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Interview mit Hauptdarstellerin Shailene Woodley

Wir trafen Shailene Woodley in Berlin zum Gespräch über „Insurgent“, den zweiten Teil von „Die Bestimmung“.

US-Schauspielerin Shailene Woodley bei der Deutschlandpremiere des Films "Die Bestimmung - Insurgent".
Jörg Carstensen US-Schauspielerin Shailene Woodley bei der Deutschlandpremiere des Films "Die Bestimmung - Insurgent".

Shailene, machen Sie mit jedem Ihrer Filme eine Veränderung durch?

Sicherlich. Künstlerisch eröffnet einem jeder Film eine neue Art von Inspiration. Man lernt hinzu. Und wenn man mit verschiedenen Menschen zusammenarbeitet, nimmt man etwas von ihrer unterschiedlichen, schauspielerischen Ausrichtung auf. Aber als Schauspieler bleibt man auch immer man selbst. Man unterliegt nur anderen Regeln, Beschränkungen und den Besonderheiten der Figur. In Hazel aus „Das Schicksal“ oder in Tris steckt dieselbe Person, ich erforsche nur unterschiedliche Facetten meiner selbst in den Grenzen der Welten, in denen diese Charaktere existieren.

Ein Film wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ konfrontiert Sie mit Themen, denen Sie sich sonst nicht stellen müssten.

Ja, das stimmt. Den Film zu drehen, hat mich ein bisschen verändert. Aber für mich war es vor allem die Lektüre des Buches, die Vieles hochgebracht hat. Eine Sechzehnjährige begreift, dass es nicht darum geht, wie lange man lebt, sondern was man mit seiner Zeit auf Erden anfängt. Es geht nicht darum, welche Spuren du einmal hinterlässt, sondern um das, was du im Zusammensein mit anderen zu Lebzeiten bewirkst. Das sind einfache Grundprinzipien, die wir alle kennen, an die wir uns aber nicht immer halten. Das Buch zu lesen, hat mich wieder daran erinnert.

Hat sich der Erfolg Ihrer letzten Filme auf Ihr Privatleben ausgewirkt, werden Sie häufiger erkannt?                 

Ein kleines bisschen vielleicht. In meinem Alltagsleben halte ich an meinen langjährigen Freunden fest, ich bin mit ihnen zusammen. Wenn man zur Premiere geht, warten da natürlich Menschen, die dich unterstützen, weil du in diesem Film mitspielst. Das ist die Arbeit. Im Alltag hat sich für mich nichts geändert. Vielleicht bin ich ein bisschen beschäftigter.

Wie gelingt es Ihnen, mit den Erwartungshaltungen der Fans umzugehen?

Man darf nicht so viel darüber nachdenken. Wenn man einen Film dreht, lebt man in einer Art Blase. Würde man die Sichtweise anderer Menschen auf den ersten Film mitnehmen, wenn man den zweiten dreht, könnte man sich nicht ungeteilt dieser neuen Erfahrung widmen. Man muss die Meinungen anderer beiseiteschieben, wenn man sich völlig in den Dienst der eigenen Wahrnehmung seiner Filmfigur stellen möchte.

Es heißt, Sie hätten etliche Kandidaten für Ihren männlichen Gegenpart durch Ihr starkes Auftreten eingeschüchtert. Erst Theo James sei Ihnen ebenbürtig gewesen. Stimmt das?

Ja. Als Theo herein kam, stand da zum ersten Mal ein Mann. Es kamen eine Menge Jungs. Selbst wenn sie älter waren als Theo, waren sie immer noch Jungs. Theo strahlt eine Stärke aus, dazu muss er nicht laut werden. Ihn umgibt auch etwas Mysteriöses. Danach hatten wir gesucht.

Wie war die Zusammenarbeit mit Regisseur Robert Schwentke?

Erstaunlich. Er ist so deutsch, das ist toll. Bei einer solchen Fortsetzung macht man sich natürlich Gedanken, wie es einem neuen Regisseur gelingen kann, die beiden Filme zusammenzuführen. Schließlich haben beide Filmemacher eine unterschiedliche künstlerische Meinung. Robert vertrat von Anfang an einen sehr starken Standpunkt. Er wusste genau, was er wollte. Und dieser Standpunkt entsprang nicht einem Ego oder einem Stolz, er ordnete alles dem Ziel unter, den bestmöglichen Film zu machen. Das war echter Luxus, denn viele Regisseure werden von ihrem Ego angetrieben. Der Dreh mit Robert war eine echte Zusammenarbeit. Er wollte uns nicht erklären, wer Tris und wer Four ist. Wir kannten unsere Figuren schließlich besser als er. Robert machte Vorschläge und holte unsere Meinung dazu ein. Die Arbeit war vom ersten Tag an ein offener Dialog.

