Zum Äußersten getrieben:

Michael Kohlhaas

Im August erzählte die schöne deutsche Komödie „Kohlhaas oder Die Verhältnismäßigkeit der Mittel“ von einem grandios gescheiterten Versuch, Heinrich von Kleists Werk „Michael Kohlhaas“ auf die große Leinwand zu bringen. Nun kann der Kinozuschauer Zeuge werden, wie eine rundum gelungene Adaption des tragischen Stoffes aussehen kann.

Mads Mikkelsen als Michael Kohlhaas.
Polyband Mads Mikkelsen als Michael Kohlhaas.

Den Pferdehändler Michael Kohlhaas (Mads Mikkelsen) und den Gouverneur (Bruno Ganz) verbindet ein herzliches, beinahe freundschaftliches Verhältnis. Am Ende der Geschichte, da verrät man nicht zu viel, wird der Kommandant den prinzipientreuen Mann zur Hinrichtung führen. Und seine Augen werden verraten, dass ihm dabei das Herz bricht. Dieser „Michael Kohlhaas“ ist ein Film der kleinen Blicke und Gesten, auf die es zu achten gilt, kein poppiger „Braveheart“-Verschnitt. Das schicksalhafte Geschehen nimmt einmal mehr seinen Lauf, als die Erfüllungsgehilfen des neuen Barons von Kohlhaas plötzlich einen Passierschein für seinen angestammten Handelsweg verlangen. Bei seiner Rückkehr findet er die beiden als Pfand zurückgelassenen Rappen und den zur Aufsicht abgestellten Knecht in einem schwer misshandelten Zustand vor. Eine Klage von Kohlhaas wird abgewiesen und seine Frau wird von den Schergen der Hofschranzen getötet. Ob dieser himmelschreienden Ungerechtigkeiten sieht der unbescholtene Mann rot. Wo die Justiz versagt hat, legt er nun selbst Hand an.

Explizite Gewaltdarstellung ist nicht die Sache von Regisseur Arnaud des Pallières. Er überlässt das Blut der Fantasie des Zuschauers, wenn er Hundeangriffe nur akustisch in Szene setzt oder Schlachtengetümmel aus großer Ferne zeigt. Auch Kohlhaas´ Ende wird mit großer Sensibilität zelebriert. An der emotionalen Wucht der Bilder ändert das nichts. Des Pallières Vision von Kleist ist angemessen düster und spröde. Die Dialoge beschränken sich auf ein Mindestmaß, die spärlich instrumentierte Filmmusik erweist sich als sehr effizient. Das große As im Ärmel des Filmemachers ist Schauspieler Mads Mikkelsen („Die Jagd“), der das Publikum mit dezentem Spiel und großem Charisma mitreißt. Das ganze Ensemble setzt sich aus prächtigen Charaktergesichtern zusammen, die im 16. Jahrhundert keine Aufmerksamkeit erregt hätten. Von zeitloser Brisanz ist das Thema ohnehin. Auch heute fühlen sich wieder viele Menschen hilflos der Willkür der Oberen ausgesetzt und um ihr Lebensglück betrogen. Schön, dass wir statt der Armbrust den Stimmzettel zücken können.   

Wertung:
Anspruch: 4
Spannung: 3
Action: 3
Humor: 0
Erotik: 1

Verleih: Polyband     
Bundesstart: 12. September 2013
Genre: Drama

Mehr Infos unter: www.michaelkohlhaas-derfilm.de

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung