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Mythos „Mir“ ist auch nach 30 Jahren ungebrochen

Mit einem ständig bewohnten Außenposten im All reagiert der Kreml 1986 auf den verlorenen Wettlauf zum Mond und liefert damit wichtiges Wissen für den Nachfolger ISS. Unter den Besuchern des Himmelslabors sind auch vier Deutsche.

Die russische Raumstation „Mir“ schwirrte 15 Jahre durchs All und umrundete die Erde in dieser Zeit 86 300 Mal. Foto: Nasa
dpa Die russische Raumstation „Mir“ schwirrte 15 Jahre durchs All und umrundete die Erde in dieser Zeit 86 300 Mal. Foto: Nasa

Tragik und Triumph lagen in der Raumfahrt wohl nie so nahe beieinander wie vor 30 Jahren. Am 19. Februar 1986 schoss die Sowjetunion die Basis für die Raumstation „Mir“ ins All. Heute gilt der Forschungskomplex als technische Großtat – trotz erheblicher Mängel.

Von Baikonur aus startet zunächst eine Proton-Rakete mit dem mehr als 20 Tonnen schweren Modul in die Umlaufbahn. Die Betriebsdauer des „Nationalen Orbital-Komplexes“, wie das Himmelslabor im Jargon der Kommunistischen Partei heißt, ist auf sieben Jahre angelegt. Doch die „Mir“ bleibt 15 Jahre im All – und wird zum Mythos. Die Idee von einem ständig bewohnten Koloss im Kosmos setzt sich in Moskau in den 1970er Jahren durch. Ansporn ist das Trauma, den Wettlauf zum Mond gegen die USA verloren zu haben.

Von nun an setzt die UdSSR verstärkt auf Vorposten im All, und die Mir wird zum Flaggschiff der sowjetischen Raumfahrt. Das Basismodul dient dabei als „fliegender Bauwagen“, von dem aus Kosmonauten die Mir erweitern. Bis 1996 folgen vier Module, ein Labor und vier Solar-Panels. Die Inneneinrichtung stammt aber gleichermaßen aus der Steinzeit der Raumfahrt, wie Astronaut Thomas Reiter 1995 als einer von vier deutschen „Mir“-Besuchern feststellt.

Letzte Ruhe auf dem Meeresgrund

Pumpen und Ventilatoren verursachen Lärm wie im Inneren eines Staubsaugers. „Viele Russen basteln am Wochenende an ihrem Lada herum – mit dieser Einstellung sind auch die Kosmonauten auf der Mir am Werk“, schildert der deutsche Astronaut Reinhold Ewald launig die Lage. Ewald ist 1997 kaum eine Woche auf dem Außenposten rund 350 Kilometer über der Erde, als der schlimmste Fall eintritt: Feuer auf der „Mir“. Mit Mühe löscht die Besatzung die Stichflamme. Doch die Materialermüdung auf dem Orbit-Oldtimer ist unübersehbar. Eigentlich soll die Raumstation von Nachfolger „Mir-2“ ersetzt werden. Doch mit der Sowjetunion geht 1991 auch die Raumfahrtindustrie des Riesenreichs unter.

Doch die USA drängen auf eine gemeinsame neue Basis. Mit dem Aufbau der Internationalen Raumstation ISS ab 1998 beginnt das Abwracken der mittlerweile zum technischen Denkmal gewordenen „Mir“. Am 23. März 2001 leitet Moskau den Sturz zur Erde und damit das flammende Finale ein. Was nicht in der Atmosphäre verglüht, geht als Trümmerhagel im Südpazifik östlich von Neuseeland nieder.