Kino-Kritiken:

"London Has Fallen": Actionepos trifft kritische Untertöne

Terroristen greifen London an, aber zum Glück gibt es den kantigen Gerard Butler, der als Präsidenten-Leibwächter den Kampf aufnimmt. Actionreiches Terrordrama, das neben viel Krawall auch einige unbequeme Fragen stellt.

Bei Gerard Butler haben die Terroristen nichts zu Lachen.
Universum Film Bei Gerard Butler haben die Terroristen nichts zu Lachen.

Das Weiße Haus, Herzstück der amerikanischen Demokratie, muss aus Sicht von Hollywood immer wieder einmal gründlich in Schutt und Asche gelegt werden. Diesmal ist es allerdings der britische Westminster Palast, der in "London Has Fallen" von Bomben bedroht ist.

Schon vor drei Jahren zerlegten Terroristen in Antoine Fuquas "Olympus Has Fallen" den Amtssitz des amerikanischen Präsidenten. Jetzt bringt das gleiche Produzenteam mit "London Has Fallen" eine durchaus sehenswerte, mitunter brachiale Neuauflage des Terrordramas in die Kinos. In dem atemlosen Actionknaller ist der Kampfplatz in die britische Hauptstadt verlegt worden, die Hauptdarsteller sind die gleichen geblieben, und auch diesmal dröhnt es wieder reichlich patriotisch von der Leinwand.

Nach Anschlägen bleibt keine Zeit für Moral

Gerard Butler spielt erneut den Leibwächter Mike Benning, der seinen eher feingeistigen Präsidenten Benjamin Asher (Aaron Eckhart) auf Schritt und Tritt begleitet. Als der englische Premierminister unerwartet stirbt, treffen sich in London die Staatschefs der Welt. Es kommt zum tödlichen Szenario, als Hunderte Terroristen ein höllisches Inferno entfesseln.

Ein wenig mulmig wird es einem als Zuschauer schon angesichts der realen Terroranschläge der vergangenen Jahre, wenn auf der Leinwand permanent Autos explodieren und Passanten umherfliegen. Aber die Verfolgungsjagden und Schießereien folgen brav der Dramaturgie des Actionsfilms. Dabei fungiert der US-Präsident als moralische Instanz, während sein Leibwächter Benning der Mann fürs Grobe ist, der verletzten Terroristen auch mal den Todestoß gibt - kein schöner Job, aber einer muss ihn machen.

Film kritisiert Waffenexporte

Andererseits gibt sich "London Has Fallen" auch differenziert: Ganz zu Beginn wird ein verheerender amerikanischer Drohnenangriff auf eine pakistanische Hochzeitsgesellschaft gezeigt, die als Initialzündung für den Terror-Wahn des Oberschurken Barkawi fungiert. Und auch die glänzenden Geschäfte westlicher Waffenexporteure werden angeprangert.

Für solche Subtilitäten hat Mitproduzent Gerard Butler ("300") keine Zeit. Der unkaputtbare Typ nimmt es mit allen Terroristen der Welt auf, und manchmal ist auch noch Zeit für einen kleinen Scherz. Die Welt retten kann verdammt stressig werden, am Ende steht der bissige Leibwächter lammfromm und sichtlich erschöpft an der Wiege seiner neugeborenen Tochter.

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