Eine Diva auf Neubrandenburgs Bühne:

Marlene in Perfektion und Verzweiflung

Sie gilt bis heute als einer der wenigen wirklichen Weltstars aus Deutschland. Doch wie sah es hinter der strahlenden Maske von Marlene Dietrich aus? Im Neubrandenburger Schauspielhaus wird sie etwas gelüftet.

Die Perücke bildet für Karoline-Anni Reingraber den Höhepunkt beim Probeschminken mit Maskenbildnerin Julia Petz.
Matthias Diekhoff Die Perücke bildet für Karoline-Anni Reingraber den Höhepunkt beim Probeschminken mit Maskenbildnerin Julia Petz.

Eigentlich wollte Karoline-Anni Reingraber Archäologin werden. Dann aber nahm ihre Mutter sie mit zu einem Edith-Piaf-Abend nach Rostock – und schon war sie von der Schauspielerei „infiziert“ und wollte fortan nichts anderes mehr tun. In dem Schauspiel „Marlene“ kann sie jedoch beide Leidenschaften miteinander verbinden. Zum einen schlüpft sie in die Rolle der großen Diva Marlene Dietrich und zum anderen gräbt sie auch in deren Seele.

Sie hat viele Bücher gelesen, um hinter die Maske der Kunstfigur Marlene zu blicken und sie hat sich vor den eigentlichen Proben zum Schminken in die Maske des Anklamer Theaters gesetzt. Vielleicht nicht unbedingt, um etwas mehr Marlene zu sein, aber doch „um etwas weniger Karoline-Anni Reingraber zu sein“, wie die Schauspielerin zugibt.

Über Bücher und Videos der Diva auf der Spur

Privat schminke sie sich so gut wie gar nicht, für ihre aktuelle Rolle könne es jedoch nicht genug sein, inklusive falscher Wimpern und blonder Perücke. Und ihr Privatleben sei ihr auch viel zu wichtig, um es für die Karriere zu opfern, so wie es die Dietrich tat. Die Kompromisslosigkeit aber, mit der sie die Kunstfigur lebte und der sie alles unterordnete, an der jede Geste, jeder Blick, fast jedes Wort einstudiert war, findet Karoline-Anni Reingraber „beeindruckend“. Das ist es allerdings auch, was ihr im Stück kaum Möglichkeiten zur Interpretation lässt, weil alles schon von Marlene vorgegeben ist. Wie das aussah, hat die junge Schauspielerin, Jahrgang 1984, Bildbänden entnommen und sich auch in Videos angesehen.

Das Stück zeigt die Dietrich vor einem ihrer Konzerte in Berlin, nachdem sie Deutschland für lange Zeit den Rücken gekehrt hatte. Sie ist ein internationaler Star und schon zu Lebzeiten ein Mythos. Ein Heimspiel wird der Auftritt aber nicht. Das Publikum zeigt ihr die kalte Schulter, der Saal ist nicht einmal ausverkauft. Die Sängerin leidet darunter, gibt sich herrisch, panisch, ängstlich – auch gegenüber denen, die sie bewundern. Dann tritt sie auf die Bühne und alles ist Perfektion. Um diese zwei gegensätzlichen Seiten der Künstlerin so deutlich zu zeigen, gibt es zwischen den beiden Elementen des Stücks keine Pause, erklärt Karoline-Anni Reingraber.

Die Schauspielerin hat das Stück bereits im vergangenen Jahr über 30 Mal gezeigt, unter anderem im Heringsdorfer Theaterzelt. Und jetzt, wo es wieder neu aufgenommen wird, ist sie erstaunt darüber, wie viel sich bei ihr „eingebrannt“ hat. Nicht nur, was die Texte, Gesten und Bewegungen angeht, sondern auch, was die Nervosität allein schon beim Probeschminken betrifft.

Das traurige Ende einer großen Liebe

Gespannt ist sie nun auf das Neubrandenburger Schauspielhaus, wie es sich anfühlen wird, dort zu spielen. Wie das Publikum reagieren wird, das dort weiter weg sitzt, als im Zelt, also auf Distanz ist, so wie es der „richtigen Dietrich“ wohl auch gefallen hätte.

Obwohl die eigentlich gar nicht so kühl und distanziert gewesen sein kann, vermutet Karoline-Anni Reingraber. Durch ihre Gedichte schimmere neben Intelligenz nämlich auch viel Gefühl, hat die Schauspielerin festgestellt. Und dann ist da auch noch die vielleicht größte ihrer Gesten: Als sie sich Anfang der 60er-Jahre entschloss, ständig in Paris zu leben, suchte sich Marlene Dietrich eine Wohnung in der Avenue Montaigne, direkt gegenüber vom Hotel Plaza Athénéé. Hier hatte sie nach der Befreiung von Paris oft mit dem Schauspieler Jean Gabin gewohnt, mit dem sie zwischen 1941 und 1948 zusammen war. Der bodenständige Franzose galt stets als der ideale Mann für die schrille Preußin. Auch nachdem er sich von ihr getrennt hatte, wegen ihrer Weigerung, mit ihm Kälber zu züchten.

„Marlene“, Schauspiel von Pam Gems und Volker Kühn, Premiere im Neubrandenburger Schauspielhaus am Freitag, 21. November, um 19.30 Uhr.

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