Die meisten Science-Fiction-Filme unserer Tage zeichnen ein pessimistisches Bild von unserer Zukunft. Glauben Sie, dass uns ein solches Schicksal wirklich ereilen könnte, wenn Sie die Abendnachrichten schauen?

Die Welt befand sich schon immer in Situationen wie der heutigen. Es gab schon immer Streit um Land oder um Rohstoffe. Ich glaube, dass es unsere große Verantwortung ist, diese Welt der nachfolgenden Generation so zu erhalten, dass sie sich genauso an ihr erfreuen können, wie wir es tun. Gleichzeitig liegt es in der Natur des Menschen, dass es immer Konflikte geben wird.

Was hat Sie an den Geschichten der Veronica Roth besonders gefesselt?

Mich hat diese junge Frau fasziniert und auch bestärkt, die sich auf einer großen Reise befindet. Viele Menschen versuchen, Einfluss auf sie auszuüben. Sie schenkt diesen Menschen Gehör, aber sie erlaubt ihnen nicht, sich in ihren Weg zu stellen oder ihn zu ändern. Es ist eine wunderbare Botschaft, auf die eigene Intuition zu vertrauen und die eigene Integrität gegenüber den anderen Stimmen zu wahren. Es ist egal, ob diese anderen Stimmen Recht haben oder nicht. Man muss seine Fehler im Leben selbst begehen. Das ist okay, solange man integer bleibt und redliche Ziele verfolgt.

Sie sind im Filmgeschäft aufgewachsen. Hatten Sie niemals einen Plan B?

Nein, es gab nie einen Plan B, weil die Schauspielerei nie ein Plan A war. Ich habe sie immer leidenschaftlich geliebt. Ich sehe sie aber nicht als meine Endstation an. Es gibt so viele Dinge im Leben, die ich gern auskundschaften würde. Ich möchte vieles ausprobieren. Ich hoffe, dass die Schauspielerei mir auch erhalten bleibt, wenn ich andere Dinge erforsche. Mich faszinieren die Wissenschaften und die Humanbiologie. Gerade auf dem Gebiet der Genetik gibt es noch so viel Unerschlossenes, was mich fasziniert.

Wie sind Sie an Bord des Oliver-Stone-Films über Edward Snowden gelangt?

Ich habe gehört, dass er diesen Film machen will. Das fand ich sehr aufregend, weil ich diese Geschichte auch persönlich seit Langem verfolge. Unabhängig davon, ob man mit Edward Snowdens Handeln einverstanden ist oder nicht, so sind doch die Informationen, die er geteilt hat, sehr wichtig für uns. Ich bekam glücklicherweise das Drehbuch und ich habe den Filmemachern alle Gründe genannt, warum ich dafür dankbar bin, dass dieser Film gemacht wird. Ich gehöre der letzten Generation an, die noch nicht mit einem Handy und einem Laptop aufgewachsen ist, sondern mit einem großen PC. Jede Generation nach mir wächst mit iPhones auf, jeder Dreijährige weiß schon damit umzugehen. Die einzige Möglichkeit, heutzutage seine Privatsphäre zu wahren, ist das Briefeschreiben. Ich begrüße es sehr, dass Oliver die Menschen über diesen simplen Fakt aufklärt, gerade die Eltern von Kindern.

Ist Snowden für Sie ein moderner Held?      

Ich glaube, „Held“ ist ein heikles Wort, weil es jeder anders definiert. Ich glaube, Edward Snowden ist jemand, der seine Integrität und seine Intuition wertschätzt. Wie ich vorhin schon sagte, egal, ob dieser Instinkt richtig war oder falsch, er hat sich ihm gestellt. Das an sich ist meiner Meinung nach ein heroischer Akt. Es braucht großen Mut, sich selbst treu zu bleiben und sich gegen Druck und äußere Einflüsse zu stemmen. Besonders, wenn diese von der Regierungsebene ausgeübt werden.

Shailene Woodley war fünf Staffeln lang Star der TV-Serie „The Secret Life of the American Teenager“, in der sie eine jugendliche Mutter verkörperte. Die Rolle der renitenten Tochter von George Clooney im Drama „The Descendants – Familie und andere Angelegenheiten“ brachte der Kalifornierin eine „Golden Globe“-Nominierung ein. Darüber hinaus führte der überzeugende Auftritt zur Hauptrolle der „Tris“ in der großangelegten Verfilmung der Science-Fiction-Saga „Die Bestimmung“ von Veronica Roth. Zuletzt brillierte Woodley als krebskranker Teenager im Drama „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“. Derzeit steht die 23-jährige für Oliver Stones Film „Snowden“ vor der Kamera.

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