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Komödie "Der Spion und sein Bruder": Derber Humor trifft Actionszenen

Zwei Brüder treffen sich wieder, die in verschiedenen Welten aufgewachsen sind: einfacher Hooligan trifft Super-Spion. In Baron Cohens neuem Film werden haufenweise Klischees bedient.

Die Brüder Mark und Nobby sind nicht gemeinsam aufgewachsen, finden aber zusammen.
Sony Pictures Die Brüder Mark und Nobby sind nicht gemeinsam aufgewachsen, finden aber zusammen.

Die einen schlagen sich schockiert die Hände vors Gesicht, die anderen schließen angeekelt die Augen, wieder andere lachen ein wenig hysterisch. Was Sacha Baron Cohens neuer Film "Der Spion und sein Bruder" beim Publikum auslöst, lässt Unaussprechliches vermuten. Schließlich ist der Schauspieler und Drehbuchautor dafür bekannt, dass er nicht nur an die Grenzen des guten Geschmacks geht, sondern mit großer Leidenschaft immer wieder weit darüber hinaus.

Baron Cohen spielt in seinem neuen Film den Fußball-Hooligan Nobby, der in dem heruntergekommenen nordenglischen Fischerort Grimsby ein Klischee-Leben führt zwischen Pub, Fußballstadion, Fernseher und einer unüberschaubaren Schar von Kindern und Enkeln. Er ist schwer verliebt in seine schwere Freundin Dawn (Rebel Wilson). Alles, was ihm fehlt, ist sein kleiner Bruder Sebastian, der damals von einem reichen Londoner Ehepaar adoptiert wurde - während Nobby in Grimsby zurückblieb.

Wiedersehen sorgt für Kulturschock

Als er endlich erfährt, wo sein Bruder sich aufhält, ist er überglücklich. Das Problem: Sebastian (Mark Strong) ist Agent beim britischen Auslandsgeheimdienst MI6 und auf der Flucht. Daran ist Nobby nicht ganz unschuldig. Hätte er Sebastian bei ihrem Wiedersehen in London nicht so stürmisch umarmt, hätte dieser dabei nicht versehentlich den Chef der Weltgesundheitsorganisation erschossen und einen aidskranken Jungen im Rollstuhl angeschossen.

Aber so wird "Sebbo" zu Unrecht zu einem der meistgesuchten Verbrecher der Welt und gerät auf die Abschussliste seiner eigenen Organisation. Nobby nimmt ihn mit in die gemeinsame Geburtsstadt und beschert dem gebildeten Londoner einen ziemlichen Kulturschock.

Arbeiterklasse wird liebevoll belächelt

In "Der Spion und sein Bruder" treffen Actionszenen, wie sie auch in einem James-Bond-Film nicht besser sein können, auf die Tristesse des englischen Nordens. Weltpolitik trifft Hooligans, ein gut gekleideter Spion seinen Trikot tragenden Bruder. Der Film ist eine zwar bissige aber trotzdem irgendwie liebevolle Hommage an die englische Arbeiterklasse. Wer mit Baron Cohens gerne präpubertärem Humor etwas anfangen kann, kann sehr viel Spaß haben - auch wenn der Film wohl nicht als Höhepunkt von Baron Cohens Schaffen in Erinnerung bleiben wird.