Debatte um Schriftsteller:

Neustrelitzer Stadtpräsident lehnt Würdigung von Kant ab

Wird das Wirken des Schriftstellers in seiner Wahlheimat jemals öffentlich gewürdigt? Die Politiker der Residenzstadt sind sich uneins.

Hermann Kant (links) im Juni bei der Gala im Neustrelitzer Landestheater zu seinem 90. Geburtstag.
Birger Schütz Hermann Kant (links) im Juni bei der Gala im Neustrelitzer Landestheater zu seinem 90. Geburtstag.

Neustrelitz. Im Useriner Kulturstall, südwestlich von Neustrelitz, bekommt der am Sonntag verstorbene Schriftsteller Hermann Kant heute Abend zum Podiumsgespräch zwischen Gregor Gysi, Friedrich Schorlemmer und dem Journalisten Hans-Dieter Schütt symbolisch einen Platz. „Ich werde ein Bild von ihm auf einen leeren Stuhl stellen, darauf wird stehen ‚du bist unter uns‘“, kündigte Kulturstall-Inhaberin Dagmar Wenndorff an. In Userin hatte Kant zuletzt vor circa drei Jahren aus seinem letzten Roman „Ein strenges Spiel“ gelesen.

Der Kulturstall war ein Ort, an dem Kant in den vergangenen Jahren noch lesen wollte und in den er auch eingeladen wurde. „Er wurde ausgegrenzt, ich halte es nicht aus, wenn Menschen ausgegrenzt werden“, begründete Dagmar Wenndorff ihre Entscheidung, den Schriftsteller immer wieder zu sich zu holen. Hermann Kant war streitbar, aber er sei ein großer Poet gewesen.

Hermann Kant war am Sonntag in Neustrelitz verstorben. Er war am 14. Juni 90 Jahre alt geworden. Zu diesem Jubiläum hatte auf Initiative des Berliner Aufbau-Verlags im Neustrelitzer Landestheater eine Gala zu seinen Ehren gegeben.

Die Stadt Neustrelitz hatte sich zu diesem Zeitpunkt gegen eine Eintragung Kants in das Goldene Buch der Stadt ausgesprochen. Inwieweit sein Wirken jetzt doch noch in Neustrelitz einen öffentlichen Platz findet, das steht noch nicht fest. „Das muss durch die Politik, durch die Stadtvertretung, entschieden werden, sagte Vizebürgermeister Christian Butzki. In jedem Fall sei das Kulturquartier ein guter Platz, um auf seine Lebensleistung aufmerksam zu machen. Aber, die Entscheidung müsse zunächst grundsätzlich in der Stadtvertretung gefällt werden. Er selbst habe persönlich ein zwiespältiges Verhältnis zu dem Schriftsteller. Er sehe einerseits die literarische Leistung und andererseits etwa die Ausbürgerung von Schriftstellern in der DDR, die Kant befördert hatte.

Stadtpräsident Christoph Poland (CDU) sprach sich indessen gegen eine öffentliche Darstellung der Lebensleistung Kants in Neustrelitz aus. „Nicht durch meine Initiative“, sagte er dem Nordkurier. Kants Bücher habe er zu DDR-Zeiten als Deutschlehrer nur gezwungenermaßen gelesen. Das Schwärmen anderer Leser über Kants Art und Weise zu schreiben, habe er nie nachempfinden können.

Hermann Kant hatte seit Mitte der 90er-Jahre seinen ersten Wohnsitz in Neustrelitz. Das Haus im Ortsteil Prälank hatte er aber schon seit den 70er-Jahren als Wohn- und Arbeitsort genutzt.

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