Eine Nacht in Berlin:

Max Raabe wie eh und je

Mit „Eine Nacht in Berlin“ erfindet sich Max Raabe nicht neu. Viel mehr widmet er sich bekannten Songs noch einmal intensiv. Auch eine alte Bekannte taucht auf der CD wieder auf.

Chansonnier Max Raabe mischt die berühmte Berliner Lässigkeit mit Musik aus den 20er Jahren. Foto: Deutsche Grammophon
Deutsche Grammophon Chansonnier Max Raabe mischt die berühmte Berliner Lässigkeit mit Musik aus den 20er Jahren. Foto: Deutsche Grammophon

Keiner fährt so elegant mit dem Rad durch Berlin wie Max Raabe. Im schwarzen Frack mit Fliege und Einstecktuch sitzt er auf seinem Fahrrad – die Frisur mit reichlich Pomade fixiert – und radelt vorbei an sämtlichen Berliner Sehenswürdigkeiten. Zu bestaunen sind diese Szenen auf Raabes neuer Konzert-DVD „Eine Nacht in Berlin“, hauptsächlich aufgenommen im Berliner Admiralspalast. Den puren Gesang gibt es auf der dazugehörigen CD zu hören.

Die berühmte Berliner Lässigkeit demonstriert wohl keiner so gut wie der 51 Jahre alte Chansonnier. Als „Mittler zwischen den Welten, der den Glamour der 20er Jahre in die Jetztzeit transportiert“, wie es das Album-Booklet verspricht, betritt er unaufgeregt die Bühne. Das Palast Orchester spielt die ersten Takte, das Publikum klatscht, Raabe tritt ans Retro-Mikrofon und singt: „Ich bin nur gut, wenn keiner guckt.“

Mit seiner neuen CD erfindet sich der gebürtige Westfale nicht neu. Der Sänger („Kein Schwein ruft mich an“) setzt auf Klassisches im gewohnt tadellosen Vortragsstil, interpretiert alte Songs neu mit seinem großen Orchester. Raabe spricht von einer musikalischen Momentaufnahme der letzten Programme. „Nicht nur Musik zum Hören, sondern auch Musik zum Gucken“ sei das Ziel gewesen, so formuliert es der langjährige Wahlberliner. Die Detailfreude, mit der Raabe und sein Team am Werk waren, beschert einige Überraschungsmomente: Da blasen die Trompeter auf der Bühne dumpfe Klänge in eine Badewanne voller Wasser und auch Herr Grün, die Frosch-Handpuppe aus dem Video zu „Küssen kann man nicht alleine“, huscht durchs Bühnenbild. Raabes unterkühlter, staubtrockener Vortrag, gepaart mit seiner leisen Ironie, kommt dabei nicht zu kurz.

Raabe setzt wieder auf deutsche Schlager und Chansons

Höhepunkt der CD ist für viele Fans „Du passt auf mich auf“, das vorerst letzte veröffentliche Stück aus der Co-Produktion mit Annette Humpe. Bereits bei den Live-Aufnahmen im Mai habe das Ensemble gesehen, wie das Publikum auf den Sitzen mitschwang. Bei den Konzerten habe sich das Lied dann immer mehr zum Hit entwickelt. Die 54-jährige Humpe hat Raabe bereits mit den vergangenen beiden Pop-Alben zwei große Erfolge beschert. Selbst in der New Yorker Carnegie Hall kennt man den schlaksig-schlanken Raabe inzwischen.

Neben den Erfolgsstücken, die Raabe mit Humpe geschrieben hat, sind auch die deutschsprachigen Schlager und Chansons der 20er und 30er Jahre eingearbeitet. Das widerspreche sich keinesfalls, sagt der staatlich geprüfte Opernbariton: „Es ist verblüffend zu sehen, wie wunderbar das alte Repertoire mit den neuen Stücken zusammenpasst. Das ist eine Einheit.“ Eine Einheit wie Raabe und Humpe beim Schreiben von Erfolgssongs.