Lyonel Feininger :

"Julia am Schreibtisch" jetzt auf Usedom zu sehen

Lyonel Feininger und seine Frau Julia verband zeitlebens eine tiefe Liebe. Waren beide getrennt, schrieben sie sich viele Briefe. Kein Zufall also, dass der Maler seine Geliebte ausgerechnet beim Schreiben zeichnete.

Die Bleistift-Zeichnung „Julia am Schreibtisch“ fertigte Lyonel Feininger im Jahre 1907 von seiner damaligen Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Juli in Paris an.
Kunst-Kabinett Usedom Die Bleistift-Zeichnung „Julia am Schreibtisch“ fertigte Lyonel Feininger im Jahre 1907 von seiner damaligen Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Juli in Paris an.

Im Kunst-Kabinett Usedom ist dieser Tage eine neue Rarität zu besichtigen. Gezeigt wird ein Original von Lyonel Feininger (1871-1956), das die Galeristen unlängst auf einer Auktion in München ersteigert hatten. Die Bleistiftzeichnung „Julia am Schreibtisch“ hatte der weltweit bekannte Maler, Grafiker und Karikaturist Lyonel Feininger im Jahre 1907 während seines fast dreijährigen Aufenthalts in Paris angefertigt. Sie zeigt seine Lebensgefährtin und spätere Ehefrau Julia kurz nach der Geburt des ersten Sohne schreibend am Tisch in der Pariser Wohnung. Die 19 mal 12 Zentimeter kleine Skizze, die nach der Geburt des Sohnes Andreas Ende Dezember 1906 entstand, ist gegenwärtig in der Ausstellungshalle des 1995 in Benz auf der Insel Usedom zu sehen.„Feininger war seinerzeit kurz danach für wenige Tage nach Berlin gereist“, sagt Galerist Hannes Albers. Am 17. Mai 1908 sei der spätere Bauhauskünstler zu einem längeren Urlaub nach Usedom gekommen. Bis zum Jahre 1913 sei er immer wieder für längere Mal-Aufenthalte auf der Insel gewesen. Weltweit berühmt wurden zum Beispiel seine vielen Arbeiten von der Benzer Kirche Sankt Petri, neben der sich heute das Kunst-Kabinett befindet.Der in München ersteigerte Neuerwerb sei eine ganz besondere Perle für die kleine Sammlung in Benz, sagte Albers. „Denn Julia und Lyonel Feininger sind dafür bekannt gewesen, dass sie sich während ihrer räumlichen Trennungen täglich geschrieben hatten.“ Die meisten dieser Briefe befinden sich heute im Archiv des Busch-Reisinger-Museums in Cambridge im US-Bundesstaat Massachusetts. Die von Hannes Albers und Hannelore Stamm betriebene Privatgalerie dokumentiert die Verbindung Feiningers zur Ostseeinsel Usedom. Zum Bestand gehören mehrere Unikate und Originale, darunter zwei Bilder von der Benzer Kirche im Jahre 1912. Eines von ihnen hatte Feininger erst 1955, kurz vor seinem Tod in New York angefertigt. Ergänzt wird die kleine Feininger-Sammlung der Galerie durch eine sogenannte Natur-Notiz, eine Kohle-Studie von einem Benzer Landweg von 1910, und einen Original-Brief mit zwei Holzschnitten von 1937.Die Galerie, die auch einen kleinen Kunsthandel betreibt, ist ganzjährig jeweils freitags bis sonntags in der Zeit von 11 bis 17 Uhr geöffnet. Neben Feininger präsentiert sie auch Arbeiten von Armin Mueller-Stahl sowie von Christopher Lehmpfuhl. Der 1972 geborene Berliner Künstler gehört zu Deutschlands namhaftesten Landschaftsmalern der jüngeren Generation. Jährlich besichtigen bis zu 4 000 Menschen die kleine Ausstellung. Bereits seit fast vier Jahren lockt das Usedomer Hinterland kultur- und naturbegeisterte Urlauber zu Ausflügen auf dem Feininger-Radweg rund um die Region Benz. Feininger selbst hatte seinerzeit die Insel mit dem Fahrrad erkundet. In einem Brief an die befreundete Familie von Schlieffen hatte er 1951 aus New York geschrieben: „Pommern und die Ostsee waren für mein ganzes Schaffen bestimmend.“ Die inzwischen ausgeschilderte, etwa 56 Kilometer lange Route führt die Radwanderer an 13 Orte, die der Maler in seinen Bildern künstlerisch überlieferte, neben Benz zum Beispiel auch die Dörfer Neppermin, Balm und Mellenthin.

 

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