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Moderne Gemälde bezirzen Besucher von altem Gut

Kann zeitgenössische Kunst auch auf dem Dorf funktionieren? Till Richter meint: Selbstverständlich. Im Schloss Buggenhagen am Peenestom zeigt er derzeit Bilder seiner eigenen Sammlung.

Ein Mann, eine Vision: Museumsdirektor Till Richter vor einem Gemälde des spanischen Künstlers Gregorio Iglesias Mayo.
Matthias Diekhoff Ein Mann, eine Vision: Museumsdirektor Till Richter vor einem Gemälde des spanischen Künstlers Gregorio Iglesias Mayo.

„Setzen Sie sich bitte hier hin, dann müssen Sie  nicht immer auf den Hund starren.“ Till Richter ist ein fürsorglicher Gastgeber. Er weiß, dass der Hund einigen Menschen Angst macht. Denn er ist geschunden und voller roter Farbe. Und er ist auf einem Gemälde des spanischen Künstlers Gregorio Iglesias Mayo. Das Bild wiederum gehört zur Sammlung aufstrebender, junger Künstler von Till Richter, die derzeit in der Form zum ersten Mal in Deutschland zu sehen ist. Und das in Buggenhagen, einem kleinen Dorf in der Nähe von Lassan am Peenestrom.

Kunst aus der weiten Welt im vorpommerschen Hinterland ist kein Widerspruch in sich, wenn man in den Dimensionen von Till Richter denkt. In einem Radius von 200 Kilometern um Buggenhagen herum sieht er rund vier Millionen potenzielle Besucher, wenn das Museum attraktiv genug ist. Und davon geht der Kunsthistoriker aus.

Richter studierte in Frankreich und den USA

Er sagt, dass sein Museum von der Ausstellungsfläche her das größte für internationale zeitgenössische Kunst in Mecklenburg-Vorpommern ist. Das klingt erst mal beeindruckend, fast einschüchternd. Er sagt aber auch, dass jeder willkommen ist, der auch nur irgendein Interesse an Kunst hat. Wie zur Bestätigung fährt ein Postauto vor, dessen Fahrer Till Richter mit einem gut gelaunten „Moin Moin“ begrüßt.

Nach Vorpommern gekommen ist der Mann, der in Paris und Austin, Texas, studiert hat, bei der Suche nach einem repräsentativen Gebäude im Umland von Berlin. Gefunden hat er das Schloss in Buggenhagen, das bis vor ein paar Jahren noch ein Hotel war. Vor einem knappen Jahr zog er ein, auf seinem Handy hat er noch ein Foto, das seinen ersten Unterschlupf zeigt, eingerichtet mit Luftmatratze, Laptop und Drucker. Inzwischen wurde im Schloss renoviert und sein Besitzer ist mit Hauptwohnsitz in Buggenhagen gemeldet.

Die Kunst muss anders sein – aber nicht zu sehr

Langweilig wird ihm dort vorerst nicht werden. Zu renovieren gibt es noch genug, neue Ausstellungen müssen organisiert und das Marketing angeschoben werden. Schließlich soll sich das Museum langfristig selbst tragen. Nur leider wird Till Richter dann vermutlich nicht mehr so viel Zeit haben, Besucher selbst durch die Ausstellung zu führen und zu hören, was die Leute denken. Denn das sei es schließlich, was richtig gute Kunst ausmacht, erklärt der Kunsthistoriker: Je mehr ein Kunstwerk die Menschen berührt und je mehr Menschen es bewegt, um so besser sei es – auch finanziell.

Neben der emotionalen und intellektuellen Verbindung, die der Betrachter zum Kunstwerk aufbaut, spielt auch noch das eine Rolle, was Till Richter „Wechsel“ nennt. Die Kunst muss anders sein, als das, was es bisher gab. Sie darf aber auch nicht so anders sein, dass man keinen Bezug mehr zu ihr herstellen kann.

Allerdings muss man das alles auch gar nicht wissen, um sich die Ausstellung „Neues Sehen“ im Buggenhagener Schloss anzuschauen oder besser noch erklären zu lassen. Denn zu sehen gibt es tatsächlich mehr und Anderes als man denkt. Und um den „Hund“ kann man ja erst mal einen Bogen machen. 

Die Ausstellung ist von Donnerstag bis Sonntag, 11 bis 18 Uhr, geöffnet.

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