Neu im Kino:

Im Labyrinth des Schweigens

In der Bundesrepublik Deutschland, die 1958 boomt, wissen angeblich nur Wenige etwas mit dem Begriff „Auschwitz“ anzufangen. Man ist viel zu sehr mit dem Neuaufbau beschäftigt, um den Blick in den Rückspiegel zu wagen, der nur Tod und Verderben zeigt. Dementsprechend einfach ist es für Kriegsverbrecher, ein neues Leben zu beginnen. Aber die Wunden können nicht einfach heilen.

Der junge Staatssanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) bei seiner Recherche nach Nazi-Verbrechern.
Heike Ulrich / CWP Film / Universal Pictures Der junge Staatssanwalt Johann Radmann (Alexander Fehling) bei seiner Recherche nach Nazi-Verbrechern.

Als Staatsanwalt ist Johann Radmann (Alexander Fehling) noch grün hinter den Ohren. Aber auch bei einem simplen Verkehrsdelikt lässt er sich vom angenehmen Äußeren der Sünderin nicht bezirzen. Er pocht auf Recht und Ordnung. Der Zufall will es, dass Radmann Zeuge eines Vorfalls am Gericht wird. Ein Journalist fordert lautstark Ermittlungen gegen einen Lehrer, den ein ehemaliger Auschwitz-Häftling eindeutig als seinen Peiniger identifiziert hat. Die Kollegen wiegeln ab, aber der junge Jurist ist neugierig geworden. Bei Generalstaatsanwalt Fritz Bauer (Gert Voss) rennt Radmann überraschend offene Türen ein, als er sein Interesse an dem Fall bekundet. Gemeinsam mit einer engagierten Sekretärin (Hansi Jochmann) stürzt er sich in die Ermittlungen. Die Aussagen der überlebenden Häftlinge sind derart schockierend, dass die Zuhörer um Fassung ringen…   

„Im Labyrinth des Schweigens“ ist ein ungewöhnlicher Film über die Verarbeitung des Naziterrors. Trotz der sensiblen Thematik ist das Drama über das Zustandekommen der Frankfurter Auschwitz-Prozesse auch sehr unterhaltsam. Neben der spannenden Ermittlungsarbeit, deren Schrecken den Zuschauer bis ins Mark erschüttert, hat der fiktive Johann Radmann auch ein soziales Leben. Und das ist in den Zeiten des Wirtschaftswunders durchaus auch heiter. Alexander Fehling („Am Ende kommen Touristen“) transportiert alle Facetten der Rolle mit großer Überzeugungskraft. Deshalb eignet sich der Film auch für Zuschauer, die sich sonst eher widerwillig mit schwierigen Themen auseinandersetzen. Und eben dieses Publikum gilt es zu erreichen. Regisseur Giulio Ricciarelli hält perfekt die Balance und weiß auch genau, wann ein Schnitt wirkungsvoller ist als das Auserzählen des Unvorstellbaren. Sein großer Film leistet einen wichtigen Lückenschluss in der cineastischen Geschichtsschreibung.    

Wertung:
Anspruch: 3
Spannung: 4
Action: 2
Humor: 1
Erotik: 1

 

Verleih: Universal Pictures    
Bundesstart: 06. November 2014  
Genre: Drama

Mehr Infos unter: http://imlabyrinth-film.de/

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