Nachruf auf Thomas Kornack:

Sein Humor wird fehlen

Er spielte bei den Störtebeker-Festspielen und strippte bei "Ladies Night": Der 38-jährige Erfurter TV- und Theaterschauspieler bereicherte die Bühnen im Nordosten durch ein besonderes Talent.

Thomas Kornack (r.) in seiner Paraderolle in der Region: Als Rocker Barry wagt er mit Norman (Thomas Goralczyk) ein Tänzchen in „Ladies Night“.
Joerg Metzner Thomas Kornack (r.) in seiner Paraderolle in der Region: Als Rocker Barry wagt er mit Norman (Thomas Goralczyk) ein Tänzchen in „Ladies Night“.

Thomas Kornack glich einem süßen Knuddelbär: Vollbart, strahlend blaue Augen und Waschbär- statt Waschbrettbauch. Man wollte ihn in den Arm nehmen, einfach nur lieb haben. Und vermutlich hätte er nicht nein gesagt, weil er ein herzensguter Mensch war. In der größten Hektik nahm er sich Zeit und strahlte Ruhe aus. Das Überkandidelte, Aufgesetzte und Aufgezogene der Theater- und Medienbranche waren ihm fremd.

Im Frühjahr dieses Jahres schwärmte der 38-Jährige davon, dass ihn das Theater in Neustrelitz für „Ladies Night“ ansprach. Ihn, der nun alles andere als der Adonis schlechthin war. Er spielte eine der sechs Hauptrollen in dem Stück, in dem Strippen zur Hauptaufgabe gehört – und bei dem das Publikum ausrastet, weil es hier nicht aufs perfekte Entkleiden ankommt. Nein, vielmehr johlen die Zuschauer, weil die ungelenken Bewegungen so lustig, so herzhaft, so erfrischend daherkommen.

Er suhlte sich auf der Bühne

Thomas Kornack ging in dieser Rolle auf. Er gab alles. Er war sich für keinen derben Spruch zu schade. Der gebürtige Erfurter suhlte sich auf der Bühne, rekelte sich, bis er endlich sein Hemd vom Leib gerissen hatte. Nach zwei Stunden und 20 Minuten trieften seine Kostüme regelmäßig. Aber egal, am Ende stand er ja eh nackt auf der Bühne. Der kleine, pummelige, knuffige Rocker Barry – so die Rolle – mauserte sich in den Aufführungen in Neustrelitz und Neubrandenburg zum heimlichen Held.

Bei den Störtebeker-Festspielen im vergangenen und diesen Jahr verkörperte er den sächselnden Händler namens Kurzer. Das Komische war Thomas Kornacks Sache. Dialekte beherrschte er aus dem Effeff. Berlinerisch, sächsisch, thüringisch – die Regisseure hatten freie Auswahl. Für einen Schnack hinter der Bühne war er immer zu haben. Gemütlichkeit und Geselligkeit gelten als die Eigenschaften von stämmigen Menschen. Thomas Kornack war das Paradebeispiel dafür.

Vielseitigkeit ist das Zauberwort

Durch seine Unkompliziertheit fühlte er sich vermutlich in jeder Rolle zu Hause. Vielseitigkeit ist das Zauberwort. Sie machte ihn zu einem gefragten Theater- und auch Fernsehschauspieler. Er stand für „Soko Leipzig“, „Tatort“ und „Die Chefin“ vor der Kamera. In der Sat.1-Komödie „Nein, aus, pfui! Ein Baby an der Leine“ spielte er seine Facetten aus – ganz besonders natürlich seine komische.

Der Zuschauer merkte: Hier agiert ein Profi. Thomas Kornack studierte Schauspiel an der Hochschule für Musik und Theater in Leipzig. Über Chemnitz, Graz und Augsburg führte ihn sein Weg in den Nordosten Deutschlands.

Am vergangenen Samstag stand „Offene Zweierbeziehung“ auf dem Spielplan. Es handelte sich um eine Ersatzvorstellung. Eigentlich sollten die sechs Herren in „Ladies Night“ wieder die Hüllen fallen lassen. Doch die Hosen blieben an.

Das wahre Leben holte Thomas Kornack, der auf der Bühne immer so herrlich im Surrealen lebte, ein. Bereits in der vergangenen Woche hörte sein Herz auf zu schlagen. Für immer. Und das mit 38. Unglaublich.

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