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Kunst zwischen Dixies und Discokugeln

Das Immergut Festival in Neustrelitz ist seit Jahren Aushängeschild für Popmusik abseits des gängigen Radiogedudels. Doch auf der Wiese am Bürgerseeweg lässt sich Ende Mai noch mehr entdecken.

Kunst schreibt man beim Immergut Festival mit „Z“. Platziert wird sie direkt zwischen die Dixies und die Bühnen, auf Bauwagen und auf die Wiese.
Niklas Wolter Kunst schreibt man beim Immergut Festival mit „Z“. Platziert wird sie direkt zwischen die Dixies und die Bühnen, auf Bauwagen und auf die Wiese.

Während sich am kommenden Wochenende circa 5000 Musikfreunde wieder mit Zelten, Bier und Grill im Gepäck auf den Weg zum Immergut Festival nach Neustrelitz machen, hat Cindy Schmid auch noch jede Menge Papier und ihre Schere dabei. Was die Greifswalderin damit vorhat? „Was Kleines fürs Auge“ soll entstehen, mehr wird nicht verraten. Sie ist in diesem Jahr eine von vier Künstlerinnen und Künstlern, die die Wiese am Bürgerseeweg nicht nur zu einer Bühne für ein Freiluft-Musikspektakel, sondern auch zu einer Open-Air-Ausstellung werden lassen. Für die 38-Jährige eine Premiere, für das Immergut eine kleine Tradition.

Zum zehnten Festival-Geburtstag 2009 gab es den ersten Versuch. „Damals haben sich Leute aus dem Verein kleine Projekte ausgedacht, die was mit dem Immergut und der Region zu tun haben sollten“, erzählt Christian Sepp vom veranstaltenden immergutrocken e.V. Allerdings seien die Exponate nicht ganz wetter- und massentauglich und schon nach zehn Minuten größtenteils zerstört gewesen, so der Leipziger.

Warum wird beim Festival "Kunz" mit "z" geschrieben?

Sechs Jahre und einige Immergut-erprobte Ausstellungen später folgen dem Aufruf des Festivals immer mehr bildende Künstler aus dem ganzen Land. „Wir hatten diesmal wirklich viele tolle Bewerbungen. Auch von verschiedenen Hochschulen. Das Festival als Plattform scheint sich ein wenig rumgesprochen zu haben“, sagt Sepp, der mit zwei anderen im Verein für „Kunz“ auf dem Gelände zuständig ist. Warum die beim Immergut mit „Z“ geschrieben wird, weiß er allerdings nicht mehr. Griffig ist es allemal. Worauf es bei „Kunz“ ankommt? Möglichst interaktiv muss es sein, damit die Exponate zwischen den Konzerten und Lesungen des immerguten Wochenendes bestehen können.

Eine Herausforderung, der sich Cindy Schmid alias Swinx nur zu gerne stellt. „Am meisten reizt mich das natürliche Publikum, die Zwanglosigkeit eines Festivals und die Freude daran, den aufmerksamen Leuten, ein kleines visuelles Geschenk zu machen“, sagt die Grafikerin, die ihre oft collagenhaften Arbeiten auch schon in Schaufenstern, im Internet oder in einem Wohnblock ausgestellt hat. Aufs Rausgehen und Toben freue sie sich aber auch. Das geht beim Immergut Hand in Hand.

Auch Christian Sepp genießt es, seinen Job als technischer Redakteur im Büro einmal im Jahr gegen die Wiese im Herzen der Mecklenburgischen Seenplatte zu tauschen und beim Entstehen des Festivals mit anzupacken – ehrenamtlich, wie alle anderen Mitglieder des Vereins. „Ich muss in der Aufbauwoche mindestens ein Loch gebuddelt haben, sonst ist es kein Immergut“, sagt Sepp und lacht. Sein „Kunz“-Traum – ein eigener Ausstellungsraum, in dem auch Bilder richtig in Szene gesetzt werden können oder Videoinstallationen, das sei nämlich unter freiem Himmel eher schwierig.

Kopfkino für zwei, der Illumat und vieles mehr

Nicht unbedingt leicht, aber eben umsetzbar und sehr spielerisch kommen dagegen die Vorhaben der Künstler daher, die in diesem Jahr das Gelände mitgestalten. „Lukas Adolphi aus Halle baut zum Beispiel eine begehbare Diskokugel, die zum Portal in eine andere Welt wird“, so der „Kunz“-Fachmann. „Wir haben außerdem ein Kopfkino von Annika Bonner aus Frankfurt, das nur zu zweit funktioniert. Und der Illumat, ein Projekt der Bauhaus-Uni Weimar, verwandelt Publikumswünsche für ein paar Münzen in nur wenigen Minuten in Zeichnungen“, zählt Sepp auf.

Bei so viel Spannung, Spaß und Spiel auf den Nebenschauplätzen könnte man fast vergessen, dass das Immergut Festival in diesem Jahr auch noch Bands wie Element of Crime, Erlend Øye & The Rainbows, Trümmer und viele mehr im Programm hat. Aber wie findet Christian Sepp: „Mit Kunst, ist es wie mit guter Musik. Hauptsache ist, man entdeckt sie.“ 

28. Mai, 20 Uhr – Immergut im Großen Haus des Landestheaters Neustrelitz
29./30. Mai – Immergut Festival am Bürgerseeweg in Neustrelitz
Karten und Infos unter: www.immergutrocken.de
Musik-Blog zum Immergut Festival: http://immergut.blog.de/