Journalist recherchierte auch in Neubrandenburg:

Neuer Roman von Alexander Osang

Alexander Osangs neuester Roman „Comeback“ handelt von der Unmöglichkeit des würdevollen Alterns. Im Mittelpunkt steht eine Ost-Berliner Rockband.

Autor Alexander Osang
Andreas Labes Autor Alexander Osang

Den Rock‘n‘Roll hat er gesucht, gefunden hat er die Enttäuschung. Mehrere Monate lang begleitete der Schriftsteller und Spiegel-Autor Alexander Osang die DDR-Rockband Pankow backstage. Tourte drei Wochen mit den Musikern durchs Land mit der Absicht, ein Sachbuch über deren Comeback zu schreiben.

Er hatte ein bisschen gehofft, es würde so aufregend werden wie in dem amerikanischen Film „Almost Famous – Fast berühmt“. Dieser handelt von einem jungen Journalisten, der mit einer Rockband auf Tour geht und dabei hautnah den Wahnsinn der Musikszene miterlebt. Osang war fasziniert von der journalistischen Perspektive, aus der die Geschichte erzählt wird. Also dachte er sich, dann „geht eben ein älterer Autor mit einer älteren Rockband auf Tour“. Spannend hat er sich so ein Comeback vorgestellt.

Doch die Musikwelt hatte sich für ihn schnell entzaubert. Kein Glamour, keine geselligen Abende unter engen Freunden. Stattdessen Routine und Arbeitskollegen, die nach den Auftritten in ihre Zimmer verschwinden. Im Alter wird eben alles etwas nüchterner. Die ersten Seiten des Sachbuchs waren schon geschrieben, da stellte er fest: „Es wäre ihnen nicht gerecht geworden. Ich hätte sie unter meinen Erwartungen begraben“.

Er schaut in der Oststadt nach seinem alten Leben

Diesen Frust und auch ein wenig die Traurigkeit, die mit dem Älterwerden einhergeht, hat er nun in seinem neuen Roman „Comeback“ verarbeitet. Es ist die Geschichte der Ost-Berliner Rockband „Die Steine“, bestehend aus Alex, Paul, Vonnie und Nora. In der Vorwendezeit müssen sie ihren Weg finden zwischen Anpassung und Rebellion. Dann fällt die Mauer und die Band löst sich auf. Die Jahre verfliegen und jeder versucht sein Glück allein. Am Ende bringt ein Song sie wieder zusammen – zum großen Comeback.

Aus Sicht der einzelnen Bandmitglieder beschreibt Alexander Osang, wie sie mit Liebe und Verrat umgehen, wie sie Abschied davon nehmen, was sie einmal waren und werden, was sie sein wollen. Zeitsprünge aus drei Jahrzehnten markieren die Kapitel, in denen die Figuren immer wieder mit ihren eigenen Hoffnungen konfrontiert werden.

Immer wieder Neubrandenburg

Seine Recherche mit der Band Pankow führte Alexander Osang auch wieder nach Neubrandenburg, zu einer „der wichtigsten Städte meines Lebens“. Drei Jahre lang lernte er dort Ende der 70er Instandhaltungsmechaniker. Wenn er es schafft, fährt er in die Oststadt und schaut nach seinem alten Leben. Besucht das Wohnheim, in dem er als 16-Jähriger saß und sie verfluchte, diese Provinzstadt, die sich später in kleinen Nebenrollen durch sein schriftstellerisches Werk ziehen sollte wie ein Thema durch eine Partitur.

In seinem neuen Buch gibt es kein Wiedersehen mit der Viertorestadt. Auch nicht mit dem Nordkurier, den er vor allem in seinem Erstlingswerk „Die Nachrichten“ prominent erwähnt. Viel lieber erzählt er von seiner Traumstadt New York, die er 1990 das erste Mal besuchte. Klein und unbeweglich kam er sich vor inmitten des Trubels dieser Metropole, ähnlich wie seine Figur Nora, die sich fühlte „wie ein Stein, der von kleinen Fischen umschwommen wurde“. Sieben Jahre lebte Osang dort nach dem Jahr 2000 mit seiner Familie, arbeitete als Korrespondent für den Spiegel.

Der Neuanfang scheint Osangs ganz persönliches Thema zu sein. Ob nun großes Comeback oder leiser Neustart, unabhängig davon, wo und in welchem Alter man ihn wagt: „Ein Mensch war nichts ohne das Bewusstsein seiner Vergangenheit und nichts ohne den Glauben an seine Zukunft.“

Alexander Osang: Comeback. Roman. S. Fischer Verlag, 2015, 288 Seiten, 19,99 Euro.