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Showtalent und Jazz-Legende Paul Kuhn gestorben

Er war der „Mann am Klavier“ oder bloß „Paulchen“. Als Bandleader und Jazzvirtuose brachte Paul Kuhn Schwung in die Unterhaltung der Nachkriegszeit.

Er machte Swing in Deutschland populär und unterhielt mit seinen Fernsehshows Millionen Menschen: Paul Kuhn war einer der bekanntesten Musiker des Landes. Foto: Jens Kalaene
Jens Kalaene Er machte Swing in Deutschland populär und unterhielt mit seinen Fernsehshows Millionen Menschen: Paul Kuhn war einer der bekanntesten Musiker des Landes. Foto: Jens Kalaene

„Paulchen“ Kuhn aus Wiesbaden war schon zu Lebzeiten eine deutsche Swinglegende. Er verkörperte ein gutes Stück Fernsehunterhaltung und Showgeschichte der alten Bundesrepublik. In der Nachkriegszeit machte er seinen Landsleuten musikalisch Beine. Jetzt ist Paul Kuhn im Alter von 85 Jahren gestorben.

Als virtuoser „Mann am Klavier“ und Jazzmusiker aus Leidenschaft und später auch als begnadeter Entertainer, wie sie im deutschen Sprachraum eher selten sind, machte Kuhn schnell Furore. Der Mann mit dem zerknautschten Gesicht, dem müden Blick und den Tränensäcken brachte einen gehörigen Schuss Ironie in Musikshows und machte den Swing nach dem Zweiten Weltkrieg in Deutschland populär. 2010 wurde er mit einem Jazz-Echo für sein Lebenswerk geehrt.

Sein Weg führte ihn vom US-Soldatensender AFN in die Unterhaltungsshows im deutschen Fernsehen wie „Pauls Party“, ab 1968 sogar als Big-Band-Leader des damaligen Senders Freies Berlin (SFB) mit zahlreichen Schallplattenaufnahmen. „Es war eine tolle Zeit“, erinnerte sich Kuhn später immer wieder gerne. „Wir haben zwar überwiegend Unterhaltungsmusik gespielt, aber wenn wir mit dem Jazz loslegten, waren sogar die Amis begeistert und meinten: „That‘s A Real Band“. Was will man mehr.“

Auch als Sänger von Stimmungsliedern („Es gibt kein Bier auf Hawai“) mit markant-sonorer Stimme wurde Kuhn bald populär. Er gastierte mit seiner Band im In- und Ausland von der Londoner Royal Festival Hall bis zu den Wiener Festwochen. In den frühen 50er Jahren war Kuhn Mitglied bei den „German All Stars“, wo sich später auch Max Greger und James Last ihre ersten Sporen verdienten.

Obwohl Hesse hatte Kuhn schon früh eine enge Verbindung zu Berlin: 1936 debütierte er als achtjähriger Akkordeonspieler auf der Funkausstellung am Funkturm. Seinen ersten Plattenvertrag erhielt er in den ersten Nachkriegsjahren nach seinen Engagements als Pianist in der damals berühmten „Femina“-Bar, wo er allabendlich zum Jitterbug aufspielte, einem damals sehr populären amerikanischen Jazztanz. „Wir waren die Fürsten von Berlin, 80 Mark am Abend für jeden, eine sagenhafte Gage“, schwärmte Kuhn später.

Nach seiner Zeit als SFB-Big-Band-Leader in Berlin gründete er 1981 in Köln ein eigenes Unterhaltungsorchester. Noch im Frühjahr 2011 gab der in der Schweiz lebende Paul Kuhn sein spätes Spielfilmdebüt als Hauptdarsteller in der Altenkomödie „Schenk mir dein Herz“ mit Paulchen als lebensbejahendem Patienten einer Reha-Klinik. Er sagte dazu: „Ich höre schlecht, sehe nicht mehr sehr gut, aber sonst geht es mir eigentlich ganz gut.“ Älterwerden sei eigentlich „ein bisschen scheiße“, denn „es wird immer weniger, was man kann... was soll das dann noch?“ Bis zuletzt gab ihm aber seine Frau Ute Kraft und Zuversicht.