Metallica – Through The Never:

Interview mit Lars Ulrich und Robert Trujillo

Atemberaubende 3D-Aufnahmen von einem „Best Of“-Konzert und Spielfilmhandlung im Endzeit-Stil: Das ist „Metallica – Through The Never“. Wir sprachen darüber mit Metallica-Gründungsmitglied Lars Ulrich (49) und Bassist Robert Trujillo (48).

Lars Ulrich (l) und Robert Trujillo von der Band Metallica bei der Verleihung der Metal Hammer Awards in Berlin.
Jörg Carstensen Lars Ulrich (l) und Robert Trujillo von der Band Metallica bei der Verleihung der Metal Hammer Awards in Berlin.

Mr. Ulrich, Mr. Trujillo, wie kam die Zusammenarbeit mit Nimród Antal zustande?

Robert Trujillo: Es war uns sehr wichtig, dass ein echter Filmregisseur den Film machen würde, kein traditioneller Musikvideo-Regisseur. Man sollte die Band mit ganz anderen Augen sehen. Nimród war verrückt genug, sich dieser Herausforderung zu stellen. Viele Filmemacher wollten das Projekt nicht anrühren. Wir reden hier schließlich über eine Bühne, die schon gebaut war und über eine Auswahl von Stücken, die schon weitgehend feststand. Nimród hatte eine verrückte Vision, er war furchtlos und konnte in unserem Team bestehen. Also war er unser Mann. War die Arbeit mit ihm leicht? Nein, absolut nicht. Er ist ein irrer Ungar und wir sind während der Arbeit mehr als einmal mit den Köpfen aneinandergeraten. Das Filmemachen ist immer mit einer hohen Spannung verbunden, der Prozess unterscheidet sich sehr von der Arbeit an einem Album. Wir alle sind kreative Menschen und unsere Gefühle kochen schon mal hoch. Aber Nimród war flexibel und hat jeden Vorschlag begrüßt.

Wie viele Ihrer Ideen wurden tatsächlich aufgegriffen?

Robert Trujillo: Der Autounfall im Film war beispielweise meine Idee, dazu musste man das Drehbuch umschreiben. Wir bei Metallica sind immer alle in den kreativen Prozess eingebunden. Alles andere wäre undenkbar. Regisseure haben eine sehr spezielle Vision, hinter der sie voll und ganz stehen. Dadurch entsteht zuweilen eine gewisse Reibung. Der Prozess brauchte seine Zeit. Wir haben uns verschiedene Schnittfassungen angesehen, wir haben Änderungen vorgenommen oder Dinge hinzugefügt. Es hat lange gebraucht, bis wir im Schneideraum das ideale Ergebnis erzielt haben. Mehrere Cutter kamen und gingen, bis wir mit Joe Hutshing den richtigen gefunden hatten. Er hat viele Oliver-Stone-Filme geschnitten und zwei Oscars gewonnen. Er wurde zur Schlüsselfigur für den Rhythmus und die Dynamik des Filmes. Es ist wichtig, dass man die besten Leute um sich schart, wenn man ein Projekt stemmen will, für das die Band eine solche Leidenschaft hegt.

Wie lange hat der Dreh gedauert?      

Lars Ulrich: Für das Konzertmaterial haben wir ungefähr zehn Tage gebraucht. Wir haben mehrmals das ganze Konzert durchgespielt. Dann haben wir etwa vier Tage lang spezielle Songs herausgepickt, bei denen auf der Bühne viel passiert. Das Publikum war stets zugegen. Diese Leute waren eingeweihte Statisten, keine normalen Konzertbesucher.

Warum haben Sie den jungen Schauspieler Dane DeHaan für die Hauptrolle der Spielfilmhandlung ausgewählt?

Robert Trujillo: Es ging beinahe automatisch. Danes Rolle in „Chronicles“ hatte wirklich Power. Und wir suchten jemanden, der sich nur durch seine Mimik allein ausdrücken kann, denn es gibt ja keine Dialoge. Die Energie und die Dynamik mussten sich allein durch Gesichtsausdrücke und Gesten vermitteln. Dane war perfekt darin. Und er war Metallica-Fan genug, um unser Angebot anzunehmen.

Die Bühne ist einer der Stars des Filmes. Werden Sie sie auch auf Tour benutzen?

Robert Trujillo: Diese Bühne ist wirklich eine Bestie. Es war ein langer Prozess des Probierens und Scheiterns, dieses kolossale, verrückte Ding ordentlich zum Laufen zu kriegen. Die Bühne wurde speziell für den Film geschaffen. Werden wir live darauf spielen? Hoffentlich! Aber jetzt kümmern wir uns erst einmal um den Film, lassen ihn atmen und schauen, wohin er uns führt. Die Bühne ist sehr gefährlich, überall lauert Pyrotechnik, Kreuze kommen zum Vorschein, Dinge fallen herunter. Es war eine Herausforderung. Aber wir mögen Herausforderungen.

