Interview mit Regisseur Fabian von Matt:

Manchmal ist das Leben wie eine Schneekugel

Eine namenlose Frau und ein Telefon – viel mehr hat Regisseur Fabian von Matt nicht zur Verfügung. Das Stück „Die menschliche Stimme/Die Frau von Monte-Carlo“ hat am Sonnabend in Neubrandenburg Premiere. Anja Rau sprach mit dem Regisseur.

Sängerin Yvonne Friedli im Austausch mit Regisseur Fabian von Matt während der Proben.
Jörg Metzner Sängerin Yvonne Friedli im Austausch mit Regisseur Fabian von Matt während der Proben.

Herr von Matt, Sie sind in Brasilien geboren und in Argentinien aufgewachsen. Ist es nicht eine große Umstellung, jetzt in Neubrandenburg zu arbeiten?

Nein, es ist sehr angenehm. Ich habe mich aber langsam herangetastet. Aufgewachsen bin ich in Buenos Aires, von dort sind meine Eltern aufgrund der Wirtschaftskrise 2003 nach Barcelona gezogen. Ich habe dann geschaut, wo ich Regie studieren kann und bin nach Wien gegangen. Anschließend habe ich in Frankfurt gearbeitet und wohne mittlerweile seit drei Jahren in Lübeck. Jetzt bin ich erstmals in Neubrandenburg.

Ihr Name klingt nicht sonderlich südamerikanisch. Haben Sie deutschsprachige Wurzeln?

Ja, meine Großeltern sind nach Argentinien ausgewandert. Meine Eltern sind dort aufgewachsen, haben aber immer Deutsch gesprochen. Ich war immer auf deutschen Schulen. Jetzt bin ich zurück und fühle mich wohl in Deutschland.

Was hat Sie an dem Werk von Poulenc besonders gereizt?

Mich haben beide Werke vom Inhalt her sehr angezogen und die Herausforderung einen Abend mit einem roten Faden zu gestalten. Bis jetzt hatte ich noch nicht – weder als Regisseur noch als Regieassistent – mit Poulenc oder Cocteau zutun. Das war natürlich ein besonderer zusätzlicher Anreiz. Ein weiterer Beweis für das Großartige dieses Werkes ist die Tatsache, dass die meisten großen Sängerinnen „Die menschliche Stimme“ auch mal gesungen haben.

Worum geht es in den beiden Stücken?

Bei der menschlichen Stimme geht um eine Frau, der es schwer fällt, ihre gescheiterte Beziehung als gescheitert zu akzeptieren. Meist wird „Die menschliche Stimme“ mit „Das Telefon“ von Menotti verbunden, wir wollten etwas anderes machen. Bei der Frau in Monte-Carlo handelt es um eine Frau, deren Leben am Abgrund steht, sich aber entscheidet noch vorher das Casino zu besuchen. Jeder wird mal aus dem Gleichgewicht geschleudert. Ich vergleiche es gerne mit einer Schneekugel, die man so schüttelt, dass der Inhalt aufgewirbelt wird. Einige finden ein neues Gleichgewicht ziemlich schnell. Bei anderen dauert es länger bis sich der Schnee wieder legt.

 

Über das Theaterstück

Die lyrische Tragödie „Die menschliche Stimme“ und der Monolog „Die Frau von Monte-Carlo“ werden zu einem Stück verwoben. Beide Werke stammen vom Komponisten Francis Poulenc und dem Schriftsteller Jean Cocteau. Der aufwühlende Monolog der Frau (Yvonne Friedli) wird nur mit einer Klavierbegleitung (Emiliano Greizerstein) zu erleben sein, die die Intimität noch unterstreicht.

Premiere in Neubrandenburg ist am 12. Oktober um 19:30 Uhr im Schauspielhaus. Im Landestheater Neustrelitz findet die erste Vorstellung am 18. Oktober um 19:30 Uhr statt.

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