Der Marathon-Mann:

Sein letztes Rennen

In seinem ersten Kinofilm seit mehr als zwanzig Jahren brilliert Dieter Hallervorden in der Rolle eines Altenheimbewohners, der gegen die Abschiebung aufs Altenteil aufbegehrt.

Dieter Hallervorden als Paul Averhoff, Marathonläufer und Gewinner der Goldmedaille in Sydney 1958
Nadja Klier/Neue Schönhauser Filmproduktion/Universum Film Dieter Hallervorden als Paul Averhoff, Marathonläufer und Gewinner der Goldmedaille in Sydney 1958.

Früher einmal war Paul Averhoff (Dieter Hallervorden) nicht zu bremsen. Mitte der 1950-er Jahre hat der Marathonläufer sogar eine Goldmedaille für die BRD geholt. Von der Karriere sind nur vergilbte Fotos geblieben, aber Pauls geliebte Margot (Tatja Seibt) ist immer noch an seiner Seite. Allerdings entwickelt sich das alte Mädchen in der letzten Zeit zum Sorgenkind. Tochter Birgit (Heike Makatsch), die als Flugbegleiterin arbeitet, bleibt keine andere Wahl. Sie muss ihre Eltern in die Obhut eines Pflegeheims geben.

Unter der gestrengen Regie von Oberschwester Rita (Katrin Sass) fühlt sich Paul von Anfang an nicht wohl. Seine immer noch enorme Energie wird beim gemeinsamen Basteln und Singen nicht abgebaut und Mitbewohner wie die linientreue Petze Rudolf (Otto Mellies) gehen ihm mächtig auf den Wecker. Um seinem Leben wieder einen Sinn zu geben, nimmt sich Paul Großes vor: er will beim nächsten Berlin-Marathon an den Start gehen! Während seine Altersgenossen singen, schnürt der rüstige Rentner die Sportschuhe und trimmt sich fit. Zwar springt die Heimleitung im Dreieck und auch der Pfleger Tobias (Frederick Lau) macht sich (noch) lustig, aber Pauls Engagement inspiriert viele seiner Heimkollegen. Der Weg zum Start ist dann aber doch steiniger als erwartet…

Was für tolle Gesichter! Regisseur Kilian Riedhof konnte zahlreiche betagte Schauspieler vor seiner zärtlich blickenden Kamera versammeln, deren geballte Erfahrung, Gelassenheit und Schönheit in jeder Einstellung gleichermaßen Ehrfurcht gebieten und Spaß machen. Allen voran brilliert ein wunderbarer Dieter Hallervorden, der seine große Komödianten-Vergangenheit ruhen lässt und einen facettenreichen Leinwandcharakter entwirft, den man ernst nimmt und mag. Wenn der Film auch einige Figuren lustvoll überzeichnet, kommt er dem wahren Leben doch greifbar nahe. Nur am Ende gönnt die Geschichte ihrem Helden jenes große Pathos, das man in Hollywoodstreifen voraussetzt, im heimischen Film aber gern hämisch kommentiert. Es ist das perfekte Gänsehaut-Finale für den liebenswertesten Marathon-Mann der Filmgeschichte.     
 

Wertung:
Anspruch: 3
Spannung: 3
Action: 2
Humor: 1
Erotik: 0

 

Verleih: Universum 
Bundesstart: 10. Oktober 2013 
Genre: Drama

Mehr Infos unter: www.sein-letztes-rennen.de

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