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Slow West - Kluger Western zwischen Gewalt, Traum und Poesie

Pferde, Cowboys und Indianer: "Slow West" vereint alles, was zu einem klassischen Western gehört. Allerdings ohne Klischees, stattdessen zeigt John Maclean die ungeschönte Realität. Und die bestand für viele Siedler um 1870 aus Gefahr und täglichem Überlebenskampf.

Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee) und Silas Selleck (Michael Fassbender) sind gemeinsam auf dem langen Weg nach Westen.
Prokino Filmverleih Jay Cavendish (Kodi Smit-McPhee) und Silas Selleck (Michael Fassbender) sind gemeinsam auf dem langen Weg nach Westen.

Ein naiver schottische Adelsspross, der den Atlantik überquert, um im amerikanischen Westen seine große Liebe zu finden - und der mit der harten Realität aus Kriminalität, Gewalt und Tod konfrontiert wird. Kodi Smit-McPhee, bekannt aus "Planet der Affen: Revolution", spielt den verzärtelten Jay, der völlig unvorbereitet auf Cowboys, Indianer und Vagabunden trifft. Ohne den geheimnisvollen Kopfgeldjäger Silas wäre er in dieser Wildnis verloren, beeindruckend gespielt von Michael Fassbender. "Slow West" von Regisseur John Maclean vereint viele Elemente klassischer Western-Filme, verzichtet aber auf romantische Cowboy-Klischees. Sein Westen ist wild und gefährlich, und beraubt den ahnungslosen Neuankömmling jeder Illusion.

Jay bricht im Jahr 1870 mit nichts auf, als mit seiner Liebe zu Rose, die zum Kummer seiner adligen Familie nicht standesgemäß ist. Statt mit wachen Sinnen auf Gefahren zu achten, verliert er sich in romantischen Träumereien, poetischen Ergüssen und Gutgläubigkeit. Ein linkischer, etwas altkluger Jüngling, der nicht mal weiß, wie man sich rasiert, und der im harten Alltag völlig fehl am Platz ist. Einer seiner Verfolger ist der skrupellose Payne (Ben Mendelsohn), der ihm mit seiner Bande dicht auf den Fersen ist. Doch Jay ist felsenfest überzeugt: "Leben ist mehr als Überleben." Darauf Silas, sein Beschützer wider Willen: "Ja, es ist auch Sterben."

Filme wurde in Neuseeland gedreht

Gestorben wird in "Slow West" zuhauf: Cowboys, Siedler und Indianer. Vor allem der Hinweis auf die Indianer war Maclean wichtig. "Es wäre unmöglich gewesen, einen Western zu drehen, ohne die Zerstörung der Ureinwohner Amerikas zu erwähnen", erklärt der Regisseur. Das ist auch eines der ersten Schockerlebnisse für Jay, als er die Reste eines niedergebrannten Indianerdorfes vorfindet. Doch das ist noch gar nichts im Vergleich zu dem albtraumartigen Geschehen, mit dem er am Ende des Films konfrontiert wird.

Maclean, der eigentlich Musiker ist und Gründungsmitglied der schottischen Gruppe The Beta Band, hat mit "Slow West" einen klug erzählten Western inszeniert. Auf wunderbare Art vereint das in Neuseeland gedrehte Kinodebüt Spannung, Poesie und schrägen Humor und beeindruckt nicht zuletzt durch die wunderschönen Bilder des irischen Kameramanns Robbie Ryan.