Theaterkritik:

Mit den Italo-Männern geht das Temperament durch

Lautes Getöse auf der Bühne dient nicht immer zur Verdeutlichung von Charakteren und Handlungen, sondern kann auch viele Zwischentöne kaputtmachen. Das zeigt das Theaterstück „Krach in Chiozza“ in der Zinnowitzer Blechbüchse.

Zwischen den italienischen Machomännern geht‘s drunter und drüber: Titta Nane (Maximilian Heckmann), Richter Isidoro (Sven Jenkel), Beppo (Martin Puhl), Toffolo (Daniel Elias Böhm) und Padron Vicenzo (Andreas Zimmerling, von links). Foto: Theater
             
Zwischen den italienischen Machomännern geht‘s drunter und drüber: Titta Nane (Maximilian Heckmann), Richter Isidoro (Sven Jenkel), Beppo (Martin Puhl), Toffolo (Daniel Elias Böhm) und Padron Vicenzo (Andreas Zimmerling, von links). Foto: Theater  

Ohne in die Klischeekiste zu greifen: Italiener besitzen nun mal eine gewisse Impulsivität, handeln oft spontan, lassen sich von ihren Gefühlen leiten und in ihrer Ausdrucksweise liegt durch die hart klingende Sprache ab und an eine herrische Art. Eigentlich haben Italiener aber ein großes Herz und „la famiglia“ steht über allem. Diesen Menschenschlag allein mit nicht-italienischen Schauspielern herauszuarbeiten, stellt eine große Herausforderung dar. Zumal die Komödie „Krach in Chiozza“, die am Samstagabend in der Blechbüchse in Zinnowitz Premiere feierte, ausschließlich in einem kleinen Ort bei Venedig spielt. Also alles umgibt das typische Flair des Stiefelstaates.

Regisseur Dirk Löschner entschied sich, diese Charakterzüge durch schreien, zanken, kämpfen, kreischen, durcheinander reden, grobschlächtige Frauen, ja fast schon Mannsweiber und durch resolute Machos herauszuarbeiten. Es knallen Türen. Es fliegen Schwimmflügelchen durch die Luft. Die Darsteller kämpfen mit Styroporschlangen. Der Griff zum Taschenmesser ist fast so normal wie der Faustschlag direkt ins Gesicht. Keine Frage, es geht heiß her auf der Bühne. Die Schauspieler zeigen, was sie drauf haben. Ihre Stimmbänder belastbar bis zum Geht-nicht-mehr.

Diese Szenerie mag einerseits mehr Klischee sein als der italienische Dichter Carlo Goldoni im Jahr 1761 in sein Stück packte. Andererseits lärmt das alles über eine Strecke von zwei Stunden zu sehr. Im Geschrei gehen die Zwischentöne unter, werden manche Textpassagen unverständlich.

Die 13-jährige Vanessa Peters aus Heringsdorf möchte am liebsten in der Pause gehen. „Mir ist das alles zu sehr durcheinander“, meint die junge Zuschauerin. Ihre Mutter Jurgita stimmt der Tochter zu: „Viel zu laut“ sagt sie und ergänzt, dass ihr etwa die Komödie „Pension Schöller“ viel, viel besser gefallen und mehr Lacher hervorgerufen habe.

„Krach in Chiozza“ besitzt viele Titel. Ab und an steht die Produktion auch als „Viel Lärm in Chiozza“, „Streit in Chiozza“, „Liebeshändel in Chiozza“ auf den Spielplänen deutscher Theater. Diese Vielzahl an Titeln macht deutlich, dass dieses Stück etliche Facetten besitzt, mehr ist als nur lauter Streit und ab und an eine zugegebenermaßen lustige Pointe.

Weitere Vorstellungen: 26.9.; 1., 2., 5., 18., 20., 22.10.; 16., 17.11.; 13., 14., 27.12. an verschiedenen Spielorten. Infos im Internet unter: www.vorpommersche-landesbuehne.de

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