Vorpommerns gefährlichste Band:

Lieder mit Punkrock – so dreckig wie Treckerreifen im Matsch

Feine Sahne Fischfilet sind berüchtigt in Stadt und Land. Ihr neues Album hat es wieder in sich.

Jungs von hier: Feine Sahne Fischfilet. Die Band feiert die Veröffentlichung ihres neuen Albums am 24. Januar mit einem Aktionstag gegen Rechts auf der Burg Klempenow.
© owieole Jungs von hier: Feine Sahne Fischfilet. Die Band feiert die Veröffentlichung ihres neuen Albums am 24. Januar mit einem Aktionstag gegen Rechts auf der Burg Klempenow.

Punkrock und Mecklenburg-Vorpommern ist seit Feine Sahne Fischfilet eine Kombination, die für Furore sorgt – bundesweit und mit feinstem mecklenburgischen Akzent. Die einen nennen sie Vorpommerns gefährlichste Band, für die anderen sind sie das, was dem Land gefehlt hat: Echte Jungs vom Dörp mit Meinung und Herz. Authentische Typen, die in die Welt hinaus schreien, wie es wirklich ist. Künstler, mit denen man in der Nacht
gegen das Übel auf der Welt anfeiert und am nächsten Tag auf der Straße demonstriert.

Ihre Heimat haben sie nicht vergessen

Seit Monchi, Olaf, Christoph, Kai, Köbi und Max beim Hamburger Plattenlabel Audiolith unter Vertrag sind, geht es für die bekennenden Antifaschisten erst richtig ab. Ausverkaufte Konzerte, Auftritte bei den größten Festivals des Landes wie dem „Rock am Ring“ und Alben, die längst nicht mehr in den Kinderzimmern in Jarmen oder Loitz, sondern in richtigen Studios aufgenommen werden. Nun erscheint mit „Gehen oder bleiben“ ihre mittlerweile fünfte Platte. Ein Ereignis, das Feine Sahne Fischfilet traditionell in ihrer Heimat feiern, denn um die geht es ihnen auch in den zwölf neuen Songs.

Erneute Erwähnung im Verfassungsschutzbericht ist schon fast sicher

Lieder mit Punkrock, so dreckig wie Treckerreifen an einem matschigen Tag, mit wütenden Texten, klar und einschlagend wie härtester Mecklenburger Weizenkorn, garniert mit Ska-Trompeten, die tanzbaren Gegenwind blasen. Inhaltlich ist drin, was draufsteht: Gedanken über das Gehen oder Bleiben, mit denen sie einigen Mecklenburgern fernab der Rente aus den Herzen sprechen dürften. In der Nestflucht-Hymne „Für diese eine Nacht“ werden mangelnde Perspektiven, wegziehende Freunde, ländliche Tristesse und Zweifel zumindest im Refrain für eine Nacht einfach grölend und feiernd im Keim erstickt. Mit Songs wie „Wut“ oder „Nur Applaus“ bekommen abermals Staat und Polizei ihr Fett weg.

Damit haben Feine Sahne Fischfilet wieder gute Chancen auf ein paar Zeilen im Verfassungsschutzbericht. Dreimal wurde die Band bisher im Bericht der Schlapphüte bedacht. Und auch wenn sie gegen die Erwähnung unter anderem als „linksextremistischen Personenzusammenschluss“ klagte –
den Plattenverkäufen hat es nie geschadet.

Sie stehen dazu, keine Heiligen zu sein

Bei nicht zu leugnenden Hits wie „Lass uns gehen“ oder „Ich glaube dir“ ist auch diesmal nicht von Misserfolg auszugehen. Mit „48 Knoten“ hat sich sogar ein Liebeslied auf die Platte verirrt und auch ruhigere Nummern sind im Repertoire. Was Feine Sahne Fischfilet unter anderem mit der tieftraurigen Ballade „Warten auf das Meer“ beweisen. Dass sie „Bleiben oder gehen“ mit dem eher hoffnungslosen „Am Ende“ abschließen, lässt tief blicken. Raum für Spekulationen lassen die sechs Musiker selten. Durch die Blume ist einfach nicht ihr Ding. Eine willkommene Abwechslung im sonst eher unverbindlichen Rock- und Popgeschäft.

„Bleiben und gehen“, das sind Melodien und Texte, die wach machen, von Männern, die keine Heiligen sind und an vielem zweifeln. Und die noch nicht bereit sind, sich in Hamburg oder Berlin
bequem einzurichten und ihre Heimat und Freunde aufzugeben.

„Bleiben oder gehen“

(VÖ: 23.1.2015) Feine Sahne
Fischfilet, Audiolith

www.feinesahnefischfilet.de

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