Neu im Kino:

Scherbenpark

Im Dokumentarfilm „Prinzessinnenbad“ hat Filmemacherin Bettina Blümner jungen Frauen aus einfachen Verhältnissen intensiv zugehört und so die geheimen Träume und Sehnsüchte einer Generation erkundet. Insofern ist es keine große Überraschung, dass Blümners erster Spielfilm die Verfilmung des Buches „Scherbenpark“ von Alina Bronsky ist.

Sascha (Jasna Fritzi Bauer) in einer Szene des Kinofilms "Scherbenpark
Thomas Kost/Neue Visionen Filmverleih Sascha (Jasna Fritzi Bauer) in einer Szene des Kinofilms "Scherbenpark.

Auch die 17-jährige Sascha (Jasna Fritzi Bauer) hat noch Träume. Zum Beispiel will sie Stiefvater Vadim töten, der ihre Mutter in ihrem Beisein ermordet hat und mittlerweile gesiebte Luft atmet. Damit Sascha in der Plattenbausiedlung überleben kann, hat sie sich ein dickes Fell zugelegt. Sie zeigt nach außen hin keine Gefühle und nimmt es mit ihrer großen Klappe selbst mit Typen auf, denen man besser nicht im Dunkeln begegnet. Keiner kann ihr wehtun, sagt sie einmal. Als Sascha eines Tages eine gefühlsduselige Reportage über den inhaftierten Mörder Vadim in der Zeitung liest, brennen bei ihr aber doch die Sicherungen durch. Sie will die verantwortliche Redakteurin zur Rede stellen, wird aber von deren Chef Volker Trebur (Ulrich Noethen) abgefangen. Der Zeitungsmann überreicht der zornigen jungen Frau seine Visitenkarte mit der Bemerkung, er schulde ihr einen Gefallen. Und tatsächlich ruft ihn Sascha, die es in ihrem Viertel nicht mehr aushält, bald zurück…

Wer die junge Burg-Schauspielerin Jasna Fritzi Bauer nur als das Mädchen mit dem Tourette-Syndrom aus der schönen Tragikomödie „Ein Tick anders“ kennt, kann sich durch „Scherbenpark“ von der Wandlungsfähigkeit des Ausnahmetalents überzeugen. Wenn ihre Sascha mit ausgelatschten Schuhen, schlabbriger Jogginghose und finsterem Blick durch die Gegend stapft, verkörpert sie all die Jugendlichen, die aufgrund ihrer Herkunft schon zu Beginn des Lebens durch die Raster der Gesellschaft fallen. Man schaut ihr in tragischen und komischen Momenten gern zu, fühlt sich ihr verbunden und wünscht ihr nur das Beste, wenn man sich von ihr verabschieden muss. Die Filmhandlung selbst kommt ohne große Sensationen aus, auf ein komödienartiges Sex-Intermezzo hätte man besser verzichtet. Trotzdem wirkt „Scherbenpark“ noch länger nach.

Wertung:
Anspruch: 3
Spannung: 2
Action: 2
Humor: 1

Erotik: 1

Verleih: Neue Visionen   
Bundesstart: 21. November 2013  
Genre: Drama

Mehr Infos unter: www.neuevisionen.de