Zum Kinostart von "Machete Kills":

Interview mit Schauspieler Danny Trejo

Danny Trejo kommt in seiner populärsten Rolle wieder ins Kino: als wortkarger und schlagkräftiger Ex-Agent „Machete“. Wir trafen ihn zum Interview über Mutti, Muppets und klar...Macheten.

Danny Trejo in Berlin bei einer Voraufführung des Films "Machete Kills".
Britta Pedersen Danny Trejo in Berlin bei einer Voraufführung des Films "Machete Kills".

Mr. Trejo, begegnen Ihnen manche Menschen angsterfüllt, weil Sie im Film immer der Böse sind?   

Die Leute hatten immer Angst vor mir. Aber Vieles hängt von einem selbst ab. Ein guter Freund von mir, Eddie Bunker, ein sehr berühmter Schriftsteller („Express in die Hölle“) und ehemaliger Bankräuber, gab mir einen Rat, als ich meine ersten Schritte ins Filmgeschäft unternahm. Er sagte: „Du musst die Leute durch Freundlichkeit entwaffnen. Du hast ein Problem. Du bist kein netter Kerl. Und Du siehst auch nicht so aus. Also musst Du sofort auf die Leute zugehen und „Hallo“ sagen, wenn sie Dich anschauen.“. Wie schnell kann gerade bei Macho-Typen ein falscher Blick Aggressionen auslösen. Deshalb gehe ich heute strahlend auf jeden zu und stelle mich vor. Das funktioniert auch andersherum. Salma Hayek hat es mit mir so gemacht. Sie wissen ja, wie sie aussieht und an was man als Kerl denkt, wenn man sie trifft. Sie kam auf mich zu und fragte: „Wie geht es Deiner Mum?“. Ooops! Damit war die Sache erledigt.

Stimmt es, dass sogar Ihre Mutter Sie…

…„Machete“ genannt hat? Ja, bevor sie starb, hat sie mich nur noch „Machete“ genannt. Ich habe protestiert: „Mom!“. Aber sie entgegnete: „Ahhh, Dein Name ist Machete.“. Also habe ich mich gebeugt. (lacht)

Ist es inzwischen einfach für Sie, in diesen Charakter zu finden?

Ich habe ihn nie verlassen! Ich war immer ein Fan von Typen wie Charles Bronson und Clint Eastwood als „Dirty Harry“. Sie machen nicht viele Worte. So ist Machete und so bin ich irgendwie auch. Ich philosophiere nicht groß über die Dinge. Alles was ich tue, kommt direkt aus meinem Herzen. Machete würde deiner alten Frau Mutter aufopferungsvoll helfen, wenn sie krank wird. Aber wenn jemand in dein Haus einbricht, sind seine Tage gezählt.

Der Humor von „Machete“ ist völlig überdreht. Mögen Sie das?

Robert und ich sehen „Machete“ als einen Cartoon für Erwachsene im Stile von „Coyote und Road Runner“. Es passieren Sachen, die eigentlich tragisch sind, aber im Cartoon sind sie witzig. Ich wollte nie, dass meine Mutter sich „Machete“ ansieht. Als ich in einer Szene ein paar Typen die Köpfe abschlage und sie herunterplumpsen, hat sie gelacht! Sie hat erfasst, wie es gemeint war. Es ist komisch, ein Cartoon für ein erwachsenes Publikum.

Hat der Film auch eine politische Ebene? Man denke nur an Charlie Sheens Auftritt als US-Präsident…

Die Leute können für sich herausziehen, was sie möchten. Ist „Die kleine Meerjungfrau“ nur ein Trickfilm oder wird die Verschmutzung der Ozeane angeprangert? Was immer den Zuschauer glücklich macht. Für uns ist der Film einfach ein großer Spaß.

Demnächst wird man Sie in einem völlig anderen Film erleben, dem neuen Kinoabenteuer der „Muppets“. Wie war die Arbeit mit Kermit und Co.?   

