Musical "Ich war noch niemals in New York":

In der Liebeshölle

Der Unterhaltungsdampfer „Ich war noch niemals in New York“ geht im Berliner Theater des Westens vor Anker. Zum ersten Mal ohne Udo Jürgens, ohne den es das Musical gar nicht gäbe. Eine Produktion voll melancholischer Momente, die sich aber den Hang zu Kitsch, Kalauern, Zoten und Pointen nicht nehmen lässt.

Da wirbelt‘s, da funkt‘s, da knistert‘s, da reißt es das Publikum aus den Sitzen: „Schöne Grüße aus der Hölle“ läutet die Pause und zugleich den pfiffigeren, zweiten Teil des Udo-Jürgens-Musicals ein.
Eventpress/Stage Da wirbelt‘s, da funkt‘s, da knistert‘s, da reißt es das Publikum aus den Sitzen: „Schöne Grüße aus der Hölle“ läutet die Pause und zugleich den pfiffigeren, zweiten Teil des Udo-Jürgens-Musicals ein.

Meine Güte, was ist diese Lisa Wartberg nur für eine Zicke. Eine karrieregeile, launische, überkandidelte, schnippische Fernseh-Tussi. Wildtierfotograf Axel Staudach gibt den harten Kerl. Der allein erziehende Vater spürt aber nach vielen unglücklichen Beziehungen den wahren Gefühlen des Lebens nach. Kurz: Er sucht die Liebe des Lebens. Genauso wie die Rentnergang Maria Wartberg und Otto Staudach. Das deutsch-griechische Schwulen-Pärchen Fred und Costas lebt – entgegen aller Klischees vom Bett-zu-Bett-Hüpfen – im Gegensatz zu den Heten im Musical „Ich war noch niemals in New York“ bereits in einer glücklichen Beziehung. Der Zuschauer möchte vor lauter Rührung fast jauchzen. Ist schon alles ein bisschen dick aufgetragen, kitschig, seicht und fast pampig zuckrig.

Sei’s drum, diese Produktion unterhält aufs Beste. Und wer genauer hinsieht, entdeckt mehr als nur Gefühlsduselei, auch wenn die Handlung schnell erzählt ist: Lisa kommt es äußerst ungelegen, als sie erfährt, dass ihre Mutter mit einem Verehrer aus dem Altenheim getürmt ist. Das Ziel des pfiffigen Rentnergespanns – Achtung, was für eine Überraschung!: Beide waren noch niemals in New York.

Verwechslungskomödie mit Tür-auf-Tür-zu-Szenen

Im Büro der Heimleitung trifft Lisa (Sarah Schütz könnte in manchen Situationen mehr auf den Punkt biestig, fies und kantig sein) auf Ottos Spross Axel (Karim Khawatmi mit einem verführerischen, brummigen Timbre), der ihr sofort unsympathisch ist. Von den Ereignissen überrumpelt machen sie sich an die Verfolgung der Alten. Alle treffen sich auf einem Riesendampfer wieder. Später kommt es zur Doppelhochzeit unter der Freiheitsstatue. Zuviel verraten? Nee, ist zu vorhersehbar.

Apropos Dampfer. Da müssen wir mal übers Bühnenbild reden. „Ich war noch niemals in New York“ feiert zwar in der Hauptstadt Premiere. In Deutschland ist das Musical mit 20 Hits des unvergessenen Schlageridols Udo Jürgens aber ein alter Hut. Seit 2007 konnten es Zuschauer schon in Hamburg, Stuttgart, Wien und Zürich sehen. Der Fan dieses Stücks muss Vergleiche anstellen. Und die Kulisse, also die Kulisse – pardon – ist ein Scherz, ein einziger Lacher. Was David Gallo in Stuttgart und Hamburg noch aufwendig in Szene setzte, verkommt jetzt zur Puppenstube. In Stuttgart schob sich der Ozeandampfer Szene für Szene durchs Bild. Er wirkte so riesig als würde er auf beiden Seiten meterlang aus dem Theater ragen.

Im Theater des Westens, das, zugegeben, eine mickrige Bühne besitzt, stellt Stage Entertainment nun ein tuntenrosafarbenes Barbiehäuschen hin, so dass sich die Schauspieler in einzelnen Szenen fast auf die Füße treten, dass die glitzrigen Revuenummern an Charme und Imposanz, dass hektische, typische komödienhafte Tür-auf-Tür-zu-Szenen an Größe verlieren. Dass es an manchen Stellen klappert und scheppert, bemerkt der Zuschauer vor allem im ersten Teil, der etwas zäh in die Gänge kommt und der Funke nicht so recht aufs Publikum überspringen mag.

Der zweite Akt ist ein operettenhaftes Glück

Gott sei Dank gibt es noch einen zweiten Akt. Dann geht’s ab hier wie auf der Kirmes, wie in guten alten Zeiten bei der ZDF-Hitparade. Holla! Knackig: „Mit 66 Jahren“. Fetzig: „Ich weiß, was ich will“. Die ganz große Broadway-Nummer: „Bleib doch bis zum Frühstück“. Hit an Hit an Hit: „Aber bitte mit Sahne“, „Was wichtig ist“, „Heute beginnt der Rest deines Lebens“. Bei Liedern wie „Immer wieder geht die Sonne auf“ und „Gib mir Deine Angst“ kullern bei einigen die Tränen.

Denn es geht eben nur auf den ersten Blick um Plattitüden. Udo Jürgens war ein Chansonnier, der Haltung und eine Meinung besaß. Deshalb handelt „Ich war noch niemals in New York“ von jedem Einzelnen im Saal. Es geht um den täglichen Kampf für ein freieres Leben, eines ohne Zwänge, in dem man auch einmal verrückt sein und aus allen Zwängen fliehen darf, in dem Gefühle nicht unterdrückt, sondern gelebt gehören. Ohne Ausgrenzung, Herabwürdigung oder gar Schmähung.

Vielleicht sind deshalb Lisas unzertrennliche schwule Assistenten Fred (knuffig: Andreas Bieber) und Costa (Gianni Meurer mit einem süßen lispelnden griechischen Akzent) die heimlichen Stars des Musicals. Szenenapplaus ist ihnen sicher.

Kurzum: Nicht weniger als die Frage, was im Leben wirklich wichtig ist, beantworten die Darsteller. Das ist in diesem Fall ein wahres operettenhaftes Musicalglück.

 

Karten für „Ich war noch niemals in New York“ gibt es im Medienhaus des Nordkurier am Friedrich-Engels-Ring 29 in Neubrandenburg oder unter der kostenlosen Hotline 0800  4575033. Das Musical läuft bis zum 27. September dieses Jahres am Berliner Theater des Westens.

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