Zum Kinostart von "Baymax":

Interview mit Bastian Pastewka

Zu den zahlreichen Synchronarbeiten von Komiker Bastian Pastewka gesellt sich nun der Titelheld des neusten Disney-Filmes. „Baymax“ ist ein etwas tollpatschiger Pflegeroboter, der über sich hinaus wächst. Wir sprachen mit Bastian Pastewka über den Film und seine aktuelle Deutschland-Tournee.

Leiht dem Roboter seine Stimme: Bastian Pastewka.
Jörg Carstensen Leiht dem Roboter seine Stimme: Bastian Pastewka.

Herr Pastewka, die Praxis, dass in Deutschland alle ausländischen Filme synchronisiert werden, stößt auf geteilte Meinungen. Was denken Sie generell darüber?

Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen: „Das musst Du im Original sehen, da ist es vieeel, vieeel besser!“. Nö. Ich glaube, es ist okay, dass wir Deutschen eine Synchron-Nation sind. Wir haben über die Jahre gelernt, mit einer eigensprachigen Fassung umzugehen. Es gibt viele Kenner, die sich gern das Original anschauen und das ist auch in Ordnung. Aber speziell bei einem Film, der sich auch an Kinder richtet, kann ich durchaus verstehen, dass man eine deutsche Version herstellt.

Sie haben schon für verschiedene Studios vor dem Mikrofon gestanden. Ist Disney noch einmal eine andere Nummer, zum Beispiel was die Geheimhaltung angeht?

In dieser Beziehung konnte ich keinen Unterschied feststellen. Ich durfte meine Stimme tatsächlich schon in mehreren Filmen abgeben, vorwiegend in US-Animationsfilmen wie „Madagascar“, „Bee Movie“ oder „Megamind“. Aber natürlich habe ich mich besonders gefreut, dass ich zum ersten Mal einen Disney-Film synchronisieren durfte. Dieses Haus hat ja eine sehr große Tradition und natürlich bin auch ich mit den Walt Disney-Figuren aufgewachsen. Ich werde nach wie vor angefragt, gecastet und im schlimmsten Falle auch abgelehnt. Glücklicherweise war das bei „Baymax“ jetzt nicht so. Ich habe meine Stimme zum Testen abgegeben, die Amerikaner haben sich das angehört und entschieden: „Jo, der klingt gut, den nehmen wir.“. 

Baymax hat gewisse Schwierigkeiten im Umgang mit Ironie. Haben Sie schon einmal vor einem Publikum gestanden, das Ihren Humor überhaupt nicht verstanden hat?

Das darf ich eindeutig mit „Ja!“ beantworten. Speziell als ich jung war und noch nicht wirklich wusste, wie Comedy funktioniert, habe ich wahrscheinlich sehr viele Menschen auf den Kleinkunstbühnen dieser Republik zum Nachdenken gebracht - aber im negativen Sinne. Ich habe sie wohl in erster Linie verwirrt. Und es gab durchaus Kleinkunstbühnen in Saarbrücken, Trier oder Koblenz, die mit meinem Humor gar nichts anfangen konnten. Im Übrigen gibt es mit Sicherheit auch heute noch Menschen, die ebenfalls nicht wissen, was ihnen der Pastewka da sagen will.       

Welche Ihrer Eigenschaften würden Sie gern upgraden lassen?

Wenn man so ein toller Roboter wie „Baymax“ wäre, könnte man sich einfach nur die nächstbessere Version von sich selbst downloaden und wäre schon ein bisschen glücklicher. Glücklicherweise ist das im wahren Leben ja nicht so. Da sollte man sich immer wieder neu hinterfragen, die eigenen Verantwortungen überprüfen und abchecken, ob man immer noch alles so gut macht wie am Tag zuvor. Diese Aufgabe hört niemals auf. Und selbst wenn wir im Laufe der Zeit auch mit noch so vielen technischen Spielereien ausgestattet werden, bleibt das entscheidend, was wir als Menschen „Persönlichkeit“ nennen. Es ist das Gute am Film „Baymax“, dass der Held der Geschichte zwar ein Roboter ist, aber einer mit Herz, Seele und Verstand. Er muss im Laufe des Films zu einer solchen Persönlichkeit heranreifen. Dabei sieht man ihm gern zu. Zumal dieser Prozess sehr lustig anzuschauen ist.    

Pflegeroboter wie Baymax sind vor allem in Japan schon im Einsatz. Ist das nicht eher eine Horrorvorstellung?

In der schwedischen Serie „Real Humans“ lässt eine Art Parallelgesellschaft sämtliche Arbeiten von Robotern erledigen. Das ist eine sehr düstere Zukunftsvision. Aber ich glaube, dass die Japaner hier wie so oft Sperenzchen vormachen, die nach einer gewissen Zeit wieder vorbei gehen und sich nicht durchsetzen. 

Sind Sie technisch versiert?

