Theaterkritik:

Ode an den Requisiteur

So ein Theater! Das Publikum wartet gespannt auf die Vorstellung, aber nichts passiert. Nur ein Requisiteur huscht hin und her, kann und will nichts entscheiden. Doch der Abend soll zur „Sternstunde des Josef Bieder“ werden.

Wer kennt sich im Theater schon besser aus als ein Schauspieler selbst? Vermutlich gelingt Sigurd Karnetzki die Darstellung des Theaterrequisiteur Josef Bieder deshalb so gut und präzise.
Joerg Metzner Wer kennt sich im Theater schon besser aus als ein Schauspieler selbst? Vermutlich gelingt Sigurd Karnetzki die Darstellung des Theaterrequisiteur Josef Bieder deshalb so gut und präzise.

„Also Ihnen kann ich ja keinen Vorwurf machen, dass Sie hier so blöd herumsitzen.“ Eine wahrlich wenig freundliche Begrüßung. Doch was soll dieser Mitarbeiter schon groß machen? Er hat ja nur zufällig mitbekommen, dass die Zuschauer trotz abgesagter Vorstellung auf ihren Plätzen sitzen. Er hat keine Befugnisse, der Disponent ist nicht zu erreichen – Sie wissen schon, der telefoniert immer, damit er sich wichtig fühlt – mit der Direktorin hat sich Josef Bieder verkracht. Da kann keiner Verlangen, dass er mit der spricht.

Also tut dieser Bieder, was er kann. Singen, unterhalten, erklären und das Publikum mitreißen. Denn – Sie wissen schon – ohne die Requisite würde das ganze Theater nicht funktionieren. Ohne den Degen für „Carmens“ Escamillo, ohne den Vogelkäfig für „Die Zauberflöte“, ohne den Dolch für „Kabale und Liebe“. Recht hat er eigentlich.

Karnetzki spiel Bieder nicht, er ist Bieder

Dass sich der etwas einfältige Requisiteur seit Jahren zu Größerem berufen fühlt, ist ein Segen für das vermeintlich wartende Publikum. Eigentlich wollte Bieder ja selbst Sänger werden, hat schon mit acht Jahren im Kirchenchor ersten Sopran gesungen. Ob also „Bajazzo“ mit Vorspiel und Cantabile oder „Carmen“ mit dem Stierkämpfer, ob Papagenos Vogelfänger-Stück oder Ferdinands Todesszene, Bieder beherrscht sie aus dem Effeff.

Kompliment an Schauspieler und Sänger Sigurd Karnetzki, er macht seine Sache großartig. Nach wenigen Minuten ist das leider nicht sonderlich zahlreich erschienene Publikum im Kornspeicher der Kloster- und Schlossanlage Dargun gefangen von seiner Darbietung. Er spielt den Bieder nicht, er ist der leicht einfältige Requisiteur, der von sich glaubt alles besser zu wissen, alles besser zu können und zu höherem berufen zu sein. Trotzdem ist dieser Bieder ein grundsympatischer Typ, eben – Sie wissen schon – der Mann von nebenan.

„Sternstunde“ ist eine Hommage an das Theater

Das Publikum agiert nach Bieders Gutdünken, es schmunzelt und lacht lauthals über seine Einführung in die Kunst der Verbeugung und dramatisch überzogene Schauspieldarbietungen. Es applaudiert, wenn es der Requisiteur fordert, es hängt an seinen Lippen.

Das Musiktheater bietet kurzweilige Unterhaltung, ist für heitere Abende gut geeignet. Es ist eine Hommage an das Theater, zeigt die Leidenschaft an der Arbeit, aber auch Zank der Kollegen. Aktuelle Bezüge bleiben nicht unerwähnt, das Staatstheater in Schwerin wird auf die Schippe genommen. Die ganze Umständlichkeit hinter der Bühne ebenso, denn welcher Laie kann sich schon vorstellen, wer nun für hängende, leuchtende und bewegliche Lampen zuständig ist? So funktioniert Theater im Theater.

„Die Sternstunde des Josef Bieder“ wird auf der Probebühne des Landestheaters Neustrelitz am 30. November um 19.30 Uhr, am 15. Dezember um 16 Uhr, am 31. Januar um 19.30 Uhr und am 7. Februar um 19.30 Uhr gespielt. In Neubrandenburg tritt Sigurd Karnetzki am 25.und 31. Dezember sowie am 17. Februar jeweils um 19.30 Uhr auf die Bühne im Schauspielhaus. Am 12. Januar beginnt die Vorstellung in Neubrandenburg bereits um 16 Uhr.

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