Fund in München:

Mysteriöser Kunstschatz birgt noch viele Geheimnisse

Der sensationelle Kunstfund in München erregt die Gemüter weit über ­Deutschland hinaus und wirft brisante Fragen auf: Welche Stücke wurden von den Nazis geraubt, wem gehören sie – und wie gehen die Behörden mit dem sensiblen Thema um?

Diese Werke wurden unter anderem gefunden (von links im Uhrzeigersinn): ein Selbstporträt von Otto Dix, eine Zeichnung von Carl Spitzweg, „Allegorische Szene“ von Marc Chagall, eine Arbeit von Antonio Canaletto und „Pferde in Landschaft“ von Franz Marc.
             
Marc Müller Diese Werke wurden unter anderem gefunden (von links im Uhrzeigersinn): ein Selbstporträt von Otto Dix, eine Zeichnung von Carl Spitzweg, „Allegorische Szene“ von Marc Chagall, eine Arbeit von Antonio Canaletto und „Pferde in Landschaft“ von Franz Marc.  

­Augsburg. Diese Bilder sind für die Kunstgeschichte von unschätzbarem Wert: das Selbstporträt von Otto Dix etwa, das den Avantgarde-Maler lässig mit Zigarre zeigt. Ein bislang unbekanntes Werk von 1919, wie die Kunstexpertin Meike Hoffmann am Dienstag erklärte. Solche überraschenden Schätze gibt es einige in der heimlichen Sammlung von Cornelius Gurlitt, deren Entdeckung die Gemüter bewegt.

Bei einer Zugfahrt durch Schwaben waren Münchner Zollfahnder auf Gurlitt aufmerksam geworden. Der Verdacht: ein Steuerdelikt. Ihre Ermittlungen mündeten in der Durchsuchung seiner Münchner Wohnung, wo sie 1400 Werke von Künstlern mit Weltrang, fein säuberlich in Regalen und Schubladen geordnet, fanden.

Höchste Geheimhaltung für die 1400 Werke gefordert

Viele Stücke aus den Beständen von Gurlitts Vater, dem Kunsthändler Hildebrand Gurlitt, stammten von Künstlern der Klassischen Moderne. Ein Schatz für die Kunstgeschichte – aber auch für die Familien, denen die Werke vor dem Zweiten Weltkrieg geraubt worden waren. Doch die Augsburger Staatsanwälte entschieden sich bislang für höchste Geheimhaltung. „Die Ermittlungen werden gefährdet, die Kunstwerke werden gefährdet“, begründet Reinhard Nemetz, Leitender Oberstaatsanwalt in Augsburg. Wo der Kunstschatz lagert, bleibt deshalb auch weiter ein Geheimnis. Doch damit wollen sich viele Erben nicht zufriedengeben – sind sie doch immer noch auf der Suche nach den Kunstschätzen ihrer Vorfahren. Aber bislang sei noch nicht mal sicher, welche ­Bilder überhaupt als Nazi-Raubkunst gelten und welche erst nach dem Zweiten Weltkrieg in die Sammlung der Familie Gurlitt aufgenommen wurden.

Aufbewahrungsort wird nicht verraten

Meike Hoffmann von der Forschungsstelle „Entartete Kunst“ der Freien Universität Berlin ist mit der Prüfung der 1400 Objekte nach gut eineinhalb Jahren erst am Anfang. Sie habe stichprobenartig damit begonnen, die Werke zuzuordnen. Wie lange die Recherche noch dauert, ist unklar. So geht es erst mal weiter mit den Geheimnissen. Weder der Wert der Sammlung, noch der ­Aufbewahrungsort werden verraten. Ebenso wenig, welche früheren Eigentümer bereits Ansprüche angemeldet haben. Die größte ­Unsicherheit ist aber, was am Ende mit den Kunstwerken geschehen wird.

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