Pseudoanglizismen:

Public Viewing und Oldtimer sind alles, nur kein Englisch

Viele Deutsche kennen viele englische Vokabeln. Manchmal mehr als Engländer oder Amerikaner: Denn das Deutsche ist voll von englischen Ausdrücken, die in den USA oder Großbritannien kein Mensch kennt. Da kann es schnell zu Verwirrung kommen.

Wer dachte, der Oldtimer auf dem Bild wird links gezeigt: Falsch gedacht. Im Englischen bezeichnet das Wort einen alten Mann.             
Caroline Seidel/Karl-Josef Hildenbrand Wer dachte, der Oldtimer auf dem Bild wird links gezeigt: Falsch gedacht. Im Englischen bezeichnet das Wort einen alten Mann.  

Die Touristin aus Oldenburg verstand die Welt nicht mehr. Eine Baseballmütze wollte sie, und wieder und wieder fragte sie den Verkäufer in Manhattan nach einem „Basecap“. Doch der guckte sie nur fragend an. Ja, sprach denn der Amerikaner kein Englisch? Doch, tat er. Sie aber nicht – zumindest nicht beim entscheidenden Wort. „Basecap“ ist ein typisches englisches Wort, das gar kein Englisch ist. Die deutsche Erfindung ist eines in einer ganzen Reihe von vermeintlich englischen Wörtern, die nur Deutsche kennen. Und die Verwirrung ist oft groß.

Sprachpuristen ärgern sich über diese Wörter, die in die Rubrik Pseudoanglizismus fallen. Dabei können Engländer und Amerikaner gar nichts dafür, ja sie ahnen nicht einmal, welche sprachlichen Eier sich die Deutschen selbst ins Nest legen. Oldtimer und Happy End, Beamer und eben Basecap – so etwas gibt es im Englischen gar nicht, oder es bedeutet etwas völlig anderes. „Beamer“ ist Slang für etwas sehr deutsches: einen BMW. Der Projektor heißt in den USA schlicht „projector“. Und Basecap? Das ist eine Zierleiste, die es im Baumarkt gibt.

Arschkriecherei oder einfach cool?

Das erfolgreichste Wort dieser Art ist „Handy“. Untersuchungen haben ergeben, dass das Wort in Deutschland längst die häufigste Bezeichnung für ein Mobiltelefon ist. Im Grunde ist es kein Wunder, ist das Wort doch kurz und prägnant – aber eben falsch. Denn wenn es ein deutsches Wort ist, müsste man es eigentlich „Händy“ schreiben. Derartige Versuche gab es sogar, sie sind aber längst Geschichte. Der englische Unterhalter Stephen Fry bringt auf der Insel immer noch Menschen zum Lachen, in dem er auf Deutsch fragt „Wo ist mein Handy?“. Deutsche aber gucken verwirrt. Was kann daran denn bloß falsch sein?

„Viele Deutsche haben das Bedürfnis, zur Benennung der Welt nicht ihre eigene Sprache, sondern die ihrer Kolonialherren zu verwenden“, poltert der Vorsitzende des Vereins Deutsche Sprache, Walter Krämer. „Die Londoner „Times“ hat das einmal als „linguistic submissiveness“ (sprachliche Unterwürfigkeit) bezeichnet. Wenn man bösartig wäre, könnte man auch Arschkriecherei sagen“, so Krämer.

Die Werbung ist schuld

„Viele Pseudoanglizismen sind so integriert, dass man sie gar nicht mehr sieht“, sagt der Sprachwissenschaftler Joachim Grzega. „Showmaster wurde damals von Rudi Carrell erfunden, „zappen“ für Umschalten kennen nur wir Deutschen, aber der „Home Trainer“ hat es sogar ins Niederländische geschafft.“ Andere könnten dies allerdings auch: Franzosen und Italiener etwa sagten „Footing“ zu dem, was auf gut Deutsch „Jogging“ heißt.

Die Schuldigen sieht der Grzega gerade in der Werbung. „Da haben uns Leute klipp und klar gesagt: Uns ist egal, ob das Quatsch ist, aber es klingt cool.“

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