Konkurrenzlos zum Oscar:

Leonardo DiCaprio brilliert als „The Revenant - Der Rückkehrer"

Leonardo DiCaprio hat schon mehrere vergebliche Anläufe auf den Oscar unternommen. Diesmal könnte es klappen - mit seiner Rolle in „The Revenant".

Leonardo DiCaprio kämpft in seinem neuen Film „The Revenant - Der Rückkehrer" ums nackte Überleben.
20th Century Fox Leonardo DiCaprio kämpft in seinem neuen Film „The Revenant - Der Rückkehrer" ums nackte Überleben.

Leonardo DiCaprio gehört zu den zugkräftigsten Schauspiel-Stars Hollywoods. Er konnte bereits zahlreiche Auszeichnungen einheimsen. Doch der „Oscar" war bisher nicht dabei. Das könnte sich nun dank des Abenteuer-Dramas „The Revenant – Der Rückkehrer" ändern. DiCaprio spielt mit außerordentlichem körperlichen Einsatz und mimischen Können den legendären Trapper Hugh Glass, der von etwa 1783 bis 1833 gelebt haben soll. Bei der kommenden „Oscar"-Verleihung gilt er als Favorit. Zuletzt war der Star 2014 als bester Hauptdarsteller für „The Wolf of Wall Street" nominiert worden, unterlag aber Matthew McConaughey („Dallas Buyers Club"). Dieses Mal erscheint er konkurrenzlos.

Regie geführt hat Alejandro González Iñárritu, der mit seiner Satire „Birdman" 2015 mehrere „Oscar" gewonnen hat. Jetzt bietet er ein nervenzerrendes Drama um Naturgewalten und menschliche Bösartigkeit. Es basiert auf einem von Fakten angeregten Roman um das Leben von Glass: Der Fallensteller und Pelztierjäger startet in den 1820er Jahren eine Erkundung des Missouri River. Unterwegs wird er von einem Grizzlybär lebensgefährlich verletzt. Die Begleiter erweisen sich als falsche Freunde. Sie lassen Hugh Glass hilflos zurück. Das Verlangen nach Vergeltung aber verleiht ihm schier übermenschliche Kraft.

„American Way of Life" basiert auf Habgier und Herrschaftsgelüsten

Zunächst sieht der Film aus wie ein Western. Doch schon bald ist klar, dass keine der von der Traumfabrik über die Jahrzehnte gepflegten Klischees von der Weite der Prärie oder dem Mut tapferer Siedler im Kampf für das Gute und Schöne bedient wird. Schonungslos zeigt der aus Mexiko stammende Alejandro González Iñárritu, worauf der viel gepriesene „American Way of Life" basiert: auf Habgier und Herrschaftsgelüsten.

Leonardo DiCaprio entspricht dem gesellschaftskritischen Gestus der Geschichte mit einer schonungslosen Interpretation der Hauptfigur. Wirkt Hugh Glass zunächst wie ein toller Typ aus dem Wilden Westen, wird schnell klar: dieser Mann will nur Macht, Ruhm und Geld. Wenn ihn schließlich vor allem anderen die Sehnsucht nach Rache am Leben erhält, erweist er sich als nicht weniger gefährlich denn jede Bestie auf vier Beinen.

DiCaprio mit nacktem Überlebenskampf

Kälte und Hunger bedrängen den Abenteurer. Und dazu die Nachtgestalten, die ihn heimsuchen. Leonardo DiCaprio zeigt die äußere wie die innere Not des Getriebenen fast wortlos. Er porträtiert konturenscharf eine auf sich selbst zurückgeworfene Kreatur im nackten Überlebenskampf. Das hätte kitschig werden können. Doch DiCaprio agiert fern von Sentimentalität. Er zeigt die Fratze des Bösen, ohne dass er dem von ihm verkörperten Mann durch grobes Grimassieren oder Gestikulieren das Gesicht, also die Individualität, nimmt.

Das wuchtige und dabei facettenreiche Spiel von Leonardo DiCaprio, die ansonsten schnörkellose Inszenierung sowie der gedankliche und visuelle Reichtum des Films lassen einen jedoch darüber hinwegsehen.

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