Nein. Bei mir dauert es ewig lang, bis ich mich an Smartphones und ähnliche technische Spielereien gewöhne. Auch mit meinen Fertigkeiten am Computer ist es nicht weit her. Und ich lebe gut damit, mich sozialen Netzwerken immer mal wieder zu entziehen. Solche Sachen machen mir kurzzeitig Spaß, aber ich muss nicht mein gesamtes Leben darauf ausrichten, nur weil es jetzt alle tun. Ich zitiere gern Hannelore Elsner, die auf die Frage, ob sie bei Facebook sei, geantwortet hat: „Nein. Ich konnte schon immer sehr gut allein sein.“.

Stephen Hawking warnte erst kürzlich wieder davor, dass die Schaffung von künstlicher Intelligenz das Ende der Menschheit herbeiführen könnte. Glauben Sie das auch?

In Film und Literatur wird immer gesagt, dass das Schaffen künstlicher Intelligenz schlimm ist, weil diese künstlichen Lebensformen eine Tages die Menschheit übernehmen. So funktioniert einfach gute Science Fiction, genau wie ein Western gern aus dem Verhältnis zwischen Cowboys und Indianern schöpft. Das ist sozusagen systemimmanent. Ich selbst glaube, dass sich die Menschheit am Ende des Tages immer wieder von den Fesseln befreien kann, die sie sich selbst auferlegt hat. 

Hat der technische Fortschritt trotzdem auch Ihr Kommunikationsverhalten verändert?

Sagen wir es einmal so: Frau Siri und ich sind tatsächlich sehr gute Freunde. Aber ich bin froh, dass das so ist, denn mit Siri kann ich endlich wieder das praktizieren, was ich als Schüler beim Diktat gelernt habe, nämlich das direkte Mitsprechen der Zeichensetzung. Wenn ich in mein Smartphone einfach den Satz eingebe, inklusive Komma, Ausrufezeichen, Frage- und Anführungszeichen oder Gedankenstrich, wird es auch so niedergeschrieben. Jetzt weiß ich endlich, warum ich in der dritten Klasse in Rechtschreibung so lange die Zeichensetzung gebüffelt habe. Hat sich´s doch ausgezahlt! 

Im Kinofilm „Die Gespensterjäger“ sind Sie demnächst als Stimme von Hugo zu hören?

Ja, das war genau die gegenteilige Arbeit wie bei „Baymax“. Der Regisseur Tobi Baumann ist ein alter Freund von mir. Er hat mich vor anderthalb Jahren gebeten, nach einem Drehbuch eine Figur zu sprechen, nämlich den lustigen, kleinen, grünen, schleimigen Spaßgeist Hugo. Es gab noch keinen Film, keine Figuren. Ich stand vor einer weißen Wand, eine Kamera hat mich gefilmt und meine Sprache aufgenommen. Aus diesem Material wurde dann eine lustige, kleine, computeranimierte Figur kreiert. Hugo ist die einzige künstliche Lebensform im Film „Gespensterjäger“, alle anderen Darsteller sind echte Menschen, zum Beispiel Anke Engelke, Karoline Herfurth, Christian Ulmen, Christian Tramitz und viele andere.

War diese Aufgabe künstlerisch noch einmal befriedigender als das Erstellen der deutschen Fassung einer bestehenden Version?

Es war vor allem schwierig. Ich hatte nichts, woran ich mich halten konnte, außer dem niedergeschriebenen Text. Ich hatte kein Bild und keine Vorstellung, wie Hugo einmal aussehen wird. Mir wurde zwar eine Skizze vorgelegt, aber was sagt die schon aus? Ich habe versucht, so viele „Cartoon-Gesichter“ wie möglich mit meiner Mimik herzustellen, damit sich die Animatoren davon inspirieren lassen. Ich habe schon ein paar Ausschnitte gesehen und mich in der Gespensterfigur wiedererkannt, als würde ich in einen Spiegel kucken.          

Sie sind derzeit mit einem Durbridge-Live-Hörspiel unterwegs?

Exakt. Seit dem 13. Januar sind wir mit „Paul Temple und der Fall Gregory“ zurück auf der Bühne. Fünf Personen lesen zusammen einen „verwunschenen“ Kriminalfall aus dem Jahre 1946. Tausend Verdächtige, einer war´s. Man darf mit raten und am Schluss wird ein überraschender Täter präsentiert. Und dazwischen gibt es viel zu lachen. Es wird ein fröhlicher und inspirierender Abend werden.

Der Schauspieler, Komiker und Autor Bastian Pastewka zählt zur ersten Liga des deutschen Humors. Bekannt wurde der gebürtige Bochumer mit der „Sat.1-Wochenshow“, seither ist er nicht mehr aus dem hiesigen Fernsehprogramm wegzudenken („Pastewka“, „Zwei Weihnachtsmänner“). Auch bei mehreren Kinofilmen war Pastewka mit von der Partie („Der Wixxer“, „Jerry Cotton“).

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