich ´reinzuziehen. Ich bin dankbar, wenn mich ein Film zum Lachen oder zum Heulen bringt. Ich finde diese Macht der Bilder erstaunlich, genau deswegen mache ich ja Filme. Ich habe mit acht oder neun Jahren Hitchcocks „Vögel“ gesehen und war fasziniert, wie es diese Bilder schaffen, mich so unter Spannung zu halten. Von da an wollte ich das auch machen. Du willst dich natürlich auch ein Stück weit in den verschiedensten Genres ausprobieren. „Buddy“ kam jetzt gerade recht. Das ist sicherlich zum Teil das Ergebnis einer privaten Entwicklung, ich bin seit drei Jahren Vater. Aber auch meine beruflichen Erfahrungen der letzten Zeit haben mir den Mut gegeben, einen Film wie diesen zu machen. Vor zehn Jahren hätte ich mir das noch nicht zugetraut.

Lassen die Schweigers und Schweighöfers noch Platz für andere romantische Komödien?

Wenn Sie mich jetzt fragen würden, in welches Genre ich den Film einordne, würde ich mich total schwer tun. Letztendlich ist es ein Film, der mir Spaß macht. Der Begriff „Romantische Komödie“ stimmt ja so nicht. Es ist zwar Komödie, aber auch ein bisschen Märchen, ein bisschen Fantasy, auch ein wenig Melodram. Weil von allem etwas dabei ist, würde ich „Buddy“ nur sehr ungern einem Genre zuordnen. Mir ist wichtig, dass der Film eine Seele hat und die Zuschauer anderthalb Stunden lang eine gute Zeit erleben. Ich finde es toll, dass es die Schweigers, Schweighöfers oder aktuell „Fack ju Göhte“ gibt. Deutsche Filme sollen ruhig auch mal durch die Decke gehen. Es wäre schade, wenn wir das nicht hätten.

„Buddy“ hat auch einige Gesangsnummern. Darf man den Film deshalb in Musical-Nähe rücken?

Oh, das würde ich nicht machen, das wäre falsch. Dann doch eher die „Romantische Komödie!“. (lacht) Unter „Musical“ stellt man sich wahrscheinlich etwas völlig anderes vor. Ich bin ein großer Musical-Fan, „Singin´ in the Rain“ ist einer meiner Lieblingsfilme. Es wäre mal eine Aufgabe, ein deutsches Filmmusical auf die Beine zu stellen. Da hätte ich großen Spaß dran. Aber dieser Film ist es definitiv nicht.

Seit wann geistert Ihnen „Buddy“ durch den Kopf?

Bestimmt schon seit sechs Jahren. Ich hatte große Lust, im weitesten Sinne eine „Buddy“-Komödie zu machen. Dann kam der Gedanke an den Schutzengel – an sich nicht neu. Ich dachte, dass dieser Schutzengel irgendein Handicap haben muss. Und dann fand ich die Idee sehr verlockend, dass er das zum ersten Mal macht und einfach noch nicht kann. Dadurch erreicht er genau das Gegenteil von dem, was Schutzengel eigentlich bewirken sollen. Irgendwann habe ich mich aufgerafft und ein Exposé geschrieben. Es war nachts um elf, als ich das Ende eingetippt und dabei eine Gänsehaut bekommen habe. Da war mir klar, dass ich den Film auch selbst machen muss.

Sind Sie zusammengezuckt, als Sie hörten, dass Til Schweiger einen Film namens „Schutzengel“ dreht?

Oh ja, da bin ich kurz erschrocken. Das war genau in der Phase, in der ich das Drehbuch entwickelt habe. Ich hörte „Schutzengel“ und dachte: „Oh, Mist, was macht der Til denn jetzt?“. Ich habe mich ganz vorsichtig bei ihm informiert und war erleichtert, dass es ein ganz anderes Thema war. Ich muss ehrlich sagen, dass ich sehr froh bin, dass es den Til gibt. Er wagt Dinge, er tut es einfach. Unsere Filmwelt wäre ohne ihn um Vieles ärmer. Und seinen Erfolg darf man nicht ignorieren. Man darf Dinge kritisieren, wenn sie einem nicht gefallen, aber wenn jemand einen Nerv trifft, ist der Erfolg auch gerechtfertigt.

Gab es in Ihrem Leben eine Situation, in der Sie einen Schutzengel hatten?

Es gab einen Moment, von dem ich denke, dass ich zum zweiten Mal geboren wurde. Ich war so Anfang zwanzig und mit drei Kumpels in einem kleinen Daihatsu auf der Autobahn unterwegs. Es war Winter, wir hatten den ganzen Tag draußen verbracht und sind allesamt eingeschlafen – der Fahrer inklusive. Es gab einen fürchterlichen Unfall. Wir fuhren mit 130 oder 140 Sachen gegen die Leitplanke, das Auto hat sich überschlagen und wir sind auf dem Dach im Berufsverkehr quer über die Autobahn geschlittert. Zehn Meter vor einem Pfeiler sind wir zum Stehen gekommen. In dem Moment dachte ich, das war es jetzt. Aber wir sind alle heil rausgekommen, das war ein kleines Wunder. Da kann man wohl von einem Schutzengel sprechen.

Sind Sie ein rational denkender Mensch?

Ich bin ein absoluter Bauchmensch. Ich bilde mir ein, eine gute Intuition dafür zu haben, was ein Mensch beabsichtigt, der zu meiner Tür hereinkommt. Man entwickelt automatisch eine gewisse Vorsicht, das ist eigentlich schade, passiert aber automatisch. Es gibt Dinge, die sehe ich ganz sachlich. Aber in der Regel kommt alles aus dem Bauch, auch wenn das manchmal eine gewisse Naivität hat.

Wohin wird die Reise nun für Sie gehen?

Ich hoffe natürlich, dass die Zuschauer diese Reise jetzt mitmachen. „Buddy“ ist ja ein Film, wie man ihn von mir wahrscheinlich nicht erwartet. Wenn er den Menschen gefällt, kann man mal das nächste Genre wagen. Aber vorher führt mich die Reise tatsächlich in den Urlaub.

Mit den Parodien „Der Schuh des Manitu“ und „(T)Raumschiff Surprise – Periode 1“ kann Autor, Regisseur, Produzent und Schauspieler Michael „Bully“ Herbig zwei der erfolgreichsten deutschen Filme aller Zeiten auf seinem Konto verbuchen. Nun betritt der 45-jährige Neuland. Bullys neuer Film „Buddy“ erzählt die Geschichte eines tollpatschigen Schutzegels, der verzweifelt versucht, einen jungen, außer Kontrolle geratenen Millionenerben auf den Pfad der Liebe zu bringen.

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