Erwachsenen-Rap ohne Wut:

Sidos neue Gelassenheit

Die rebellischen Zeiten des „Arschficksongs“ sind lange vorbei: Auf seinem neuen Album präsentiert sich Sido als zufriedener Familienvater.

Sido ist zweifacher Vater. Die Zeiten als Straßenjunge sind vorbei – das merkt man auch an seinen Texten.
Britta Pedersen Sido ist zweifacher Vater. Die Zeiten als Straßenjunge sind vorbei – das merkt man auch an seinen Texten.

Auch ein Rap-Rüpel wird irgendwann erwachsen. Mit der inneren Gelassenheit eines Familienvaters lehnt sich Sido im schweren Ledersessel zurück, hell schimmern die vereinzelten grauen Haare im Vollbart.

Die neue Zufriedenheit im Leben des 32 Jahre alten Berliners nach der Heirat mit der TV-Moderatorin Charlotte Engelhardt und der Geburt des gemeinsamen Sohnes spiegelt sich auch im Album „30-11-80“ wider, das am Freitag veröffentlicht wird.

Der frühere Elternschreck hat sich dank seiner Imageveränderung längst dem deutschen Entertainment-Mainstream angenähert – ohne aber seine Hip-Hop-Wurzeln zu vernachlässigen. Bei Stefan Raabs Polit-Talk „Absolute Mehrheit“ setzte sich Sido durch, er ist in österreichischen Castingshows Jury-Mitglied, drehte einen Film mit Joachim Fuchsberger.

Prominente Unterstützung auf dem neuen Album

Zudem begrüßt er auf seiner neuen Platte Stars wie Marius Müller-Westernhagen oder Helge Schneider als Gäste. „Das war aufregend für mich, eine Riesennummer“, berichtet Sido über die gemeinsamen Aufnahmen mit dem musikalischen Komiker in Griechenland zum Song „Arbeit“. „Inzwischen telefonieren wir manchmal einfach so, es ist schon eine Art Freundschaft entstanden. Wir können auch mal zehn Minuten quatschen und kein ernstes Wort reden.“

Im Track „Enrico“ thematisiert der Sohn einer Sintiza sozialkritisch den öffentlichen Umgang mit einem Jungen dieser Herkunft. Auf „Liebe“ rappt er, wie dieses Gefühl ihn verändert hat.

Noch nicht ganz aus Negativ-Schlagzeilen raus

Trotz allen Wandels hat sich der Sprachkünstler allerdings immer noch nicht aus den Negativ-Schlagzeilen verabschiedet, zuletzt sorgte eine Anklage wegen gefährlicher Körperverletzung für Aufsehen. „Ich war das nicht. Alle Vorwürfe, die es gibt, sind haltlos“, beteuerte der Musiker mit dem bürgerlichen Namen Paul Würdig. „Es gibt Leute, die komische Ideen haben, an Geld zu kommen.“ Ihm wird vorgeworfen, Ende April in einem Berliner Club mit einer Wodka-Flasche auf einen Mann eingeschlagen zu haben.

Eine tätliche Auseinandersetzung mit einem Society-Reporter vor gut einem Jahr in Wien hatte zunächst keine strafrechtlichen Folgen. Die dortige Staatsanwaltschaft trat nach eigenen Angaben von der Strafverfolgung zurück und will zwei Jahre überprüfen, ob Würdig sich Wohlverhalten hat.

Schämt sich nicht vor dem Richter – aber der Familie

Im Song „Papa, was machst du da“ verspricht der zweifache Vater, dessen erster Sohn aus einer früheren Beziehung stammt, generell nie mehr die Fassung verlieren zu wollen. „Ich meine es wirklich ernst“, betont er. „Ich schäme mich nicht, wenn ein Richter mir sagt, dass etwas Scheiße war. Sondern ich schäme mich vor meiner Familie, vor meinen Kindern. Ich möchte nicht das Gefühl vermitteln, dass so etwas ok ist, sondern gehe damit offensiv um und sage: Papa ist ein Idiot.“

Auch wenn seine Zeiten als Straßenjunge passé sind, will sich Sido auch in Zukunft vorerst nicht nach einer neuen musikalischen Ausdrucksform umsehen. „Hip Hop wird mit mir erwachsen“, resümiert er. „Ich hoffe, dass ich mit 35 noch ein Album machen kann, das nicht mehr das rebellische Ich-haue-auf-den-Putz-Album ist, sondern ein Album, das etwas bewegt.“

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