Kabarett-Premiere:

Schwere Komik in Zeiten der Flüchtlingskrise

Es gab viele Lacher bei der Premiere des neuen Programms vom „Frechen Küsten Kabarett“ aus Anklam. Einige Themen mehr von der Küste wären allerdings wünschenswert.

Geplagte deutsche Lehrer: Wenja Imlau-Wilke und Philip Dobraß bei ihrer Nummer zu den gefährlichen Helikopter-Eltern.
Martina Krüger Geplagte deutsche Lehrer: Wenja Imlau-Wilke und Philip Dobraß bei ihrer Nummer zu den gefährlichen Helikopter-Eltern.

Kabarett in Zeichen der Flüchtlingskrise: Das ist wahrlich kein leichtes Ding. Das beweisen nicht nur diverse Kabarett- und Comedy-Formate im Fernsehen. Das hat auch das neueste Programm des Frechen Küsten Kabaretts (FKK) gezeigt. „Lichtschutz Faktor 50+ oder Es bräunt sich was zusammen" erlebte am Donnerstagabend im Anklamer Theater seine Premiere.

In etlichen Nummern nehmen sich Regisseur Peter Tepper und sein fünfköpfiges Kabarett-Team des undankbaren Themas an. Mal mit mehr, mal mit weniger Geschick. Wird der moralische Zeigefinger zu oft geschwungen, ist das fürs Kabarett einfach tödlich.

AfD bleibt im Kabarett außen vor

Viel zu didaktisch kommt zum Beispiel die Nummer über einen amerikanischen Drohnen-Führer daher, der jeden Abend mit seiner Familie am Abendbrottisch sitzt, nachdem er tagsüber nicht nur Terroristen, sondern auch unschuldige Zivilisten umgebracht hat. Solch ein Thema, so wichtig es auch ist, erscheint einfach zu weit weg von der hiesigen Lebenswirklichkeit.

Dementsprechend spärlich fiel der Applaus nach der Nummer aus. Und peinlich wird es gar, wenn ein Satz aus einem flüchtlingsfeindlichen Interneteintrag, wonach in Auschwitz noch genügend Platz wäre, unkommentiert stehen bleibt. Dem Programm hätte zudem der eine oder andere stärkere Bezug zur Region gut getan.

Trotzdem: Das Freche Küsten Kabarett bietet dem Publikum einiges. Zielscheibe ist die Führungsriege der deutschen Politik um "Commander Merkel", wunderbar aufs Korn genommen von Wenja Imlau-Wilke in der Nummer vom Betreuten Regieren. Man fragt sich allerdings, warum die AfD mit ihrem hohen Satire-Potential außen vor bleibt.

Birgit Lenz brillierte

Dafür widmen sich Wenja Imlau-Wilke und Philip Dobraß umso gekonnter den Helikopter-Eltern, die ihre Zöglinge wohlbehütet bis zum Stuhl im Klassenraum geleiten. Ungekrönter Star des Kabarett-Programms ist allerdings wieder einmal Birgit Lenz. Die Wandelbarkeit der Schauspielerin und Regisseurin ist unglaublich.

Dieses Mal brilliert sie unter anderem als wortgewandte und kluge Klofrau, aber auch als eitle Milliardärin, der Geld eigentlich gar nichts bedeutet. Sie erfreue sich einfach an anderen Menschen, beispielsweise an der wunderbaren Natascha, die ihre Rosen und ihren Mann gleichermaßen zuverlässig pflege – und das für den Mindestlohn von 8,50 Euro.

 

Weitere Aufführungen:

29. April, 19.30 Uhr, Barther Boddenbühne

4. Mai, 15 Uhr, Theater Anklam

7. Mai, 19.30 Uhr, Blechbüchse Zinnowitz