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Schlingensiefs Kunst war auch Politik

Christoph Schlingensief galt als einer der wichtigsten Film-, Theater- und Opernregisseure der Gegenwart. Eine Ausstellung in Berlin erinnert an das aufmüpfige Multitalent.

Das Kunstwerk „Church of Fear‘s – Pfähle der Säulenheiligen“ (mit lebenden Menschen als Teil der Installation) gehören zur Werkschau des Künstlers.
Ole Spata Das Kunstwerk „Church of Fear‘s – Pfähle der Säulenheiligen“ (mit lebenden Menschen als Teil der Installation) gehören zur Werkschau des Künstlers.

Die Halle ist karg und düster. Auf sieben raumhohen Baumstämmen sitzen sieben junge Leute, stumm, fast reglos. Den ganzen Tag sitzen sie da, lassen sich beobachten, gehen ihren Gefühlen nach. Die sieben „Säulenheiligen“ sind Teil einer Ausstellung in Berlin, die das radikale und immer wieder provozierende Werk von Christoph Schlingensief drei Jahre nach seinem Krebstod, mit nur 49 Jahren, noch einmal lebendig werden lässt.

„Wir wollen einen Einblick in dieses Werk geben. Es ist so komplex, dass es keine komplette Retrospektive sein kann“, sagt der Chefkurator des New Yorker MoMA, Klaus Biesenbach, der die Ausstellung in den Berliner Kunst-Werken (KW Institute for Contemporary Art) zusammen mit Anna-Catharina Gebbers und Susanne Pfeffer kuratierte. Die Schau ist ab Sonntag bis zum 19. Januar in Berlin zu sehen und soll im März in die MoMA-Dependance für zeitgenössische Kunst nach New York wandern.

Schlingensiefs Witwe Aino Laberenz hat nach Angaben von KW-Direktorin Gabriele Horn den gesamten Ausstellungsprozess als „unermüdlicher Motor“ in Fluss gehalten. „Ich freue mich extrem, dass Christophs Arbeiten wieder geöffnet werden“, sagte Laberenz. Das Werk zeige, in wie vielen Bereichen sich der Künstler immer wieder auf die Suche gemacht habe. In dem schönen alten Vierkantgebäude sind auf allen Ebenen Installationen, Filmen, Aktionen und Videos des Künstlers zu sehen, die zu seinen Lebzeiten für Aufsehen gesorgt haben.

KW Institute for Contemporary Art, Auguststraße 69, Öffnungszeiten: Mittwoch bis Montag: 12 bis 19 Uhr, Donnerstag 12 bis 21 Uhr.