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Interview mit Schauspielerin Evangeline Lilly

Die kanadische Schauspielerin Evangeline Lilly spielt auch in "Der Hobbit – Die Schlacht der fünf Heere" wieder die Rolle der wehrhaften Elbin Tauriel. Wir sprachen mit der Schauspielerin über Elben, Spinnen und den Spaß am Jungs verhauen.

Evangeline Lilly
Paul Buck Evangeline Lilly.

Mrs. Lilly, Tauriel ist eine Figur, die für den Film erfunden wurde und die im Buch nicht vorkommt. Hat das Ihre Aufgabe leichter oder schwerer gemacht?

Diese Tatsache hat viel Druck von mir genommen. Ich glaube, dass Martin Freeman, der den Hobbit spielt, die mit Abstand schwierigste Aufgabe hatte. Er musste all den Erwartungen gerecht werden, die die Menschen in Bezug auf Bilbo hegten. Jeder einzelne Leser hat seine ganz eigene Vorstellung davon, wie Bilbo geht, wie er redet, wie er aussieht und wie er sich verhält. Das muss so ein großer Druck gewesen sein! Ich hatte nichts dergleichen auszustehen. Die Drehbuchautoren und ich konnten frei arbeiten und gestalten, weil niemand wusste, was er zu erwarten hat. Allerdings konnte mir auch niemand sagen, wie ich es machen soll.

Es hat aber nicht allen Fans gefallen, dass dieser neue Charakter eingeführt wurde?

Absolut. Aber ich möchte viel lieber eine Figur spielen, an der sich Kontroversen entzünden, als einen Charakter, über den am Ende niemand ein Wort verliert. Das ist viel interessanter und aufregender. Außerdem bin ich selbst ein Tolkien-Fan. Und wenn sich ein Fan richtig aufregt, sage ich: „Okay, mach´ nur, du empfindest wirklich große Leidenschaft für Tolkien.“ Sich leidenschaftlich für etwas zu engagieren, ist eine ehrenhafte und respektable Sache. Wenn deine Arbeit keine Debatten auslöst, machst du wahrscheinlich nichts Bedeutungsvolles. Tolkiens Werk hat die Herzen unzähliger Menschen berührt, weil aus ihm eine universelle Wahrheit spricht. Wenn man so etwas Bedeutungsvolles anrührt, wird man immer Kontroversen auslösen. Ich begrüße und unterstütze sie. Je mehr Leute zornig sind, umso mehr finden sich auch, die Tauriel verteidigen. Solche Dinge sind doch erst das Salz in der Suppe des Lebens.

Hat es Ihnen Spaß gemacht, als Tauriel richtig auszuteilen?

Ja, es war mir eine Freude, die Jungs zu verhauen. Tatsächlich habe ich einem Stuntman versehentlich ein blaues Auge verpasst. Dafür möchte ich mich noch einmal entschuldigen. Ich hatte nicht allzu viel physische Vorbereitung auf die Rolle, denn ich war erst drei Monate vor Drehbeginn zum ersten Mal Mutter geworden. Ich konnte mich fast während des gesamten Drehs selbst um mein Kind kümmern. Aber ich hatte nicht so viele Kalorien übrig, um sie in den Job zu investieren. Diese Kalorien gehörten schließlich meinem kleinen Jungen! Nach dem Drehtag bin ich nach Hause gegangen und habe gegessen. Das war meine Vorbereitung für die Rolle.

Haben Sie noch einmal die Auftritte der Elben in den „Herr der Ringe“-Filmen genau unter die Lupe genommen?

Ich habe mich sehr darum bemüht, es nicht zu tun. Ich habe diese Auftritte geliebt und sie nötigen mir Respekt ab. Schauen Sie sich nur Cate Blanchett an! Ich hatte große Angst, dass ich versuchen würde, diese Darbietungen zu kopieren. Für einen Darsteller ist es essentiell, jedes Mal etwas Neues zu schaffen, wenn man eine Rolle entwirft. Ich habe bei Null angefangen und mich im Wesentlichen an Tolkiens „Silmarillion“ orientiert. Es gehörte nicht zu meiner Kindheitslektüre, ich habe es jetzt zum ersten Mal gelesen. Ich habe viel über die Herkunft der Elben erfahren und für was sie stehen.

Wie haben Sie Tauriel gesehen?          

Es ist mir hoffentlich gelungen, Tauriel sowohl stark als auch feminin zu zeichnen. Ich selbst bin immer zwischen diesen Eigenschaften hin- und hergerissen. Ich mag die weibliche Sinnlichkeit sehr. Es ist nichts falsch daran, ein starkes und zugleich sinnliches Wesen zu sein. Gleichzeitig habe ich immer das Bedürfnis, mich mit Männern zu messen. Ich weiß nicht, woher das rührt, vielleicht habe ich es von meinem Vater geerbt. Auch das Ensemble von „Lost“ bestand überwiegend aus Männern. Und wann immer es eine physisch anspruchsvolle Szene zu drehen gab, erwachte in mir dieses Bedürfnis, mit den Jungs zu konkurrieren.

In „Smaugs Einöde“ kämpften Sie gegen eine Riesenspinne. Haben Sie im echten Leben Angst vor Spinnen?

Ich bin für „LOST“ nach Hawaii gekommen, wo die Serie gedreht wurde. Dort leben die tropischen Riesenkrabbenspinnen, die bis zu 10 cm groß werden und kein schöner Anblick sind. Gegen Ende der Drehzeit habe ich sie mit bloßen Händen angefasst.

Hatten Sie das Gefühl, während der sechs Jahre bei „LOST“ attraktive Rollenangebote zu verpassen?

Eine schwierige Frage. Ich bin nicht mit großen Zielen in die Karriere gestartet, ich wollte keine neue Angelina Jolie werden. Ich kam eher zufällig zu diesem Job. Wer hätte diese lukrative Rolle schon abgelehnt? In den ersten beiden Jahren wusste ich noch gar nicht so recht, ob das wirklich mein Ding ist, ob ich die Schauspielerei liebe oder hasse. Es gab einen Jojo-Effekt. An einem Tag liebte ich die Arbeit und fand sie wundervoll. Und am nächsten Tag konnte ich sie nicht ausstehen und wünschte mir nichts mehr, als dieser Industrie den Rücken zu kehren. Ich bin erst am Set von „LOST“ erwachsen geworden. Das Gute war, dass ich einen festen Job hatte und die Leute sich um mich gekümmert haben. Auf der anderen Seite konnte ich nicht alle kreativen Seiten dieses Berufs austesten. Ich kam zu einem Punkt, an dem ich ans Aufhören dachte. Mittlerweile habe ich an einigen Projekten mitgewirkt, die fantastische, kreative Erlebnisse mit sich brachten und zu denen ich wirklich etwas beisteuern konnte. Das hat bei mir einen Sinneswandel bewirkt. Die Erfahrung, dass mir dieser Beruf große künstlerische Befriedigung geben kann, hätte ich gern eher in meiner Karriere gesammelt. Aber ich bereue nichts.
 

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