Digedags statt Micky Maus:

Museum zeigt die vielen Facetten der DDR-Comics

Schon der Begriff „Comic“ galt in der DDR als anrüchig, entziehen konnten sich die Kulturverantwortlichen dem Medium dennoch nicht. So entstanden abgeschottet von West-Comics à la Micky Maus und Superman eigene „Bildgeschichten“.

Atomino, Otto und Alwin, Fax und Dra-Dra (von links) kennen viele noch als die Helden ihrer Jugend. Kurator Matthias Wagner führt im Stadtmuseum Gera durch alle Register der Bildgeschichten.
Martin Schutt Atomino, Otto und Alwin, Fax und Dra-Dra (von links) kennen viele noch als die Helden ihrer Jugend. Kurator Matthias Wagner führt im Stadtmuseum Gera durch alle Register der Bildgeschichten.

Offiziell waren Comics in der DDR oft nur gelitten. Doch in der Bevölkerung standen die Abenteuer der Digedags, Abrafaxe und der Mäuse Fix und Fax hoch im Kurs. So bedienten sich neben den Comic-Magazinen „Mosaik“ und „Atze“ auch andere Zeitschriften solcher „Bildgeschichten“. Oft ging es darin allerdings ideologisch zu mit Sujets rund um die Oktoberrevolution, dem Kampf der Partisanen oder dem Aufbau des Sozialismus. Die vielen Facetten des DDR-Comics, von dem nur das „Mosaik“ überdauert hat, zeigt das Stadtmuseum Gera.

Einen ersten Schub habe der Comic in der DDR Mitte der 1950er Jahre erhalten, erläutert der Historiker und Comic-Forscher Michael Scholz. „Unter dem Eindruck der West-Comics entstand damals in der DDR die Idee: Wir müssen etwas Eigenes machen, was wir dem ‚West-Schund‘ entgegensetzen können.“

Nach dem Aufstand in Ungarn 1956 sei die Offenheit vorerst vorbei gewesen – zwar erschienen „Mosaik“ und „Atze“ weiter, doch in vielen anderen Magazinen wurde erst einmal auf Comics verzichtet, wie Scholz berichtet. Zudem erhielt das sonst als unpolitisch geltende „Mosaik“ zeitweise Beilagen, in denen etwa aus dem Pionierleben erzählt wurde; in der „Atze“ wurde ein Polit-Comic je Ausgabe fest etabliert. Erst ab Ende der 60er Jahre wurde der Comic wieder breiter forciert – auch um die Bürger politisch zu beeinflussen.

Besucher erleben eine Reise in die eigene Jugend

„Diese zeichnerisch und sprachlich modern erzählten Geschichten setzen starke Akzente hin zu einer eigenen Comic-Kultur in der DDR“, sagt der Kurator der Geraer Ausstellung, Matthias Wagner. Sprechblasen wie in den bekannten westlichen Micky Maus- oder Asterix-Heften sucht man in den DDR-“Bildgeschichten“ oft vergebens. Die waren laut Scholz verpönt. Aushängeschild des DDR-Comics blieb aber über all die Jahre das „Mosaik“. Deren Helden – die Digedags – wurden 1975 nach dem Ausscheiden von Hannes Hegen von den Abrafaxen abgelöst.

So ist diesem Magazin in Gera auch rund ein Drittel der Ausstellung gewidmet. Im Stadtmuseum werden rund 300  Exponate zu 90  verschiedenen Comic-Serien gezeigt – alles Originale etwa von Sammlern und aus dem eigenen Bestand, betont Wagner. „Wir wollen damit die Vielfalt des DDR-Comics vorstellen. Für viele Besucher dürfte es eine Reise in die eigene Kindheit werden.“

Die Schau steht ab dem 6. August regulär allen Besuchern bis Mitte Februar offen. Öffnungszeiten: Mittwoch bis Sonntag und an Feiertagen von 12 bis 17 Uhr. Eintritt: 5 Euro, ermäßigt 3,00 Euro. Anschrift: Stadtmuseum, Museumsplatz 1, 07545 Gera.

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