Mit ihm starb eine ganze Epoche:

Kabarett ohne Dieter Hildebrandt

Dieter Hildebrandt war so etwas wie der Letzte seiner Art: ein Kabarettist, der jahrzehntelang ein Massenpublikum erreichte. Früher lachte man über ihn, heute über Mario Barth. Als Hildebrandts Stimme für immer verstummte, ging eine Epoche zu Ende.

Er war das Gesicht des deutschen Kabarett: Dieter Hildebrandt.
Andreas Weihs Er war das Gesicht des deutschen Kabarett: Dieter Hildebrandt.

Der 3. Februar 1959 ging in die Geschichte ein als „the day the music died“: der Tag, an dem die Musik starb. Damals kamen die Musiker Buddy Holly, Jiles P. Richardson und Ritchie Valens bei einem Flugzeugabsturz ums Leben. Für das deutsche politische Kabarett ist der 20. November 2013 so ein Tag, der Tag mit der Nachricht vom Tod Dieter Hildebrandts. „Er war das Kabarett“, schreibt „Spiegel Online“.

Viele Kollegen und Weggefährten sehen das genauso – selbst die, die selbst auch Kabarett machen. „Er war in seiner Art, Kabarett zu machen, Maßstab setzend. Er war einmalig“, sagt beispielsweise Bruno Jonas, der Hildebrandt im legendären ARD-„Scheibenwischer“ erst zur Seite stand und ihn dann beerbte.

Tod einer "moralischen Instanz"

„Dieter Hildebrandt war das Gewissen Deutschlands“, sagt Luise Kinseher. Viele äußern sich ähnlich: „Moralische Instanz“, „unbestechlicher Wächter unserer Gesellschaft“. Über wen aus der jüngeren Generation derer, über die Deutschland heute lacht, wird man künftig so etwas sagen können? Über Mario Barth? Cindy aus Marzahn? Oder vielleicht Stefan Raab?

Hildebrandt und den „Scheibenwischer“ – früher kannte das jeder. Und selbstverständlich lassen sich auch heute noch ähnliche Formate im Fernsehen finden – gerne in den dritten Programmen der ARD. Der „Schlachthof“ des Bayerischen Fernsehens ist so ein Beispiel oder die „Mitternachtsspitzen“ im WDR. Das ganz große Mainstream-Publikum erreichen diese Sendungen aber selten.

Die ZDF-Kabarettsendung „Neues aus der Anstalt“, die sich eigentlich über ganz gute Quoten freuen konnte, steht mit neuen Gesichtern vor einem Neustart. Claus von Wagner und Max Uthoff übernehmen. Ein Popularitätsgrad wie heute Barth und Raab und früher eben Hildebrandt aber ist ihnen kaum zu unterstellen. Klassische Kabarettsendungen führen heute im öffentlich-rechtlichen Fernsehen eher ein Schattendasein, sind etwas für Liebhaber.

Politik-Kabarett im TV braucht neue Formen

Auch wenn in allen großen Städten eine mehr oder weniger lebendige Kabarett-Szene auf kleinen Bühnen besteht – wer sich heute im Fernsehen lustig machen will über Politik, über „die da oben“, die Hildebrandt selbst so gerne genüsslich auseinandernahm, der muss sich andere Formen einfallen lassen, meint Medienexperte Mühl-Benninghaus. Die „heute-show“ im ZDF mit Oliver Welke sei ein gutes Beispiel dafür, wie es auch heute möglich sei, sich massentauglich über Politiker lustig zu machen.

Ob die Show an die Qualität eines Dieter Hildebrandt in seiner besten Zeit heranreicht, steht auf einem anderen Blatt. Ex-Bundespräsident Richard von Weizsäcker schreibt in der „Süddeutschen Zeitung“: „Ohne Kabarettisten, ohne Kabarettisten wie ihn, kann aus der Politik nichts werden.“ Helmut Dietl, Regisseur der Kult-Serie „Kir Royal“, in der Hildebrandt den Fotografen Herbie spielte, sagt: „Mit ihm ist eine ganze Epoche gestorben.“ Ottfried Fischer sinniert über die Zukunft der Münchner Lach- und Schießgesellschaft, die Hildebrandt einst mitbegründete: „Auch in Zukunft werden viele Leute spätestens in der Pause fragen: Wann kommt denn jetzt endlich der Hildebrandt?“

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung