Elsa Claveria - mit 28 Jahren schon Konzertmeisterin:

Junge Französin gibt in der Philharmonie den Ton an

Sie ist jung, schön und weiß vor allem, was sie will: Elsa Claveria ist seit Frühjahr 2014 fest angestellt als Konzertmeisterin der Neubrandenburger Philharmonie. Ein Job, der einige Herausforderungen bietet.

Elsa Claveria zählt mit 28 Jahren zu den jüngsten Konzertmeisterinnen in Deutschland.
Frank Wilhelm Elsa Claveria zählt mit 28 Jahren zu den jüngsten Konzertmeisterinnen in Deutschland.

Es ist dunkel. Es regnet. Früher Abend am Bahnhof Neustrelitz. Kurz nach 18 Uhr rollt der Zug aus Berlin ein. Jetzt muss sie kommen: Elsa Claveria, die Konzertmeisterin der Neubrandenburger Philharmonie. Regelmäßige Orchester-Besucher dürften sie kennen. Seit mehr als einem Jahr sitzt die hübsche Französin mit den blonden Haaren links neben dem Dirigentenpult von Generalmusikdirektor Stefan Malzew. Als 1. Konzertmeisterin ist die Violinistin quasi seine rechte Hand.

„Sie erkennen mich an meiner Geige“, meinte sie, als wir uns verabredeten. Doch im Dunkel am Neustrelitzer Bahnhof sehen alle Bahnfahrer gleich aus? Elsa Claverias Haare sind versteckt unter einer weißen Wollmütze. Doch dann taucht die Geige auf, gut eingepackt im Rucksack auf dem Rücken.

Bessere Möglichkeiten zogen sie nach Deutschland

Die Zugverbindung von Berlin nach Neustrelitz und Neubrandenburg kennt sie in und auswendig. Die Französin hatte sich vor gut einem Jahr auf die Stelle als 1. Konzertmeisterin beworben. Sie wurde zum Vorspielen eingeladen und setzte sich durch. Nach einigen Monaten auf Probe ist sie seit Mai dieses Jahres fest engagiert. Damit dürfte die 28-Jährige eine der jüngsten Konzertmeisterinnen in einem deutschen Orchester sein. Jetzt pendelt sie regelmäßig zwischen der Hauptstadt und Neubrandenburg/Neustrelitz. An diesem verregneten Dezemberabend wird sie im Orchestergraben sitzen, um mit ihren Kollegen die „Zauberflöte“ am Landestheater zu intonieren.

Der Aufstieg der Musikerin verlief bislang rasant. Sie ist 1986 in der südfranzösischen Stadt Pau geboren, die mit knapp 80 000 Einwohnern etwas größer ist als Neubrandenburg. Mit sieben Jahren begann sie mit dem Violinunterricht, fünf Jahre später hatte sie ihre ersten solistischen Auftritte. „Schon damals habe ich davon geträumt, Konzertmeisterin zu werden“, sagt Elsa Claveria. Nach dem Abitur studierte sie Violine und Gesang in Bordeaux und Lyon, wo sie dann tatsächlich auch als Konzertmeisterin des Hochschulorchesters fungierte.

Nach dem Studium zog es die Französin nach Deutschland. „Hier gibt es viel bessere Möglichkeiten als klassischer Musiker.“ Elsa Claveria absolvierte neben einem Masterstudium in Leipzig verschiedene Meisterkurse und spielte im MDR Sinfonieorchester, der Staatskapelle Berlin sowie in Daniel Barenboims West Eastern Divan Orchestra.

Sie hat sich den Respekt der Kollegen erarbeitet

Kann die Philharmonie Neubrandenburg da wirklich die nächste, richtige Sprosse auf der Karriereleiter sein? Elsa Claveria lacht und schüttelt mit dem Kopf. Das sei nicht die Frage. Sie habe die Herausforderung als 1. Konzertmeisterin gereizt. Das Spektrum ihrer Aufgaben ist weit: Schon vor den ersten Proben überarbeitet sie die Partituren für die Streicher, entscheidet, welche Töne mit Auf- oder Abwärtsbewegungen der Bögen gespielt werden. Für den Dirigenten ist sie erste Ansprechpartnerin für die Streicher. „Wenn eine Passage in der Probe mal nicht so gut klingt, schalte ich mich auch ein“, sagt sie.

Das Publikum kennt Elsa Claveria als die Frau, die zum Konzertbeginn den richtigen Ton vorgibt. Nicht zuletzt spielt sie in der Regel die Violinen-Soli, beim Neujahrskonzert beispielsweise das „Poême“ ihres französischen Landsmannes Ernest Chausson sowie eine Dvorák-Romanze. GMD Stefan Malzew lobt seine Konzertmeisterin. Sie sei nicht nur eine sehr gute Geigerin. „Sie hat es auch geschafft, sich Respekt bei ihren Kollegen zu erarbeiten“, sagt Malzew.

Der Jazz reizt die junge Frau

Es passt zum Realitätssinn von Elsa Claveria, dass sie nicht spekulieren will über künftige musikalische Herausforderungen. Sie konzentriert sich auf das Jetzt und das Heute. Gerade das intensive Konzertprogramm über den Jahreswechsel bringe viel Stress und Pendelei mit sich. Musikalisch reizen sie vor allem die Konzertnächte. Fünf Stunden Klassik an einem Abend seien eine große Herausforderung für jeden Musiker. „Aber das ist eine sehr gute Konzertidee, und es ist schön zu spüren, wie das Publikum mitgeht“, sagt sie.

Ihr Lebensmittelpunkt wird erst einmal Berlin bleiben. Dort spielt ihr Lebensgefährte Fagott in der Deutschen Oper. Einen Traum verrät die sympathische Französin dann aber doch noch. Früher habe sie zusammen mit ihrem Vater ab und mal Jazz gespielt. „Neben der Klassik mit Jazzgesang auf der Bühne zu stehen, das könnte ich mir für die Zukunft gut vorstellen.“