Musiktheater:

„Neuer Festspielort ist auch für die nächsten Jahre denkbar“

Das Musiktheater mit den Freilichtaufführungen, Operetten und Musicals erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Die Zuschauerzahlen sind vor allem in diesem Jahr kräftig gestiegen. Marcel Auermann sprach mit dem Neustrelitzer Operndirektor Wolfgang Lachnitt über das Kulturphänomen.

In wunderschöner Kulisse verzauberte die „Gräfin Mariza“: Lisa (Judith Spiesser) und Tassilo (Alexander Geller). Foto: Kunstmann
Kunstmann,T.03429571295 In wunderschöner Kulisse verzauberte die „Gräfin Mariza“: Lisa (Judith Spiesser) und Tassilo (Alexander Geller). Foto: Kunstmann

Auch wenn es stramm auf den Herbst zugeht, müssen wir noch mal auf die Sommerrevue „Gräfin Mariza“ eingehen. Die war ein Kracher.

Wir hatten gut 2300 Zuschauer mehr, als im Vorjahr beim „Bettelstudent“. Und das ist für die Situation, dass wir uns an einen anderen Spielort gewagt haben, ein großer Erfolg. Wir haben uns nach 13 Jahren aus vielerlei Gründen, nicht zuletzt auch wegen der Sanierungsarbeiten im Schlossgarten, für diesen Schritt entschlossen, weil so ein Unternehmen immer wieder einen neuen Schub benötigt – und er hat sich gelohnt. Der neue Spielort wurde angenommen, auch weil wir größer geworden sind.

Als Konsequenz höre ich heraus, dass Sie für die kommenden Jahre den neuen Spielort beibehalten.

Wir werten gerade noch aus, aber die Planungen fürs nächste Jahr gehen dahin. Für mich ist der neue Spielort auch für die kommenden Jahre denkbar. Auf dem Schlossberg werden viele Möglichkeiten geboten. Man kann die Bühne drehen oder mit Blick aufs irgendwann restaurierte Kavaliershaus spielen. All diese Möglichkeiten müssen besprochen werden, wenn der Schlossgarten einmal saniert ist. Es geht auch um künftige Auflagen dort und mit welchen Einschränkungen wir wo zu leben haben. Wir wollen mehr Zuschauer, nicht weniger. Das bedarf einer räumlichen Opulenz.

Sie schwärmen so für diesen Spielort. Da muss man fragen, wieso Sie nicht früher umgezogen sind.

Das Aufreißen der Bühnenbreite von 25 auf 44 Meter finde ich toll. Das hat mir Spaß gemacht. Wir können die Tanzkompanie besser einsetzen. Eine dreigeteilte Bühne ist besser als eine zweigeteilte. All das lässt mich schwärmen. Als Theater muss man auch immer wach bleiben. Wir suchen immer Herausforderungen.

Woher kommt das große Interesse am Musiktheater?

Wir haben insgesamt – also nicht nur die Freilichtsaison gerechnet – einen Gesamtzuwachs an Publikum von etwas über 4000 Zuschauern mehr in der Sparte Musiktheater. Wir haben versucht mit einer möglichst vielseitigen Spielplanmischung in den Bereichen Oper, Operette und Musical die verschiedenen Interessen und Erwartungshaltungen zu bedienen, die „Mischung“ muss stimmen. Ein altes Theatergesetz ist auch, dass nur mit einem Ensemble fest engagierter Sängerinnen und Sänger „Identität“ in einer Stadt geschaffen werden kann. Unser Ziel ist es, einen Spielplan zu erstellen, innerhalb dessen sich das Ensemble bestmöglich präsentieren kann.

Kann der Erfolg des Musiktheaters auch damit zusammenhängen, dass ein Großteil des Publikums nicht mehr so sehr vom elitären Schauspiel angetan ist und eher die leichte Muse beim Musical und bei der Revue sucht?

Nein. Ich glaube sowieso, dass es nicht mehr das Publikum an sich gibt. Entscheidend wird mehr und mehr, jeden Einzelnen am Abend unmittelbar zu fassen und mit ihm zusammenzukommen. Zum Schluss müssen Publikum und Bühnenkünstler eine Spielgemeinschaft bilden.

Trotz alledem haben Sie Anfang kommenden Jahres ein sehr populäres Musical auf dem Programm: „My Fair Lady“.

Wir wollten mal wieder eines der großen, klassischen Musicals spielen. Und weil wir glauben, dass wir für alle Rollen wunderbare Besetzungen im Haus haben. Zudem ist es ein fantastisches Stück, es hat ein hohes Niveau.

Ihre Inszenierungen zeichnet eine unglaubliche Opulenz auf der Bühne aus. Da darf man auf „My Fair Lady“ gespannt sein.

Natürlich soll in diesem Metier auch die optische Sinnlichkeit angesprochen werden. Das muss ein Theater leisten. Ich bin schon sehr stolz, dass wir das logistisch in den Werkstätten leisten. Wir haben acht feste Mitarbeiter in der Schneiderei. Bei der Freilichtaufführung „Gräfin Mariza“ servierten wir mehr als 300 Kostüme im Laufe des Abends auf der Bühne. Das ist eine unglaubliche Leistung des Hauses, die man nicht vergessen darf. Man darf also nicht nur auf „My Fair Lady“, sondern auf den Gesamtspielplan gespannt sein. Wir eröffnen dieses Mal ja auf allen drei möglichen Bühnen des Musiktheaters: im Großen Haus in Neustrelitz „Die verkaufte Braut“, in Neubrandenburg „Die menschliche Stimme/Die Frau von Monte Carlo“ und auf der Probebühne in Neustrelitz „Die Sternstunde des Josef Bieder“. Mit acht Neuproduktionen und drei Wiederaufnahmen bieten wir eine Vielseitigkeit wie lange nicht und das Publikum darf mit recht gespannt sein auf eine Reihe besonderer Musiktheaterüberraschungen.