Neubrandenburgs OB bleibt hart:

Ist das Neustrelitzer Musiktheater noch zu retten?

Die von Bildungsminister Brodkorb angestrebte Fusion der Theater und Orchester im Osten des Landes ist längst noch nicht in trockenen Tüchern. Gewerkschaften und Fördervereine setzen auf ein neues Modell.

Immer wieder Theater ums Geld: Die Kommunen müssten deutlich mehr Geld geben, um die Fusion zu stoppen.
Jens Büttner Immer wieder Theater ums Geld: Die Kommunen müssten deutlich mehr Geld geben, um die Fusion zu stoppen.

Martin Majewski von der Rechtsabteilung der Deutschen Orchestervereinigung (DOV) will die Eigenständigkeit der Theater- und Orchester GmbH (TOG) Neubrandenburg-Neustrelitz retten. Dafür hat er gemeinsam mit anderen Interessenvereinigungen von Schauspielern und Tänzern, Mitgliedern des TOG-Betriebsrates sowie Förderern des Neustrelitzer Landestheaters ein „Solidar-Modell“ entwickelt. Das Modell soll eine Alternative zum Zusammenschluss der TOG mit dem Theater Vorpommern (TVP) darstellen. Auch das Musiktheaters in Neustrelitz sowie die Deutschen Tanzkompanie mit insgesamt 92 Stellen sollen so gerettet werden.

Die erforderlichen Einsparungen würden durch einen neuen Haustarif-Vertrag erzielt, der bis 2020 läuft. Die Künstler würden zunächst auf zehn Prozent Gehalt verzichten, schrittweise würde der Verzicht in Ein-Prozent-Schritten reduziert, so dass ab 2020 Flächentarif gezahlt werden könnte. Die Städte Neubrandenburg und Neustrelitz sollen gleichzeitig ihre Zuschüsse erhöhen.

Bleibt die Frage, ob der Zug Richtung fusioniertes Staatstheater Ost überhaupt noch zu stoppen ist. Bisherige Beschlüsse der Vertretungen beinhalteten immer die Maßgabe von Strukturveränderungen sowie daran gebundene Zuschüsse des Landes. Zudem zeigt sich Bildungsminister Mathias Brodkorb (SPD) derzeit im Streit um die Zukunft des Rostocker Theater als ziemlich hartleibig, was den Flächentarif betrifft.

Neubrandenburger OB sieht keine Alternative zur Fusion

Auch das Theater Vorpommern ist trotz eines Abbaus von mehr als 100 Stellen seit 1994 nur aufgrund eines Sondertarifvertrages zu betreiben, der bis Ende 2016 läuft. Am Ende, so Löschner, würden die Mitarbeiter 22 Prozent weniger verdienen, als es der Flächentarif vorsehe. „Das entspricht einem Defizit von 3,2 Millionen Euro.“

Um die Eigenständigkeit des TVP aufrechtzuerhalten, bräuchte es zusätzliche Zuschüsse von jeweils einer Million Euro durch Greifswald und Stralsund pro Jahr. Geld, das beide Städte nicht haben und das Innenminister Lorenz Caffier (CDU) angesichts defizitärer Haushalte auch nicht genehmigen würde, verdeutlichte Greifswalds Oberbürgermeister Arthur König (CDU). Deshalb plädierte er für den Weg der Fusion: „Wir sollten jetzt einsteigen in den Prozess des Näherkommens.“ Auch Neubrandenburgs OB Paul Krüger (CDU) sieht keine andere Alternative.

Für Kümmritz und Löschner gibt es zwei Alternativen: Entweder, die Kommunen geben deutlich mehr Geld ins Theatersystem, um die Eigenständigkeit zu sichern. Oder aber es kommt zur Fusion. Dann, so das Versprechen des Intendanten-Duos, gebe es zwar deutliche Einbußen beim Musiktheater. Die Orchesterangebote könne aber weitestgehend aufrechterhalten werden. Die Schauspiel-Bespielung mit zwei Ensembles in Greifswald und Neustrelitz wäre auf jetzigem Niveau gesichert.