Das Proll-Buch :

"Schantall tu ma die Omma winken!“

Mit seinem Buch über Unterschichten-Tussi Schantall hat Debüt-Autor Kai Twilfer es zum Bestseller gebracht.

Bestseller „Schantall, tu ma die Omma winken“
Caroline Seidel

Schantall Pröllmann ist dumm, konsumgeil, geschmacksverirrt und sagt Sätze wie „ich tu mich hier stylen“. Sie ist die Antiheldin im Buch „Schantall, tu ma die Omma winken!“ – das sich seit Monaten weit oben in der Taschenbuch-Bestseller-Liste tummelt. 130 000 verkaufte Exemplare bisher.

Sumpf des schlechten Geschmacks

Viele wollen anscheinend wissen, wie es ist da unten, in der bildungsfernen Unterschicht. Bei Menschen, die ihren Kindern gerne Namen geben, die sie selbst nicht richtig buchstabieren können. Und sie wollen vor allem lachen auf dieser Abenteuerreise in den „Sumpf des schlechten Geschmacks“ von Schantall und Sohn Dschastin.

Geschrieben hat das Buch Kai Twilfer. Es ist sein Erstlingswerk und gleich ein Erfolg, der Verlag (Schwarzkopf & Schwarzkopf) und Autor überrascht hat. Sechs Mal musste schon nachgedruckt werden. Der 36 Jahre alte Gelsenkirchener Twilfer verdiente sein Geld bisher mit Ruhrgebiets-Fanartikeln – von Kohle in Dosen bis zur Postkarte mit schnoddrigem Ruhrpottschnauzen-Spruch. Ein besonderer Renner in seinem Sortiment sei dabei stets die Karte mit der Aufschrift „Schantall, tu ma die Omma winken“ gewesen.

Jedes Proleten-Klischee erfüllt

Da steckt mehr drin, dachte sich der studierte Wirtschaftswissenschaftler und erfand den Kosmos der Pröllmanns – die alleinerziehende Schantall inclusive Prollo-Familienclan aus „Bochtrop-Rauxel“ irgendwo im Ruhrgebiet. Mit den Augen eines fiktiven Sozialarbeiters ist Twilfer auf mehr als 200 Seiten jedem Proleten-Klischee, das sich finden lässt, auf den Fersen: Menschen des Typs Schantall träumen von einer Glamourwelt der Castingshows, saufen schon auf der Busreise ins pauschale Ferienparadies Lloret de Mar Sekt aus Dosen, haben Brüder mit aufgemotzten Karren und fahren so ziemlich alles vor die Wand, was sie anfassen: Kindererziehung, Ausbildung, Familienausflug.

Ohne Schublade keine Lacher

Im Buch wie im Interview ist viel die Rede von Menschenschlag, Prototypen, fremden Welten. Ohne die Schublade kein Lacher, das räumt auch Twilfer freimütig ein. „Die Leute wollen sich amüsieren über das Elend anderer“, sagt er. 

Weiterführende Links

Nordkurier: Samsung Galaxy Tablet ohne Anzahlung