Seepferdchen im Wolfgangsee:

Im Weißen Rössl – Wehe Du singst!

Manchmal muss ein Kritiker Zeilen zu Papier bringen, die er selbst niemals für möglich gehalten hätte, zum Beispiel Zeilen wie diese: Das maßlos kitschige Heimatfilm-Remake „Im Weißen Rössl“ macht von Anfang bis Ende riesigen Spaß.

Armin Rohde (l) und Fritz Karl in Berlin bei der Kinopremiere "Im weißen Rössl - wehe, du singst!".
Stephanie Pilick Armin Rohde (l) und Fritz Karl in Berlin bei der Kinopremiere "Im weißen Rössl - wehe, du singst!".

Für die junge, attraktive Ottilie (Diana Amft) läuft es alles andere als rund. Ihre werte Frau Mama hat das Zeitliche gesegnet, auf Arbeit bringt man ihr keinen Respekt entgegen und ihr Freund gibt ihr den Laufpass. Zur passenden Begleitung der Pechsträhne hat der Himmel über Berlin die Schleusen weit geöffnet. Es ist Ottilies Vater Wilhelm, der sich dazu berufen fühlt, die Frucht seiner Lenden aus dem Tief zu befreien. Er bricht mit seiner Tochter und seiner Frau (Letztere in eingeäscherter Form) Richtung Wolfgangsee auf, um im legendären Hotel „Zum Weißen Rössl“ einzuchecken. Der Trip erweist sich als eine fantastische Zeitreise in eine Welt, in der die Uhren irgendwann stehengeblieben sind, vom Himmel stets die Sonne lacht und die Menschen in einem fort anfangen, zu singen und zu tanzen.

Regisseur Christian Theede („Gonger – Das Böse vergisst nie“) hat Mumm in den Knochen, das muss man schon sagen. Der 41-jährige brachte nicht nur den Mut auf, anno 2013 in die Fußstapfen von Willi Forst und Werner Jacobs zu treten, die das legendäre Singspiel mit Johannes Heesters (1952) bzw. Peter Alexander (1960) auf die große Leinwand brachten. Theede setzt auch konsequent neue Maßstäbe, was Kitsch im Kino anbelangt – mit einem erstaunlichen Resultat. „Im Weißen Rössl – Wehe Du singst!“ ist ein wunderbar verrücktes Filmmusical mit deutsch-österreichischen Wurzeln, „Mamma Mia!“-Charme und heftigen Bollywood-Anleihen. In knallbunten Kulissen erklingen Klassiker wie „Was kann der Siggi denn dafür, dass er so schön ist?“ oder „Im Salzkammergut“, immer in Verbindung mit einfallsreichen Tanzchoreografien. Obwohl die Filmheldin mit einem Märchenprinzen der alten Schule und mit einem eitlen Schnösel konfrontiert wird, erweist sich die Liebe in diesem Universum als ganz und gar naiv und unschuldig. Schon ein flüchtiger Kuss ist ein Skandal. Mond und Sterne unterliegen den Gesetzen der Romantik und im Wolfgangsee tummeln sich die Seepferdchen. So steckt man auch noch den letzten Muffel mit guter Laune an. Zum Singen, so heißt es im Film, braucht man zwei Dinge: eine große Klappe und große Gefühle. „Im Weißen Rössl“ hat beides, und das ist gut so.  

Wertung:
Anspruch: 1
Spannung: 2
Action: 2
Humor: 4
Erotik: 0

Verleih: Senator    
Bundestart: 07. November 2013    
Genre: Musical / Romanze

Mehr Infos unter: www.imweissenroessl.senator.de

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung