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„Nur der Pole bringt die Kohle“

Über tausend Menschen aus dem Nachbarland haben sich in den vergangenen Jahren im deutschen Grenzgebiet angesiedelt. Angekommen sind  nicht alle.

Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Dokumentation, die am Montagabend in Neubrandenburg zu sehen ist.
Hoferichter & Jacobs GmbH Das Bild zeigt einen Ausschnitt aus der Dokumentation, die am Montagabend in Neubrandenburg zu sehen ist.

Dass sich die Landesregierung in Schwerin kaum einen Deut um das abgelegene Vorpommern schert, wird ja
gerne mal behauptet. Wie die Lage aber wirklich ist, wird deutlich, wenn ein Einwohner meint: „Wenn wir mit Westpommern fusioniert wären, dann hätten wir jetzt wenigstens Straßenbeleuchtung.“

Der Mann sagt dies im Dokumentarfilm „Nur der Pole bringt die Kohle“, der am Montag um 17.30 Uhr bei der dokumentART in Neubrandenburg läuft.

Darin geht es um einige der mittlerweile über tausend Polen, die sich im Grenzland auf der deutschen Seite niedergelassen haben. Es wird gezeigt, wie sie Häuser kaufen und verkaufen, wie sie sich über ihre deutschen Nachbarn wundern und wie sie sich im Löcknitzer Strandbad vergnügen. Gezeigt werden aber auch deutsche Bewohner der Region, die mit dem Zuzug der Polen zurechtkommen müssen und ihn zumeist gut finden.

Werden doch so viele der Häuser gerettet, die sonst verfallen würden, weil die  Eigentümer der Arbeit hinterher in den Westen gezogen sind. Die Grenzkriminalität und die Aktivitäten der NPD spielen in dem Film keine Rolle. Was auf den ersten Blick als Manko erscheint, erscheint auf den zweiten recht sinnvoll, weil so ein Phänomen deutlicher wird, mit dem vor gut zehn Jahren wohl niemand gerechnet hatte.

Damals wurde noch befürchtet, dass die Deutschen Polen nach und nach in Besitz nehmen würden. Es kam genau anders herum. Und es wurde befürchtet, dass die Polen den deutschen Arbeitsmarkt überfluten würden. Auch das geschah nicht. Unterdessen überlegen Deutsche aus den Dörfern an der Grenze, ob sie sich einen Job in der großen Stadt Stettin suchen – wenn da nur nicht die Sprachbarriere wäre.

Die Polen, die im Film porträtiert werden, sind dagegen nicht auf Jobsuche in einer Region, in der es ohnehin kaum Jobs gibt. Es sind gut situierte Unternehmer oder Angestellte aus dem Großraum Stettin und bilden im Film manchmal einen starken Kontrast, zu den verbliebenen „Ureinwohnern“. Allerdings versäumt es Regisseur Markus Stein, einen intensiveren Blick auf die Integrationsbereitschaft der polnischen Neusiedler zu werfen. Nur einmal heißt es bedauernd, dass sie oft nur zum Schlafen auf die deutsche Seite kämen. Und sich auch kaum an den Kommunalwahlen beteiligen würden, selbst wenn einer der ihren auf der Kandidatenliste steht.

Offen bleibt auch, warum der Film eine „skurrile“ Milieustudie sein soll, so wie es das Programmheft ankündigt. Die einen haben das Geld, die anderen haben die Häuser. Eine Grenze gibt es nicht mehr. Das ist nicht skurril, das ist Europa.

Die dokumentART, das 23. Europäische Filmfestival für Dokumentarfilme, wird am Freitagabend eröffnet. Bis zur Abschlussfeier am Dienstag konkurrieren allein im Hauptwettbewerb 39 Filmemacher um die fünf Hauptpreise. Daneben gibt es wie gewohnt unter anderem Filme aus Mecklenburg-Vorpommern, wie eben „Nur der Pole bringt die Kohle“, aus dem Ostblock und von Schülern der Stockholmer Academy für Dramatic Arts.