Neu im Kino:

Imagine

„Ich bin nicht blind, ich kann nur nicht sehen“, sagte der junge Amerikaner Ben Underwood häufig. Wer sich diesen leisen und auf seine unsentimentale Weise sehr berührenden Film anschaut, wird genau wissen, was damit gemeint ist.

Alexandra Maria Lara als Eva und Edward Hogg als Ian
Neue Visionen Filmverleih Alexandra Maria Lara als Eva und Edward Hogg als Ian.

Der Film „Imagine“ ist Ben Underwood gewidmet, verrät der Vorspann. Mit diesem Namen wird nicht jeder Zuschauer gleich etwas anfangen können. Ben (1992 – 2009) war ein amerikanischer Junge, dem in früher Kindheit beide Augen entfernt werden mussten. Das Kind entwickelte seine ganz eigene Technik, um ohne Hilfsmittel in der Welt der Sehenden zu bestehen. Er erzeugte Schnalzgeräusche mit seiner Zunge und formte sich anhand des Echos ein Bild von seiner Umwelt. Auf diese Weise war es Ben sogar möglich, Skateboard zu fahren.       

Der polnische Filmemacher Andrzej Jakimowski erzählt in seinem Film von blinden Menschen. Sie leben in einer portugiesischen Augenklinik, für deren Beschreibung ein Sehender die Begriffe „malerisch“ oder „idyllisch“ strapazieren würde. Ian (Edward Hogg) ist ein Neuzugang in dieser Einrichtung. Der Brite soll den Blinden beibringen, wie man sich durch genaues Hinhören in seiner Umwelt orientieren kann. Ian verzichtet selbst auf einen Blindenstock, das macht nicht nur die Ärzte vor Ort misstrauisch, sondern auch seine Schüler. Ein paar Kinder stellen ihm immer wieder Hindernisse in den Weg, um ihn zu testen. Erst eine heimtückische Angelsehne bringt ihn zu Fall. In der Klinik lebt auch die Deutsche Eva (Alexandra Maria Lara), die den Kontakt zur Außenwelt meidet. Ian wird der jungen Frau nach einer vorsichtigen Phase der Annäherung besondere Fürsorge angedeihen lassen. Aber die unkonventionellen Methoden des Lehrers lassen sich zunehmend schwieriger mit dem Konzept des Hauses „Sicherheit zuerst“ vereinbaren. Ians Stuhl beginnt zu wackeln…

So, wie sich die Patienten der Klinik auf eine Entdeckungsreise in das Reich der eigenen Sinne machen, so wird der Film „Imagine“ auch für den Zuschauer zu einem Training für die Ohren. Dabei gibt sich Andrzej Jakimowskis Werk keineswegs nur bierernst. Es gestattet dem Zuschauer sogar gelegentlich, über die Defizite der Blinden zu schmunzeln. Wenn der Schuhkauf für die Dame ausschließlich unter akustischen Gesichtspunkten erfolgt, ist das durchaus auch komisch. Despektierlich ist dieser Humor aber nie.

Wertung:
Anspruch: 4
Spannung: 1
Action: 1
Humor: 1
Erotik: 0

Verleih: Neue Visionen   
Bundesstart: 02. Januar 2014 
Genre: Drama

Mehr Infos unter: www.neuevisonen.de

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