Jukebox-Geburtstag:

Seit 125 Jahren gibt’s Wunschmusik rund um die Uhr

Die ersten Musikboxen ermöglichten es, zu hören, was man wollte und wann man wollte. Die Geräte wurden anfangs unter einem seltsamen Namen vermarktet.

Die Musikbox wurde sehr schnell ein Stück Alltagskultur: Man traf sich, wo die Musik war.
Roland Weihrauch Die Musikbox wurde sehr schnell ein Stück Alltagskultur: Man traf sich, wo die Musik war.

Stumm hingen die Menschen da, dicht gedrängt, aber trotzdem gruß- und sprachlos mit den weißen Kopfhörern in den Ohren. Die Rede ist nicht von einer U-Bahn in diesen Tagen, sondern einer Vorführung im November 1889. Was da aus den stethoskopähnlichen Kopfhörern kam, war tatsächlich Musik. Rauschend, krächzend, kurz, aber Musik! Es war eine Revolution für fünf Cent, aus der ein Milliardengeschäft und ein Stück Kultur wurde: Vor 125 Jahren wurde die Musikbox erfunden.

Musik aus der Konserve gab es nur vom automatischen Klavier, in dem eine Walze immer das gleiche Musikstück abspielte. Wer ansonsten Musik hören wollte, musste Musikern lauschen – oder sie selbst machen. Gleich mehrere Erfinder entwickelten in den 80er-Jahren des 19.  Jahrhunderts Möglichkeiten, Musik haltbar zu machen. Thomas Edison war mit seinem Phonographen besonders erfolgreich. Der Musikgenuss war kurz und kratzig, aber eine Sensation.

Ein Titel kostete umgerechnet ein Euro

Einer seiner Angestellten, Louis T. Glass, kam auf die Idee, den Phonographen in eine Kiste zu packen und zehn Kopfhörer anzuschließen. Jetzt konnten mehrere gleichzeitig die leise Musik mit dem lauten Knistern hören – wenn sie denn dafür zahlten. Fünf Cent kostete der kurze Genuss, nach heutigem Geldwert etwa ein Euro.

Weil das Fünf-Cent-Stück in den USA Nickel heißt, nannte man die Kästen „Nickel-in-den-Schlitz-Spieler“. Nicht ganz überraschend haben sich griffigere Namen durchgesetzt, in Deutschland Musikbox. In Amerika ist das eine Spieldose – die große Kiste mit den Schallplatten nennt man Jukebox, und keiner weiß so genau warum. Vermutlich kommt der Begriff aus dem Slang der Schwarzen und bedeutet „verrucht“, weil die Geräte nicht immer in den am besten beleumdeten Lokalen standen.

Aber eigentlich standen sie überall. Denn bald wurde aus der Walze eine Platte und aus der Platte wurden Platten. Man konnte selbst wählen, was man hörte. Und der elektrische Verstärker war in den Zwanzigern dann die Revolution, je lauter, desto besser. Mitte letzten Jahrhunderts war die Jukebox so populär, dass in den USA drei Viertel aller gepressten Single-Schallplatten in solch einem Gerät landeten, nur ein Viertel wurde für den Plattenspieler zu Hause gekauft. Dabei war es oft Klassik und Jazz, Rock’n’Roll kam erst später.

Auch dank Rudolph Wurlitzer. Der Sachse hatte 1853 in Ohio einen Instrumentenhandel gegründet, aber nach seinem Tod wurde daraus eine Marke – und eine Legende – für Musikboxen. Der „Bubbler“, in dem Luftblasen aufstiegen, wurde zum Symbol für die 50er-Jahre.

US-Soldaten machten die Musikbox in der ganzen Welt bekannt

„Musikboxen waren die erste Gelegenheit, aktuelle Stücke zu hören, ohne sich gleich die Platte kaufen zu müssen. Und es kam das soziale Erleben der Musik dazu“, sagt Hildegard Stamann, die zusammen mit ihrem Mann Ersatzteile und auch Jukeboxen selbst verkauft. „Die amerikanischen Soldaten hatten diese Kultur nach dem Krieg in die Welt exportiert und es breitete sich rasend aus. Die Musikbox wurde ein Stück Alltagskultur: Man traf sich, wo die Musik war.“

Heute müssen Sammler Tausende Euro für eine gut erhaltene Jukebox ausgeben. Die Musikboxkultur ist aber nur ein Schatten ihrer selbst, alle Wiederbelebungsversuche mit CDs oder gar MP3 scheiterten.

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