Ist es schwer, sich bei all den Effekten noch auf die Musik zu konzentrieren?

Lars Ulrich: Wir haben für diese Show viele Elemente zusammengefügt, die wir früher schon einmal verwendet haben. Auch an die vielen Kameras sind wir gewöhnt. Heute hat man das Gefühl, dass alles schon gefilmt wurde. Wir fühlen uns nicht unbehaglich, wenn wir gefilmt werden. Wir geben heute einfach unser Bestes und wir unterstützen einander. In den 80-er Jahren und Anfang der 90-er sind wir mit der Band und uns selbst immer hart ins Gericht gegangen. Das ist heute nicht mehr so. Heute machen wir uns gegenseitig Mut, anstatt mit den Fingern auf uns zu zeigen und uns gegenseitig vorzuwerfen, wer auf der Bühne bei welchem Song Mist gebaut hat. Das schafft eine sehr viel gesündere Umgebung für eine Gruppe. Wir gehen einfach raus und geben unser Bestes. Wenn die Bühne neu ist, birgt sie natürlich Risiken in sich. Wenn man 200 Shows auf einer Bühne gespielt hat, funktioniert man im positiven Sinne auf Autopilot. Man neigt dazu, bestimmt Abläufe zu wiederholen, mit denen man sich wohlfühlt. Dieser Film wurde gedreht, bevor wir uns auf der Bühne gemütlich einrichten konnten. Insofern war es eine ganz andere Geschichte.

Die schwierigen Zeiten von Metallica kann man in der Dokumentation „Some Kind Of Monster“ nachverfolgen, die die Band bei einer Therapie begleitet. Würden Sie heute noch einmal so persönliche Dinge öffentlich machen?

Lars Ulrich: Es ist heute auch anders als vor zehn Jahren. Die Technologie führt dazu, dass „Some Kind Of Monster“ in unserem Hauptsitz ständig weitergeführt wird. Überall sind Kameras, an allen Plätzen, an denen wir arbeiten, schreiben, was auch immer. Sie sind immer in Betrieb, weil wir alles für Webseiten, DVD-Extras und Making Offs dokumentieren. Man wird gefilmt, wohin man auch geht. Wenn wir ein Konzert geben, sind da 15.000 iPhones, die uns aufnehmen. Alles wird stets und ständig mitgeschnitten. Metallica hat sich mit dieser Transparenz und der Möglichkeit der Fans, auf uns zuzugreifen, immer sehr wohl gefühlt. Aber was könnten wir sonst noch geben? Was „Some Kind Of Monster“ zu etwas so Einzigartigem gemacht hat, waren nicht die Einsichten. Das Essentielle war, was zu dieser Zeit in der Band vor sich ging. Man kann jederzeit einen Film über eine Rock´n´Roll-Band drehen. Unser Film war kein Film über eine Band, er war ein Film über Beziehungen, über Menschen, die sich in einer seltsamen Situation wiederfinden. Daraus entwickelte sich die Geschichte. Wir wollten nie eine überlebensgroße Mythologie um uns errichten. Wir haben für unsere Fans die Tore immer weit geöffnet. Kommt herein und schaut, was hier vor sich geht!

Die Spielfilmhandlung lässt viele Interpretationen zu. Worum geht es Ihrer Meinung nach?

Lars Ulrich: Es ist die Geschichte einer großen Reise. Es geht darum, hartnäckig zu sein und eine Mission durchzuziehen, um die Frage, was mit einem Menschen geschieht, dessen Welt plötzlich komplett aus den Fugen gerät. Jeder von uns kann als Zuschauer den Kinosaal mit etwas Bedeutungsvollem im Gepäck verlassen, was ihn in seinem eigenen Leben von Nutzen sein kann. Es ist in mancher Beziehung ein Film, der Hoffnung macht. Ich mag es, dass alles, was wir tun, Raum für Interpretationen lässt. Die Menschen können aus unserer Arbeit herausziehen, was sie möchten. Ich werde oft gefragt, was das Geheimnis des Erfolges von Metallica ist. Ich bin der Letzte, der die Antwort darauf weiß. Aber vielleicht hat es etwas mit dieser Mehrdeutigkeit zu tun.

Arbeiten Sie an einer neuen Platte?

Lars Ulrich: Bald. Erst müssen wir auf der ganzen Welt noch sechs Wochen über diesen Film sprechen. Dann werden wir über eine neue Platte nachdenken. Das nächste Jahr wird ganz im Zeichen dieses neuen Albums stehen.

Robert Trujillo: Ich kann es kaum erwarten.

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