Erstaunlich! Wir haben in England gedreht, als mich die Nachricht vom Ableben meiner Mutter erreichte. Natürlich wollte ich umgehend in die Staaten fahren. Es waren aber nur  noch drei Drehtage und ich war von wundervollen Menschen umgeben, die sich vorläufig um alles gekümmert haben, damit ich die Arbeit noch beenden konnte. Ich habe große Anteilnahme erfahren, immer wieder kamen Menschen zu mir, um mir ihr Beileid auszusprechen. Ich ließ mir meinen Kummer nicht anmerken und sagte: „Danke, es geht mir gut.“. Ich war selbst erstaunt, wie gut ich meine Gefühle verbergen konnte, bis Kermit der Frosch kam. Er sagte: „Dan, es tut mir ehrlich leid wegen Deiner Mom!“ und verzog traurig sein Gesicht. Da brach es aus mir heraus. Ich umarmte den Frosch und weinte. Ich liebe Kermit! Wenn Sie sich den Film anschauen, wird es Sie umhauen. Nennen Sie mich danach noch einmal Macho!

Gehen Sie selbst ins Kino?

Ja, manchmal schleiche ich mich in einen Action-Film. Bitte verschonen Sie mich mit Drama, da mache ich nur alle verrückt: „Oh Gott, jetzt fangen sie auch noch an zu knutschen!“.

Gibt es einen Kollegen, den Sie ganz besonders schätzen?

Ich liebe Robert De Niro, er ist ein erstaunlicher Mann. Als wir gemeinsam „Heat“ drehten, war mein Sohn Gilbert etwa neun Jahre alt. Ich nahm ihn mit zum Drehort und stellte ihm Robert De Niro vor. Robert sagte: „Hi, Gilbert!“ und mein Sohn entgegnete: „Du laberst mich an?“. Er zitierte „Taxi Driver“ und Robert und ich waren gleichermaßen schockiert, woher er den Film kannte! Gilbert kannte den Spruch aus dem „Comedy Channel“. Jedes Mal, wenn jemand Robert De Niro parodierte, fiel dieser Satz. Robert hat das geliebt, es war ja auch ziemlich cool.

Die Einzige, die Ihnen in punkto Coolness das Wasser reichen kann, ist Ihr „Machete“-Co-Star Michelle Rodriguez. Verstehen Sie sich gut?

(Trejo holt eine Brieftasche heraus, in der sich ein Bild von Rodriguez befindet.) Meinen Sie die hier? Ich liebe Michelle! Sie hatte wie ich eine harte Jugend und sie kommt auch von der Straße. Viele Schauspieler oder Rapper behaupten, dass sie auf der Straße groß geworden sind. Dann sage ich ihnen immer, dass der Broadway nicht zählt. Wenn man auf der Straße aufgewachsen ist, dann schätzt man viel stärker, was man heute hat. Ich habe kein Recht dazu, mich zu beklagen, egal wie anstrengend ein Job auch ist. Andere Leute sitzen auch bei brütender Hitze auf dem Dach und schlagen Nägel ein. Ich bin gesegnet.  

Sie drehen zehn Filme im Jahr. Haben Sie eine feuchte Wohnung?

Ich liebe einfach, was ich mache. Mein Agent tut alles dafür, um mich mit Arbeit einzudecken, weil ich immer, wenn ich nicht arbeite, einen Oldtimer oder ein tiefergelegtes Auto kaufe. Ich stehe sehr gern morgens auf und arbeite. Und schauen Sie, was ich erlebe! Ich bin in gerade in Berlin. Wie viele Leute sehen schon aus beruflichen Gründen die Welt? Sagen Sie, ich soll einen Baum spielen, und ich tue es. Legen Sie noch etwas Geld drauf, und ich lasse sogar Früchte wachsen.

Gibt es eine Traumrolle?

Vor langer Zeit gab es einen Film mit Marlon Brando namens „Viva Zapata!“ (1952). Er drehte sich um den legendären mexikanischen Volkshelden. Marlon Brando war einfach erstaunlich in dieser Rolle und ich möchte mich auf keinen Fall mit ihm vergleichen. Aber so etwas hätte ich auch gern gespielt. Inzwischen bin ich dafür wohl ein wenig in die Jahre gekommen.
 

Seine markanten Gesichtszüge, eine kompakte Physis und eine Reibeisenstimme haben Danny Trejo zum prominentesten Bösewicht Hollywoods gemacht. Rekordverdächtige 260 Auftritte in Fernsehserien wie „Monk“, „Breaking Bad“ und „Sons of Anarchy“ oder Kinofilmen wie „Heat“ und „From Dusk Till Dawn“ gehen auf das Konto des 69-jährigen. Trejos Jugend war von mehreren Gefängnisaufenthalten geprägt. Bis heute unterstützt der Schauspieler aktiv das Rehabilitierungsprogramm für Drogensüchtige, das ihm selbst den Weg in ein geordnetes Leben geebnet hat.

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